Haider-Ausstellung Das Schaukelpferd des kleinen Jörg

Kärnten bekommt eine Gedächtnisausstellung für den Rechtspopulisten Jörg Haider. Das Devotionalienkabinett bezahlt die Stadt Klagenfurt

Jörg Haider (r.) mit seiner Frau und seinem früheren  Sekretär Stefan Petzner, September 2008

Jörg Haider (r.) mit seiner Frau und seinem früheren Sekretär Stefan Petzner, September 2008

Dem Herren von Kärnten blieb nicht mehr viel Zeit. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges verkroch sich Gauleiter und Landeshauptmann Friedrich Rainer, ein Nazi der ersten Stunde, tief unter die Erde in seinen Befehlsstand, einen weitläufigen Luftschutzbunker nahe des Botanischen Gartens von Klagenfurt, der erst kurz zuvor auf Führerbefehl zum Schutz der Bevölkerung gegraben worden war.

Bevor er am 7. Mai 1945 in die Wälder floh, nahm er noch über Radio Abschied von seinen Volksgenossen: "Passt mir auf mein Kärnten auf!" Exakt diese pathetische Formel wählte auch Jörg Haider, als er fast 40 Jahre später für einige Jahre aus seinem Amt als Landeshauptmann gejagt wurde, weil er in öffentlicher Sitzung die "ordentliche Beschäftigungspolitik" der Nazis gelobt hatte.

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Wie bekannt, konnten auch solche Entgleisungen nicht verhindern, dass der zugezogene Oberösterreicher in seiner Wahlheimat (er hatte dort Grundbesitz geerbt) als Lichtgestalt vergöttert wurde. Der populistische Politiker wurde immer wieder gewählt, und als er eines Nachts nach einem heimlichen Treffen in einer Schwulenbar volltrunken und mit überhöhter Geschwindigkeit in den Tod raste, fiel das Bundesland, bekannt als fideles Ferienparadies, in Schockstarre, als habe da ein Märtyrer sein Leben für Land und Leute gegeben.

Jetzt kehrt das tote Idol zurück in den Bunker, der heute ein wenig besuchtes Bergbaumuseum ist. Am Vorabend des Jahrestages seines Unfalltodes am 11. Oktober soll dort eine große Gedächtnisausstellung eröffnet werden, die das Kulturreferat der Stadt am Wörthersee mit 85.000 Euro zur Gänze finanziert. Witwe Claudia Haider, insgeheim als Landesmutter verehrt, hat zugesagt, auch die private Hinterlassenschaft des teuren Toten zugänglich zu machen.

Unvergessen sind noch die skurrilen Trauerbekundungen in den Tagen und Wochen nach dem Verkehrsunfall. Das pompöse Begräbnis des österreichischen Volkstribunen übertrug das Staatsfernsehen stundenlang live. Immer wieder wurden an der Unfallstelle Blumenschmuck und Lichtleinmeer erneuert. Haiders Popularität blieb in seiner Wahlheimat ungebrochen.

Nach wie vor ebbt der Verehrungskult nicht ab, und der Untote schmückt weiterhin regelmäßig die Titelseite der Revolverpostillen. Selbst im regionalen Wahlkampf, ein halbes Jahr nach dem Unfall, war er omnipräsent und bescherte seinen Nachfolgern einen triumphalen Erfolg.

Leser-Kommentare
    • kolpus
    • 23.07.2009 um 17:37 Uhr

    Es ist immer wieder erstaunlich und erschreckend zu lesen mit welcher Selbstverständlichkeit mittlerweile rechte (beschönigt: rechtspopulistische) Politiker in Österreich in Parlamenten und generell in der Öffentlichkeit gesehen werden. Sie sitzen im Parlament, haben offensichtlich teilweise Mehrheiten in den Bundesländern hinter sich und dürfen nun, öffentlich finanziert (!), einem der Schlimmsten ihrer Art ein derartiges Denkmal setzen?!

    Das braune Schimmern beginnt allmählich zu leuchten und es wäre meiner Meinung nach an der Zeit für Österreich endlich die braune Vergangenheit der Nazizeit (leider war nicht ausschließlich die deutsche Bevölkerung empfänglich für nazistischen Größenwahn und die Revanchegelüste für vergangene Demütigungen) ordentlich aufzuarbeiten und sich, dank hoffentlich gesundem Menschenverstand, mehrheitlich davon zu distanzieren.

    Österreichs Rechte sind keine Populisten (wie auch anderswo), sondern lediglich verbal verkleidete Rassisten mit faschistoiden Tendenzen und sollten auch als solche bezeichnet werden. Ein Blick auf Wahlkampfkampagnen, Parteitage oder -programme sollte genügen, um dies zu verstehen. Ich hoffe die Österreicher werden irgendwann - hoffentlich eher früher als später - die Rechten wieder dort plazieren wo sie hingehören: An den äußersten Rand einer demokratischen Gesellschaft, nicht in ihrer Mitte!

