Flashmob Braunschweig vertreibt die Internet-Meute

Tausende Menschen versammeln sich ad hoc zu sogenannten Flashmobs. Sie wollen Spaß haben und Schabernack treiben. Doch in Deutschland findet das nicht jeder lustig

Die Stadt Braunschweig hat gerade verfügt, dass ihr historischer Schlossplatz kein Ort für lustigen Blödsinn ist. Das zuständige Ordnungsamt ist der Meinung, dass Flashmobs – spontane, übers Internet organisierte Versammlungen – keinem öffentlichen Interesse genügen und auch nicht der stadtgeschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung des Platzes Rechnung tragen. Dem Künstler Dirk Schadt, der auf dem Platz per Flashmob ein einstündiges Picknick gestalten wollte, wurde selbiges untersagt.

Es ist nicht das erste Mal, dass deutsche Behörden versuchen, dieses Phänomens per Verordnung Herr zu werden. Christoph Stüber beispielsweise, arbeitsloser Metallbauer aus Schleswig, wartet gerade auf den Prozess, den das Ordnungsamt von Sylt gegen ihn angestrengt hat. Stüber hatte über das Internetportal MeinVZ dazu aufgerufen, auf der Insel eine spontane Party zu feiern. 5000 kamen und hinterließen Müll und breit gelatschte Dünen. Gemeindeverwaltung, Nord-Ostsee-Bahn und der Tourismus-Service Sylt wollen nun viel Geld von ihm, immerhin sei er der Veranstalter der Sauerei gewesen.

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Nach deutschem Recht stimmt das wohl, dem Selbstverständnis der Flashmobber aber läuft es zuwider. Stüber beispielsweise hält sich auf keinen Fall für einen Veranstalter. Er habe doch nur mit ein paar Freunden feiern wollen. "Darüber kann ich nur grinsen. Es war keine offizielle Veranstaltung, und ich war nicht der Veranstalter", zitieren ihn Medien.

Flash meint blitzartig, mob ist das Gelichter, hier eher die namenlose Menge – Flashmob also ist eine scheinbar aus dem Nichts sich zusammenrottende Gruppe, die seltsame Dinge tut und kurz darauf wieder verschwindet. Das Internet vernetzt die Menschen schnell und in großer Zahl. Irgendjemand hat eine Idee, verbreitet sie in entsprechenden Foren und hofft, dass viele ihr folgen. Tun sie es, lautet die Regel der Flashmobber, nicht einzugreifen, nicht anzuleiten, sondern die Masse machen zu lassen: Tritt beiseite und genieße.

Im Sommer 2003 war das Hobby entstanden. Als Erfinder gilt der Journalist Bill Wasik, weil er als Erster eine Menge versammelte und sie dazu brachte, Sinnloses zu tun. Wie er drei Jahre später im Harper's Magazine schrieb, habe er damit all jene vorführen wollen, die ständig auf der Suche nach dem nächsten großen Ding seien und dafür jeden Blödsinn mitmachen würden. Die Netzgemeinde störte es nicht, begeistert griff sie die Idee auf, und einen Sommer lang trafen sich weltweit Menschen, um synchron in den Himmel zu starren oder wie ferngesteuert immer wieder denselben Text aufzusagen.

Einige Jahre lang war es dann ruhig um diese Freizeitbeschäftigung, doch seit 2007 findet sie wieder Nachahmer. Mehr denn je. Im März 2008 beispielsweise ging bei einem Frikadellenbräter in Berlin eine Bestellung über 10.355 Cheeseburger ein. Auf eben jenem Schlossplatz in Braunschweig verharrten am 1. April Hunderte Menschen fünf Minuten lang regungslos. World Freeze Day hieß die Aktion – die Braunschweig ebenfalls nicht mehr tolerieren will. Sie fand auch in Stockholm, Wien und Vancouver statt. Höhepunkt der Flashmob-Aktionen hierzulande war die Strandparty auf Sylt Mitte Juli.

Warum machen die das? Aus Spaß, als subversive Kritik an der Gesellschaft, als Machtdemonstration, um schmunzelnd Unruhe zu stiften. Gründe gibt es einige, keiner davon jedoch überzeugt deutsche Ordnungsämter.

