Börse Die Aktienkurse werden weiter steigen

Beflügelt von der Hoffnung auf ein Ende der Rezession erreicht der Dax neue Höhen, obwohl noch viele Anleger der Börse fernbleiben. Mit ihnen könnte er noch höher steigen

Krise? Welche Krise? An den Börsen ist sie kaum zu spüren. Der Dax hat die Marke von 5000 Punkten deutlich überschritten und steht höher als an jedem anderen Tag des Jahres. Die Stimmung an den Märkten ist gelöst. Viele Beobachter glauben, der Weg nach oben sei jetzt frei. Jüngste Konjunkturdaten aus den USA und Europa lassen sie auf bessere Zeiten hoffen.

Langfristig werden Konjunkturdaten alleine jedoch nicht ausreichen, um die Kurse weiter in die Höhe zu treiben. Ein wenig Psychologie gehört auch dazu: Die Anleger müssen wieder bereit sein, Aktien zu kaufen. Je vorsichtiger sie das tun, desto stabiler kann der Aufschwung des Aktienmarkts sein.

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Noch ist die Kauflust wenig ausgeprägt. Die Aktienhändler weltweit hatten in den vergangenen Wochen Langeweile, weil an den Börsen nur sehr niedrige Umsätze zu verzeichnen waren. Die Investoren halten sich zurück und beobachten das Treiben der wenigen, die im aktiven Handel verblieben sind. Noch haben sie keine klare Vorstellung darüber, wohin die Kurse streben. Sie hoffen auf ein Zeichen. Es herrscht die typische Ruhe vor dem Sturm.

So viel Zurückhaltung ist häufig gefährlich, kann in einer Situation wie der gegenwärtigen aber dennoch zum Erfolg führen. Hellt sich die Stimmung am Aktienmarkt zu Beginn eines Kursaufschwungs auf, ist das häufig ein Hinweis darauf, dass viele Anleger ihr Geld noch nicht investiert haben und sich abwartend verhalten. Sobald sie Anzeichen für einen neuen Trend erkennen, beginnen sie zu handeln. Das Resultat ist ein sich selbst verstärkender Effekt: Durch die steigenden Kurse beginnen stetig mehr Investoren, wieder Aktien zu kaufen – solange, bis auch der größte Pessimist an die Trendwende glaubt und investiert.

Das wird auch jetzt geschehen. Zu viele stehen noch am Rand und beobachten die jüngsten Kursgewinne ungläubig. Die Bärenmarktrallye wird erst dann zu Ende gehen, wenn auch sie sich wieder aktiv am Börsenspiel beteiligen. Zwar darf eine Bärenmarktrallye laut Definition die vorherige Abwärtsbewegung nicht um mehr als 50 Prozent wieder ausgleichen, doch bis das geschieht, ist noch viel Spielraum nach oben vorhanden.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine solche Rallye weitergeht, bis sie den größtmöglichen Schaden angerichtet hat. Er entsteht, sobald viele wieder eingestiegen sind, die kurz vor dem Kurstief erst ausgestiegen waren. Sie werden erneut viel verlieren, doch das scheint ein Gesetz des Marktes zu sein: Die Mehrheit hat nicht immer unrecht, aber sie liegt immer dann falsch, wenn es besonders wichtig wäre, richtig positioniert zu sein. Das ist gerade an den Wendepunkten der Fall. Bis die Börse dieses Mal die Wende erreicht, scheint es noch etwas zu dauern.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.
 

 
Leser-Kommentare
  1. zur Hand.
    Aber morgen soll es bewölkt bis sonnig sein.
    Kaum etwas Sicht am Horizont und schon kommen die Zocker oder was ? ;-)

  2. Das ist relativ, zum einen der Wert, dann die Zeitdauer.
    Sie steigen, dann fallen sie wieder, dann steigen sie, dann fallen sie wieder...
    Niemand weiß wohin, also atme ich weiter aus und wieder ein...
    Und eigentlich nach primitivster Binsenweisheit war es damals so, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, dann floriert die Börse und umgekehrt.
    Ergo nichts neues an den Börsen.

  3. Zocken ist das und warum auch nicht.
    Die Banken haben gelernt das "wir" sie aus der [...] holen wenns wieder soweit ist.

    Wo sind die neuen Regeln die man uns versprochen hat????

    [Gekürzt, bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • Kerzel
    • 27.07.2009 um 14:57 Uhr

    Dieser Artikel laesst tiefer blicken als die extrem oberflaechliche Analyse des Autors vermuten laesst. Er ist eine (wohl ungewollte) Bestaetigung der Tatsache, dass die Aktienmaerkte vollkommen losgeloest vom realen Markt, vom realen Leben funktionieren und, weit davon entfernt sind, die ehrliche (sorry fuer diesen antiquierten, voellig unzeitgemassen Ausdruck!) Reflektion von realen, nachhaltigen, geschaffenen Werten zu sein. Die paar Hopserchen, die der Aktienmarkt nach oben oder unten macht, aendert an dieser Wahrheit (uuuups, schon wieder son ein angestaubtes Wort, dass nur noch dazu taugt Kindern aus Erziehungszwecken vorzugaukeln, dass es sich hierbei um eine ueberlebnsnotwendige Tugend handelt.) aber auch GAR NICHTS. Draussen tobt der Kampf ums Ueberleben, das Casinospiel mit dem Geld "der Kleinen" geht weiter. Der Staat klatscht dazu im Takt und wirft mit Geld, dass es NOCH gar nicht gibt, um sich. Das duerfen dann wieder "die Buerger" reinarbeiten. Dafuer braucht es natuerlich ein bisschen Werbung, um die Massen zum "Spiel" zurueck zu locken und bei Laune zu halten. Manchmal wundere ich mich wirklich, wie es sein kann, dass offensichtlich schlecht recherchierte Artikel ihren Weg in die doch ansonsten sehr anspruchsvolle Zeit finden.

    • ADoria
    • 27.07.2009 um 15:06 Uhr

    Was wird denn um Himmels Willen an der LMU gelehrt? Lesen in der Kristallkugel hat doch nichts mit Kristallographie zu tun.
    (entfernt. Bitte verzichten Sie auf unwahre Behauptungen und Unterstellungen. Die Redaktion/jk)

    • messem
    • 27.07.2009 um 15:43 Uhr

    Tendenziell werden die Kurse weiter steigen, da das ganze Zentralbankgeld irgendwohin muss. Da es nicht in der Realwirtschaft ankommt und die Konsumgüterpreise nicht inflationieren, werden eben Firmenanteile inflationiert.

    • BERGEN
    • 27.07.2009 um 16:47 Uhr

    ...das Beste an ZEIT-Online sind die trockenen Kommentare...
    schließe mich den Stellungnahmen meiner Vor-Foristen vollinhaltlich an...Prust!!!!

    und...bitte verzichten Sie nicht auf unsachliche Bemerkungen!!

  4. sind unübersehbar.

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