    • endis
    • 23.07.2009 um 18:40 Uhr

    Schön, daß man auf diese Weise die Erinnerung an den ermordeten Landeshauptmann Dr. Haider bewahren wird. Daß dafür öffentliche Mittel eingesetzt werden, ist ja völlig normal. Es ist schließlich eine kulturelle Aufgabe des Landes Kärnten bzw. der Stadt Klagenfurt. Bekommt ein Perverser, der Tiere aufschlitzt und an Kreuze nagelt, ein Museum, stört es die Haider-Hasser doch auch nicht. Für sie gibt es nur ein Verbrechen: Den Nicht-Haß auf Menschen deutscher und europäischer Abstammung. Den werfen sie Politikern wie Haider vor. Sie hassen und hassen - vor allem die, die im Gegensatz zu ihnen nicht hassen.

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    • bivi
    • 24.07.2009 um 0:39 Uhr

    Mord? Kultur?

    Welchen Verschwörungstheorien hängen Sie denn an?
    He 'endis' haben Sie irgendwelche Komplexe?

    Da denke ich: Schau 'mal bei Zeit online' vorbei und habe das Gefühl auf dem Mond gelandet zu sein! Sorry Mond, war nicht persönlich gemeint!

    Lassen wir mal den Hass beiseite, werden wir etwas sachlicher. Politik ist ja ein Bereich, wo Analytiker und Strategen gefragt sind.

    Was ist das Ziel der Ausstellung? Offizielles Ziel ist die Ehrung und Würdigung der politischen Leistungen von Jörg Haider. Dahinter verbirgt sich jedoch ein weiteres Ziel: das Geschäft mit dem toten Jörg Haider. Der Neuen Kärtner Tageszeitung vom 05.08.2009 ist folgende Äußerung von BZÖ-Obmann Buchner zu entnehmen: "Das wird ein tolles Geschäft für die Stadt Klagenfurt."

    Bliebe noch anzufügen: Die linken "Haider-Hasser" müssten am Gewinn beteiligt werden. Denn erst ihre Auslassungen verleihen dieser Provinz-Posse eine Aufmerksamkeit, die die Vermaktung fördert.

    Übrigens, ich bin ein Kärtner in der Diaspora. Ich bin katholisch, nicht nur dem Papier nach. Als gläubiger Katholik habe ich so meine Probleme, den Tod und die Toten zu vermarkten. Der Tanz ums goldene Kalb hat sich stets gerächt. Vielleicht sollte die Partei, die das Brauchtum, die Tradition und die Heimat gegen den Islam und die Ausländer so hoch hält, einmal im Alten Testament nachlesen.

    • bivi
    • 24.07.2009 um 0:39 Uhr

    Mord? Kultur?

    Welchen Verschwörungstheorien hängen Sie denn an?
    He 'endis' haben Sie irgendwelche Komplexe?

    Da denke ich: Schau 'mal bei Zeit online' vorbei und habe das Gefühl auf dem Mond gelandet zu sein! Sorry Mond, war nicht persönlich gemeint!

    Lassen wir mal den Hass beiseite, werden wir etwas sachlicher. Politik ist ja ein Bereich, wo Analytiker und Strategen gefragt sind.

    Was ist das Ziel der Ausstellung? Offizielles Ziel ist die Ehrung und Würdigung der politischen Leistungen von Jörg Haider. Dahinter verbirgt sich jedoch ein weiteres Ziel: das Geschäft mit dem toten Jörg Haider. Der Neuen Kärtner Tageszeitung vom 05.08.2009 ist folgende Äußerung von BZÖ-Obmann Buchner zu entnehmen: "Das wird ein tolles Geschäft für die Stadt Klagenfurt."

    Bliebe noch anzufügen: Die linken "Haider-Hasser" müssten am Gewinn beteiligt werden. Denn erst ihre Auslassungen verleihen dieser Provinz-Posse eine Aufmerksamkeit, die die Vermaktung fördert.

    Übrigens, ich bin ein Kärtner in der Diaspora. Ich bin katholisch, nicht nur dem Papier nach. Als gläubiger Katholik habe ich so meine Probleme, den Tod und die Toten zu vermarkten. Der Tanz ums goldene Kalb hat sich stets gerächt. Vielleicht sollte die Partei, die das Brauchtum, die Tradition und die Heimat gegen den Islam und die Ausländer so hoch hält, einmal im Alten Testament nachlesen.