Leser-Kommentare
  1. Deutschland entwickelt sich zu einem Verbots-Hochleistungsland mit hochgradig verstoppschilderten Landschaftsbild.

    Jeder Dorfbürgermeister versucht inzwischen, einen Leyendarsteller zu geben.

    Wie armselig ist doch unsere Republik, wie jämmerlich unsere Politiker/innen.

    Verbote ! Verbote ! (Wenn schon die Reformen so jämmerlich versagen)

    Zwischendurch wird von der Politik ein wenig das Mütchen im Flatrate-Puff gekühlt.

    Und weiter gehts mit Verboten und Stoppschildern.

    Jämmerlich.

  2. Ja, es gibt es noch, das bieder-brave Bürgertum. Leute, die alles in Regeln und Verordnungen sehen wollen, weil sonst ihr Weltbild und ihre Weltordnung zusammenbricht.
    Regeln und Verordnungen sind dort gut wo sie Sinn machen, sie sind aber nicht sinnstiftend ansich. Beobachter der "Generation Internet" können über so viel Spießigkeit nur bedauernd-mitleidig und schmunzelnder Weise den Kopf schütteln.

    Eine Kissenschlacht als Gefahr für die öffentliche Ordnung? Eine Minute die Statue spielen muss dringend verboten werden? Ein Offenbarungseid. Wer mit aller Macht nach einem Sinn von solchen Aktionen sucht hat ihn damit gefunden: es geht darum zu entlarven.

    *hihi* :-)

    http://www.netreaper.net

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    • junkie
    • 28.07.2009 um 10:51 Uhr

    Ach was sind wir modern und hipp und cool (sagt man das heute noch???). Das bieder brave Bürgertum, soso. Hier spricht offenkundig einer, der sich dem Neuen, dem Wahren , Schönen, Guten verschrieben hat.
    Aber auch ihr, die ihr glaubt ohne Regeln regelt sich alles selbst, auch ihr werrdet merken, dass es eben nicht so ist, spätestens, wenn hunderte in eurem Vorgarten stehen und "spontan urinieren".
    Es geht bei der Reglementierung doch nicht darum, die zu reglementieren, die sehnsüchtig in den Himmel starren oder sinnlose Texte immer und immer wieder wiederholen. Wenn´s Spass macht, bitte schön.
    Die Grenzen sind aber dann erreicht, wenn wie im Fall Sylt ein Müllberg zurückbleibt, den andere wegräumen müssen.
    Frei zu sein in seinen Entscheidungen, bedeutet nicht alles tun zu dürfen. Freiheit für alle beinhaltet unter anderem auch, von anderen nicht eingeschränkt zu werden, aber diese Freiheit beinhaltet dann auch die eigen VErantwortung andere in ihrer Freiheit nicht zu beschränken.

    • junkie
    • 28.07.2009 um 10:51 Uhr

    Ach was sind wir modern und hipp und cool (sagt man das heute noch???). Das bieder brave Bürgertum, soso. Hier spricht offenkundig einer, der sich dem Neuen, dem Wahren , Schönen, Guten verschrieben hat.
    Aber auch ihr, die ihr glaubt ohne Regeln regelt sich alles selbst, auch ihr werrdet merken, dass es eben nicht so ist, spätestens, wenn hunderte in eurem Vorgarten stehen und "spontan urinieren".
    Es geht bei der Reglementierung doch nicht darum, die zu reglementieren, die sehnsüchtig in den Himmel starren oder sinnlose Texte immer und immer wieder wiederholen. Wenn´s Spass macht, bitte schön.
    Die Grenzen sind aber dann erreicht, wenn wie im Fall Sylt ein Müllberg zurückbleibt, den andere wegräumen müssen.
    Frei zu sein in seinen Entscheidungen, bedeutet nicht alles tun zu dürfen. Freiheit für alle beinhaltet unter anderem auch, von anderen nicht eingeschränkt zu werden, aber diese Freiheit beinhaltet dann auch die eigen VErantwortung andere in ihrer Freiheit nicht zu beschränken.

