Claudia Pechstein Die SchattenläuferinSeite 2/2
Während Pechsteins Manager Grengel sich von seinem Urlaubsort an der Algarve aus selbst rechtfertigen muss, bereitet Anwalt Bergmann in Berlin die juristische Verteidigungsstrategie vor – gemeinsam mit einem anderen Anwalt für Sportrecht. Dabei sollen die für Pechsteins Blutprofil zwischen 2000 und 2009 gesammelten Werte Pechsteins vor allem wegen ihres Zustandekommens angezweifelt werden. Pechsteins Anwälte wollen hinterfragen, ob diese Indizien wirklich gerichtsfest sind. "Für alle 95 Blutkontrollen liegen keine Ablaufprotokolle vor, wie es von der Welt-Antidoping-Agentur Wada vorgeschrieben ist", sagt Bergmann. "Damit sind sie als Beweismittel untauglich." Die ISU wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern.
Wie auch immer Pechstein sich juristisch verteidigen mag: Die schlechten Nachrichten für ihr öffentliches Image kann sie damit kaum überdecken. Gegen die bei der Bundespolizei angestellte Athletin wurde ein dienstrechtliches Verfahren eingeleitet, das bis zur Cas-Entscheidung ruht. Und dann forderte auch noch Pechsteins oberste Dienstherr, Innen- und Sportminister Wolfgang Schäuble (CDU), im Interview mit dem Tagesspiegel: "Sie muss jetzt die Indizien und den derzeitigen Anschein widerlegen. Ich nehme an, sie tut alles, um ihre Unschuld zu beweisen. Das muss sie auch."
Pechstein will darauf nicht reagieren. Bergmann schon: Er geht mit Schäuble hart ins Gericht. „Ich finde, dass der Minister die Fürsorgepflicht gegenüber einer seiner Angestellten extrem vernachlässigt“, sagt Bergmann. "Diese Aussagen haben Claudia Pechstein sehr geschadet, denn juristisch muss nicht sie ihre Unschuld beweisen, sondern der Verband ihre Schuld."
Genau das aber ist umstritten, und zumindest im öffentlichen Bild muss die erfolgreiche deutsche Wintersportlerin schon selbst für Entlastung sorgen. Der Vorschlag des Pharmakologen und Dopingexperten Fritz Sörgel, Pechstein solle sich in eine Quarantäne begeben, um ihr Blut über einen längeren Zeitraum auf Anomalien testen zu lassen, wird deshalb von Pechsteins Anwalt geprüft. "Darüber denken wir nach, auch wenn wir das juristisch nicht für notwendig halten", sagt Simon Bergmann, "kann das ein Ausweg sein."
Einen Ausweg suchen – damit ist das Pechstein-Lager derzeit ziemlich beschäftigt. Und seit kurzem auch mit sich selbst.
- Datum 26.07.2009 - 12:21 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Ich bin ja ein Sportmuffel und sicherlich in den Augen der Sportfans unqualifiziert etwas dazu zu sagen.
Nach allem, was ich hörte, hielte ich es für angebracht, dem Zirkus das Dopen zu erlauben, besser, es nicht zu verbieten.
So, wie es ist, gibt es immer nur weiteres Theater zum Zirkus.
Wenn beim "Kampf" gegen Doping die Umkehr der Beweislast eingeführt werden soll, halte ich das allerdings für einen schwerwiegenden Schritt und sollte so in einem Rechtsstaat nicht vorkommen.
So könnte der Zirkus auch noch unsere eh schon oft bedrängte Rechtsstaatlichkeit weiter beschädigen.
Ist es das wert?
Die Spitzendop... sorry, -sportler machen es wie Manager und Staat, ist doch nur konsequent: mit juristischen Detailkonstrukten soll erreicht werden, dass alles bleibt, wie es ist bzw. alles ohne Konsequenzen alles Mögliche getan werden kann.
Das Einzige, was denen noch wirklich weh tut sind Sperren und ein lädiertes Bild in der Öffentlichkeit.
Wer nimmt denn Leistungssport überhaupt noch ernst? Ist doch eh in jeder Disziplin einer mehr oder weniger großer Sumpf von "pharmakologischen Optimierern".
Das Einzige, wie man sowohl Spitzensportlern als auch Managern zu Leibe rücken kann, ist ein so geringer Erwartungswert ihrer Aktionen, dass sich Doping bzw. verantwortungsloses Wirtschaften nicht mehr lohnt - z.B. durch persönliche, vollumfängliche Verantwortung und lebenslange Berufsverbote bzw. -sperren.
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