  1. Nach 2 solchen Postings (kolpus, endis) ist es recht schwer irgendwie sachlich zu bleiben, bzw. diese Diskussion in geregelten Bahnen zu halten. Bevor man auch mir noch ein paar in buchstaben gehauene Brocken nachwirft - "endis" post war der schlimmere (ich hoffe nach wie vor, dass er bald schreibt, dass es nur ironisch gemeint war...).
    Jörg Haider war ein RechtsPOPULIST mit feinem Gefühl. Wenn er gespührt hätte, dass er mit einem Outing 2% mehr kriegen würde, dann hätte er es getan, ob er nun auch schwul, bi- oder heterosexuell war. Wenn er gemerkt hätte, dass es gut ankommt, sämtliche Asylanten in Kärnten unterzubringen, hätte er es sofort getan und als Erster eine Familie in sein Haus gelassen. Für 3% mehr auf die Kriegsgeneration/ Alt- und Neonazis (verbal) einzuschlagen, kein Problem, wo ist die nächste Kamera.
    Nur, in Österreich (in vielen anderen Ländern auch nicht) bringt das keine Wähler. Jörg Haider ist von der großen Koalition (Postenschacher, Supergehälter etc.) und ihrer schlechten (zumindest schlecht kommunizierten) Ausländer-/Integrationspolitik groß geworden. Warum er gerade in Kärnten so verehrt wurde, dazu habe ich so meine Theorien, aber die würden den Rahmen sprengen.
    Ich bin der Meinung, dass man Tote ruhen lassen soll. Zum einen mit irgendwelchen Rechtsradikal/Rassisten vorwürfen zum anderen aber auch mit Mord/Verschwörungstheorien (sein wir "froh" dass nur Haider den ultimativen Preis für Alkohol am Steuer zahlte!).
    Die Ausstellung überrascht mich nicht. Das BZÖ (seine Partei) wird so lange wie möglich den Haider Bonus am köcheln halten, und wie kann man das Süppchen besser aufwärmen als mit einer Ausstellung (die man als Stimmenstärkste Regierungspartei sicherlich unterstützt...). Wer hingehen will soll hingehen, wen es nicht interessiert (das Schaukelpferd *gähn*), wird man in Kärnten (so schlimm es auch beschrieben wird) trotzdem nicht mit der Flinte hineintreiben.

    @ endis: X) alle Freiheit der Kunst
    X) Hermann Nitsch ist schon in Ordnung

    Beste Grüße
    EinGangLion

  2. Erst wird Haider von Geheimdienstlern um die Ecke gebracht und dann wird er nach seinem Tode diffamiert - ganz großes Kino!

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    • kolpus
    • 23.07.2009 um 21:46 Uhr

    Auch dieser Kommentar taugt für großes Kino: Ein schwuler israelischer Geheimdienstler oder nein türkischer Geheimdienstler, ach was...der geheime Geheimdienst der Roma und Sinti hat einen schwulen Immigranten angeheuert um Herrn Haider betrunken ins Auto zu setzen, damit er sich zu Tode fährt.

    Seelig sind die geistig Armen...

    • kolpus
    • 23.07.2009 um 21:46 Uhr

    Auch dieser Kommentar taugt für großes Kino: Ein schwuler israelischer Geheimdienstler oder nein türkischer Geheimdienstler, ach was...der geheime Geheimdienst der Roma und Sinti hat einen schwulen Immigranten angeheuert um Herrn Haider betrunken ins Auto zu setzen, damit er sich zu Tode fährt.

    Seelig sind die geistig Armen...

    • kolpus
    • 23.07.2009 um 21:46 Uhr

    Auch dieser Kommentar taugt für großes Kino: Ein schwuler israelischer Geheimdienstler oder nein türkischer Geheimdienstler, ach was...der geheime Geheimdienst der Roma und Sinti hat einen schwulen Immigranten angeheuert um Herrn Haider betrunken ins Auto zu setzen, damit er sich zu Tode fährt.

    Seelig sind die geistig Armen...

    Antwort auf "kein Wunder"
  3. ... das der Landeshauptmann persönlich entfernt hat, auch zu sehen sein im Museum?

    http://cache.daylife.com/...

    • bivi
    • 24.07.2009 um 0:39 Uhr

    Mord? Kultur?

    Welchen Verschwörungstheorien hängen Sie denn an?
    He 'endis' haben Sie irgendwelche Komplexe?

    Da denke ich: Schau 'mal bei Zeit online' vorbei und habe das Gefühl auf dem Mond gelandet zu sein! Sorry Mond, war nicht persönlich gemeint!

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    Sorry Mond, war nicht persönlich gemeint!

    Schon in Ordnung. Mit mir kann man es ja machen. hahaha

    _________________________________________________________
    And that's the way it is!

    ... das wurde doch schon längst vom Titanic-Magazin enthüllt:
    http://www.titanic-magazi...
    Ok, evtl. auch nicht ;)

    Sorry Mond, war nicht persönlich gemeint!

    Schon in Ordnung. Mit mir kann man es ja machen. hahaha

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    And that's the way it is!

    ... das wurde doch schon längst vom Titanic-Magazin enthüllt:
    http://www.titanic-magazi...
    Ok, evtl. auch nicht ;)

  4. 8. ...

    Sorry Mond, war nicht persönlich gemeint!

    Schon in Ordnung. Mit mir kann man es ja machen. hahaha

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    And that's the way it is!

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