  3. Art. 8 Grundgesetz: "Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln."

    Wir könnten doch gleich das ganze Grundgesetz in die Tonne treten, scheint ja sowieso keinen mehr zu interessieren, was da drin steht.

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    • Buker
    • 28.07.2009 um 8:07 Uhr

    ...unsere Politiker Urteile des Verfassungsgerichtes so munter ignorieren (http://www.spiegel.de/aut...) ist unsere Verfassung leider das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht...
    Schade, denn eigentlich sind das Grundgesetz und Rechtsstaatlichkeit ja eine feine Sache.

    232 Zeichen in 35 Wörter sind für manche wohl eine zu umfangreiche Literatur. Schließlich lässt sich alles wichtige in 140-160 Zeichen sagen, oder? Aber trotzdem, vollständigkeitshalber:

    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

    • Buker
    • 28.07.2009 um 8:07 Uhr

    ...unsere Politiker Urteile des Verfassungsgerichtes so munter ignorieren (http://www.spiegel.de/aut...) ist unsere Verfassung leider das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht...
    Schade, denn eigentlich sind das Grundgesetz und Rechtsstaatlichkeit ja eine feine Sache.

    232 Zeichen in 35 Wörter sind für manche wohl eine zu umfangreiche Literatur. Schließlich lässt sich alles wichtige in 140-160 Zeichen sagen, oder? Aber trotzdem, vollständigkeitshalber:

    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

  4. Wer Partys auf öffentlichen Plätzen organisiert, soll auch dafür zahlen. Der Allgemeinheit die Kosten aufzubürden, weil man zufällig arbeitslos ist und unbedingt öffentlichkeitswirksam der Initiator eines zeitgemäßen "Flashmobs" sein möchte ist asozial.

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    super, einverstanden, gute Idee!
    Dann lassen wir diese Regel für alle gelten. Wenn Staatslenker mal wieder meinen eine Orschaft (Heiligendamm, Berlin, München oder wo auch immer Sicherheitskoferenzen stattfinden, G6 - G24 sich neue Überwachungsbefugnisse ausdenkt) mit Scharfschützen, Zäunen, Tieffliegern und kleineren Panzerchen abriegeln zu müssen: sollen sie selber zahlen! Der Allgemeinheit die Kosten aufzubürden, weil man zufällig Regierungsmitglied ist und unbedingt öffentlichkeitswirksam der Initiator einer G-viele Konferenz sein möchte ist asozial.

    Die Menschen gehoeren nicht zur Allgemeinheit? Weil Sie nicht Teil der gesellschaft sind? Wer ist dann die Gesellschaft? Nur die mit Bausparvertrag, kleinem Haeusschen und grauen Anzug? Wer darf bestimmen wer Teil einer gesellschaft ist? Wo bleibt das Grundrecht auf Leben wie man selber moechte?
    Das sind wesentliche Fragen. Klar machen massen die nicht im gleichschritt der Behoerden maschieren Angst, aber nur wenn man Grund hat Anst zu haben. Wieviele sind eine Versammlung? 100? 1000? oder schon 3? Kann die Polizie eingreifen? Muss sie gar mit Wasserwerfen und Knueppeln vorgehen?

    Assozial ist es gegen Menschen im eigenen Land vorzugehen. Unabhaengig ob Ordnungsamt oder Polizei.

    • Euwie
    • 28.07.2009 um 12:26 Uhr

    Wer hat denn den Flashmob bestellt?
    Stellen Sie sich vor: Sie laden - für ihren Geburtstag - Freunde ein: Jeder kann kommen wer will!
    Plötzlich kriegen Sie eine Rechnung über hunderttausende Euro, weil SIE gegen GG6.Abs.2 verstoßen haben. SIE haben schließlich die Einladung ausgesprochen und den Empfängerkreis nicht eingeschränkt.

    Den Mob kann man nicht bestrafen - aber vielleicht kann man sich irgendeinen herauspicken und ein "Exempel statuieren". Hier wird ein Schauprozess geführt: Schau Dir nur an, was passiert, wenn du zu etwas aufrufst! Du bist gewarnt! Dich könnte es als nächstes erwischen!

    Tatsächlich ist das eine typisch deutsche Anschuldigung. WER ist Schuld? Da muss doch jemand schuld sein! Der muss dafür bezahlen. Ich hatte immer gedacht, dass die Diktaturen in Deutschland 'Zufall' sind - Ergebnis böser Umstände. Aber mir dämmert langsam, dass das systematisch bedingt ist:
    WIR sind nicht schuld - DER da wars - ganz allein!

    super, einverstanden, gute Idee!
    Dann lassen wir diese Regel für alle gelten. Wenn Staatslenker mal wieder meinen eine Orschaft (Heiligendamm, Berlin, München oder wo auch immer Sicherheitskoferenzen stattfinden, G6 - G24 sich neue Überwachungsbefugnisse ausdenkt) mit Scharfschützen, Zäunen, Tieffliegern und kleineren Panzerchen abriegeln zu müssen: sollen sie selber zahlen! Der Allgemeinheit die Kosten aufzubürden, weil man zufällig Regierungsmitglied ist und unbedingt öffentlichkeitswirksam der Initiator einer G-viele Konferenz sein möchte ist asozial.

    Die Menschen gehoeren nicht zur Allgemeinheit? Weil Sie nicht Teil der gesellschaft sind? Wer ist dann die Gesellschaft? Nur die mit Bausparvertrag, kleinem Haeusschen und grauen Anzug? Wer darf bestimmen wer Teil einer gesellschaft ist? Wo bleibt das Grundrecht auf Leben wie man selber moechte?
    Das sind wesentliche Fragen. Klar machen massen die nicht im gleichschritt der Behoerden maschieren Angst, aber nur wenn man Grund hat Anst zu haben. Wieviele sind eine Versammlung? 100? 1000? oder schon 3? Kann die Polizie eingreifen? Muss sie gar mit Wasserwerfen und Knueppeln vorgehen?

    Assozial ist es gegen Menschen im eigenen Land vorzugehen. Unabhaengig ob Ordnungsamt oder Polizei.

    • Euwie
    • 28.07.2009 um 12:26 Uhr

    Wer hat denn den Flashmob bestellt?
    Stellen Sie sich vor: Sie laden - für ihren Geburtstag - Freunde ein: Jeder kann kommen wer will!
    Plötzlich kriegen Sie eine Rechnung über hunderttausende Euro, weil SIE gegen GG6.Abs.2 verstoßen haben. SIE haben schließlich die Einladung ausgesprochen und den Empfängerkreis nicht eingeschränkt.

    Den Mob kann man nicht bestrafen - aber vielleicht kann man sich irgendeinen herauspicken und ein "Exempel statuieren". Hier wird ein Schauprozess geführt: Schau Dir nur an, was passiert, wenn du zu etwas aufrufst! Du bist gewarnt! Dich könnte es als nächstes erwischen!

    Tatsächlich ist das eine typisch deutsche Anschuldigung. WER ist Schuld? Da muss doch jemand schuld sein! Der muss dafür bezahlen. Ich hatte immer gedacht, dass die Diktaturen in Deutschland 'Zufall' sind - Ergebnis böser Umstände. Aber mir dämmert langsam, dass das systematisch bedingt ist:
    WIR sind nicht schuld - DER da wars - ganz allein!

    • Buker
    • 28.07.2009 um 8:07 Uhr

    ...unsere Politiker Urteile des Verfassungsgerichtes so munter ignorieren (http://www.spiegel.de/aut...) ist unsere Verfassung leider das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht...
    Schade, denn eigentlich sind das Grundgesetz und Rechtsstaatlichkeit ja eine feine Sache.

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    • junkie
    • 28.07.2009 um 10:54 Uhr

    Wir haben keine Verfassung. Gültig ist unser Grundgesetz, das übrigens eben nicht VErfassung heisst, weil es eigentlich einen klaren Auftrag gibt, eine Verfassung zu entwickeln, sobald die beiden deutschen Staaten wieder vereint sind. Das haben unsere Winkeladvokaten leider bis heute umgangen.

    • junkie
    • 28.07.2009 um 10:54 Uhr

    Wir haben keine Verfassung. Gültig ist unser Grundgesetz, das übrigens eben nicht VErfassung heisst, weil es eigentlich einen klaren Auftrag gibt, eine Verfassung zu entwickeln, sobald die beiden deutschen Staaten wieder vereint sind. Das haben unsere Winkeladvokaten leider bis heute umgangen.

  5. 232 Zeichen in 35 Wörter sind für manche wohl eine zu umfangreiche Literatur. Schließlich lässt sich alles wichtige in 140-160 Zeichen sagen, oder? Aber trotzdem, vollständigkeitshalber:

    (2) Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.

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    So, dann liest du noch Artikel 19(2) durch, der regelt nämlich, wie so ein Grundrecht durch Gesetze beschränkt werden darf:

    (2) In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden.

    Das heißt, es darf zwar für Versammlungen unter freiem Himmel Einschränkungen geben, aber die dürfen nicht dazu führen, dass es grundsätzlich nicht erlaubt ist, sich ohne Anmeldung friedlich zu versammeln. Genau diese Situation haben wir hier aber: Es ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt, sich ohne Anmeldung friedlich unter freiem Himmel zu versammeln, d.h. jede Versammlung wird einzeln genehmigt. Das ist genau der Punkt, wo der Wesensgehalt angetastet wird.

    Wenn es nur darum geht, wer den Müll einer solchen Versammlung wieder wegräumt, dann würde das den Wesensgehalt nicht antasten - dass man seinen Müll wieder mitnimmt, oder bei organisierten Veranstaltungen dafür sorgt, dass ihn jemand abtransportiert, das ist keine Einschränkung des Wesensgehalt, denn nirgendwo wird erwähnt, dass jeder Deutsche das Recht hat, die Landschaft vollzumüllen. Entscheiden hier ist ja, dass die Versammlung auf keinen Fall verboten wird, egal, wie man sich bezüglich des Mülls einigt - und dass schlimmstenfalls den Teilnehmern der Versammlung eine Rechnung der städtischen Müllabfuhr ins Haus flattert.

    • Euwie
    • 28.07.2009 um 11:56 Uhr

    So werden die Grundrechte langsam ausgehölt. Warum werden nicht gleich Nägel mit Köpfen gemacht:

    GG Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
    (2) Alles Nähere regelt ein Gesetz

    Als Gesetz reicht dann weil es uns nicht passt? Die Leute randalieren nicht, beschaedigen nichts, treiben keinen Vandalissmus und versuchen nicht den Staat zu zerstoeren. Wo ist der Grund? Das 5000 Menschen Muell hinterlassen ist (vor allem wenn nicht genug Muellentsorgungsmoeglichkeiten gibt) und den boden etwas einebnen liegt in der Natur der sache. Touristen sind ja am Strand wohl willkommen. Gibts da einen Mengenbeschraenkung? Ist essen oder Trinken am Strand verboten? Tanzen? Singen? Musizieren? Oder das sich verabreden uebers Internet?
    Das Problem ist das Menschen die nicht gelichgeschalten sind heute unerwuenscht sind. Gab mal eine Zeit wo man Rocken Roll verboten hat, mit Woehrtern wie entartete Kunst um sich geworfen hat und alle die anders Waren im Aussehen, Verhalten und Empfinden ausgesondert hat.
    Eine Zeit die siche so mache wieder Zureuckwuenschen und daran Arbeiten das genau das geschieht.

    So, dann liest du noch Artikel 19(2) durch, der regelt nämlich, wie so ein Grundrecht durch Gesetze beschränkt werden darf:

    (2) In keinem Falle darf ein Grundrecht in seinem Wesensgehalt angetastet werden.

    Das heißt, es darf zwar für Versammlungen unter freiem Himmel Einschränkungen geben, aber die dürfen nicht dazu führen, dass es grundsätzlich nicht erlaubt ist, sich ohne Anmeldung friedlich zu versammeln. Genau diese Situation haben wir hier aber: Es ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt, sich ohne Anmeldung friedlich unter freiem Himmel zu versammeln, d.h. jede Versammlung wird einzeln genehmigt. Das ist genau der Punkt, wo der Wesensgehalt angetastet wird.

    Wenn es nur darum geht, wer den Müll einer solchen Versammlung wieder wegräumt, dann würde das den Wesensgehalt nicht antasten - dass man seinen Müll wieder mitnimmt, oder bei organisierten Veranstaltungen dafür sorgt, dass ihn jemand abtransportiert, das ist keine Einschränkung des Wesensgehalt, denn nirgendwo wird erwähnt, dass jeder Deutsche das Recht hat, die Landschaft vollzumüllen. Entscheiden hier ist ja, dass die Versammlung auf keinen Fall verboten wird, egal, wie man sich bezüglich des Mülls einigt - und dass schlimmstenfalls den Teilnehmern der Versammlung eine Rechnung der städtischen Müllabfuhr ins Haus flattert.

    • Euwie
    • 28.07.2009 um 11:56 Uhr

    So werden die Grundrechte langsam ausgehölt. Warum werden nicht gleich Nägel mit Köpfen gemacht:

    GG Artikel 1
    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
    (2) Alles Nähere regelt ein Gesetz

    Als Gesetz reicht dann weil es uns nicht passt? Die Leute randalieren nicht, beschaedigen nichts, treiben keinen Vandalissmus und versuchen nicht den Staat zu zerstoeren. Wo ist der Grund? Das 5000 Menschen Muell hinterlassen ist (vor allem wenn nicht genug Muellentsorgungsmoeglichkeiten gibt) und den boden etwas einebnen liegt in der Natur der sache. Touristen sind ja am Strand wohl willkommen. Gibts da einen Mengenbeschraenkung? Ist essen oder Trinken am Strand verboten? Tanzen? Singen? Musizieren? Oder das sich verabreden uebers Internet?
    Das Problem ist das Menschen die nicht gelichgeschalten sind heute unerwuenscht sind. Gab mal eine Zeit wo man Rocken Roll verboten hat, mit Woehrtern wie entartete Kunst um sich geworfen hat und alle die anders Waren im Aussehen, Verhalten und Empfinden ausgesondert hat.
    Eine Zeit die siche so mache wieder Zureuckwuenschen und daran Arbeiten das genau das geschieht.

  6. Ein Gespenst geht um in Deutschland. Es heisst Angst. Und nein: es geht nicht um den Müll, den solche Spontanveranstaltungen hinterlassen, es geht um eine ganz andere Angst - dass es nämlich zu derartigen Veranstaltungen aus politischen Gründen kommt. Schließlich meint man doch, man hätte das alte System des Zockerkapitalismus mit Mühe und Not wieder einigermaßen hingezimmert bekommen. Äußerst interessant finde ich in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem Vorsitzenden der GdP, Rainer Wendt, das gerade heute auf SPON veröfentlicht wurde.

    Ich persönlich sehe hier in D eine sehr üble Tendenz - eine Tendenz, Probleme nicht sehen zu wollen und sie nach Möglichkeit unter den Teppich zu kehren, weil man glaubt, könne man sie nicht sehen, wären sie auch nicht vorhanden.

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    Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus forderte in BILD: "Es ist nicht hinnehmbar, dass Tausende unorganisiert feiern und anschließend die Gemeinschaft den Dreck wegräumen und die Folgen bezahlen muss"

    Dann sollte Ahlhaus aber auch so konsequent sein und die Spontanversammlungen zur Abfeierung des Konsums und des Kapitalismus, die an sechs Tagen die Woche in der Hamburger Mönckebergstraße, am Jungfernstieg und den umliegenden Straßen stattfindet, unterbinden. Es ist eine Unverschämtheit, dass die Kosten für Sicherheit und Sauberkeit dieser Veranstaltung all den Bürgern aufgehalst werden, die sich sozial und rücksichtsvoll verhalten, auf solche öffentlichen Demonstrationen ihrer Kaufkraft verzichten und online einkaufen. Kultur- oder Sportveranstaltungen (Marathon, Radrennen, Rund um die Alster, Weinfest auf dem Rathausplatz etc. pp.) verletzen die Rechte des anständigen steuerzahlenden Bürgers ohnehin so über die Massen, dass ein Verbot unabdingbar ist.

    Wegen der Ernsthaftigkeit und Traurigkeit dieser politischen Entwicklungen, sollte man sich solchen Galgenhumor vielleicht verkneifen, denn "sünnerklaas" hat leider vollkommen Recht: Es geht nicht um die Kosten für ein paar Straßenfeger, es geht um das Risiko, die Macht und Privilegien einzubüßen, wenn es dazu kommen sollte, dass sich die erpressten, erniedrigten und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossenen 7 Millionen Hartz IV Empfänger bzw. 10 Millionen Transferleistungsempfänger beginnen, gegen die Diktatur des Geldes aufzulehnen. Von den Millionen Selbständigen und Mittelklasse Steuerzahlern mal ganz zu Schweigen, die, von der Steuerlast und der nicht enden wollenden Regulierungswut des unaufhörlich wuchernden Bürokratiefilzes erdrückt werden.

    Die vielen, die Verfassung bis zum Zerreißen dehnenden und offensichtlich verfassungsfeindlichen Vorschläge der Schäuble CDU kommen nicht von ungefähr. Hier werden die - ohnehin reichlich vorhandenen - Möglichkeiten der staatlichen Kontrolle bis zum zum realen, nicht mehr demokratischen Polizeistaat erweitert um im drohenden Systemkollaps die Überhand bewahren zu können.

    Das die, durch die Medien gegeneinander aufgehetzten Bevölkerungsgruppen zunehmend das Spiel durchschauen und dass man in dieser Situation nicht mehr darauf vertrauen kann, dass der brave, obrigkeitshörige Deutsche sich weiter duckt und mit gesenktem Kopf und krummen Buckel den bis zur bleiernen Schwere beladenen Karren zieht, ist augenscheinlich.

    Daher geht es auch nicht darum, dass ein paar Deutsche Freude an gemeinschaftlichen, sozialen, kulturellen Aktivitäten zeigen. Es geht darum, dass Menschen wie Ahlhaus die Muffe geht, dass in Kürze die Menschen nicht mehr in den Himmel starren, sondern ihm im Rathaus oder seiner Villa ganz genau auf die Finger schauen. Dann wird der Spaß-Mob schnell zum Lynch-Mob. Die Ahlhauss der Republik haben also jeden Grund sich langsam in Sicherheit zu bringen!

    Erbärmlich ist nur, dass es lediglich zur Rechtsbeugung langt, wo beherzte Reformen fällig wären...

    • junkie
    • 28.07.2009 um 10:58 Uhr

    ... statt sinnlos in den Himmel zu starren, treffen sich hunderte über hunderte, weil sie mit dem, was mit uns gemacht wird, nicht mehr einverstanden sind und einen radikalen Wechsel verlangen *träum*

    Was ich sehe, sind Möchte-gerns mit Profilneurose, die in ihrer entorteten Realität nach Nähe zu "echten Menschen" suchen.

    Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus forderte in BILD: "Es ist nicht hinnehmbar, dass Tausende unorganisiert feiern und anschließend die Gemeinschaft den Dreck wegräumen und die Folgen bezahlen muss"

    Dann sollte Ahlhaus aber auch so konsequent sein und die Spontanversammlungen zur Abfeierung des Konsums und des Kapitalismus, die an sechs Tagen die Woche in der Hamburger Mönckebergstraße, am Jungfernstieg und den umliegenden Straßen stattfindet, unterbinden. Es ist eine Unverschämtheit, dass die Kosten für Sicherheit und Sauberkeit dieser Veranstaltung all den Bürgern aufgehalst werden, die sich sozial und rücksichtsvoll verhalten, auf solche öffentlichen Demonstrationen ihrer Kaufkraft verzichten und online einkaufen. Kultur- oder Sportveranstaltungen (Marathon, Radrennen, Rund um die Alster, Weinfest auf dem Rathausplatz etc. pp.) verletzen die Rechte des anständigen steuerzahlenden Bürgers ohnehin so über die Massen, dass ein Verbot unabdingbar ist.

    Wegen der Ernsthaftigkeit und Traurigkeit dieser politischen Entwicklungen, sollte man sich solchen Galgenhumor vielleicht verkneifen, denn "sünnerklaas" hat leider vollkommen Recht: Es geht nicht um die Kosten für ein paar Straßenfeger, es geht um das Risiko, die Macht und Privilegien einzubüßen, wenn es dazu kommen sollte, dass sich die erpressten, erniedrigten und von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossenen 7 Millionen Hartz IV Empfänger bzw. 10 Millionen Transferleistungsempfänger beginnen, gegen die Diktatur des Geldes aufzulehnen. Von den Millionen Selbständigen und Mittelklasse Steuerzahlern mal ganz zu Schweigen, die, von der Steuerlast und der nicht enden wollenden Regulierungswut des unaufhörlich wuchernden Bürokratiefilzes erdrückt werden.

    Die vielen, die Verfassung bis zum Zerreißen dehnenden und offensichtlich verfassungsfeindlichen Vorschläge der Schäuble CDU kommen nicht von ungefähr. Hier werden die - ohnehin reichlich vorhandenen - Möglichkeiten der staatlichen Kontrolle bis zum zum realen, nicht mehr demokratischen Polizeistaat erweitert um im drohenden Systemkollaps die Überhand bewahren zu können.

    Das die, durch die Medien gegeneinander aufgehetzten Bevölkerungsgruppen zunehmend das Spiel durchschauen und dass man in dieser Situation nicht mehr darauf vertrauen kann, dass der brave, obrigkeitshörige Deutsche sich weiter duckt und mit gesenktem Kopf und krummen Buckel den bis zur bleiernen Schwere beladenen Karren zieht, ist augenscheinlich.

    Daher geht es auch nicht darum, dass ein paar Deutsche Freude an gemeinschaftlichen, sozialen, kulturellen Aktivitäten zeigen. Es geht darum, dass Menschen wie Ahlhaus die Muffe geht, dass in Kürze die Menschen nicht mehr in den Himmel starren, sondern ihm im Rathaus oder seiner Villa ganz genau auf die Finger schauen. Dann wird der Spaß-Mob schnell zum Lynch-Mob. Die Ahlhauss der Republik haben also jeden Grund sich langsam in Sicherheit zu bringen!

    Erbärmlich ist nur, dass es lediglich zur Rechtsbeugung langt, wo beherzte Reformen fällig wären...

    • junkie
    • 28.07.2009 um 10:58 Uhr

    ... statt sinnlos in den Himmel zu starren, treffen sich hunderte über hunderte, weil sie mit dem, was mit uns gemacht wird, nicht mehr einverstanden sind und einen radikalen Wechsel verlangen *träum*

    Was ich sehe, sind Möchte-gerns mit Profilneurose, die in ihrer entorteten Realität nach Nähe zu "echten Menschen" suchen.

    • eluutz
    • 28.07.2009 um 8:19 Uhr

    Die Idee ist sicherlich faszinierend. Spontan innerhalb weniger Tage finden sich viele fremde Menschen, mit denen man etwas auf die Beine stellen kann, vielleicht einfach nur feiern, vielleicht eine künstlerische oder politische Aktion durchführen.

    Aber ein bisschen Verständnis für die Ordnungsämter kann man auch haben. Denn bei Massenveranstaltungen entsteht einerseits Müll - dessen Ensorgung Geld kostet - andererseits passiert immer wieder auch Sachbeschädigung - egal ob bewußt herbeigeführt oder unabsichtlich verursacht. Ebenfalls - aus ordnungspolitischer Sicht wichtig - ist eine höhere Gefährdungslage bei Menschenansammlungen. Das kann auch Gewalt gegen Teilnehmer sein.

    Aus diesem Grunde ist das Versammlungsrecht auch eingeschränkt, Ordnungsämter können Auflagen machen, die - zumindest theoretisch - dem Schutz von Anwohnern, Eigentum aber auch Teilnehmern an Veranstaltungen dienen sollen.

    Also sollte man sich bei aller Euphorie über spontane Versammlungen auch darüber im Klaren sein, dass man einen Preis dafür zu zahlen hat, wenn diese überall und jederzeit stattfinden können. Die Diskussion über Verantwortlichkeiten jedenfalls ist wertvoll, um das Bedürfnis nach Sicherheit (und Ruhe) gegen das Bedürfnis nach Freiheit (und Abenteuer) auszutarieren.

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