Lego-Patent Lego kämpft ums Kinderzimmer
Der Spielzeughersteller hat den Markenschutz für seine Bausteine verloren, nun drängen Konkurrenten auf den Markt. Der Ex-Monopolist wehrt sich – womöglich vergeblich

© John MacDougall/AFP/Getty Images
Lego-Steine gehören seit Jahren zur Standardausrüstung in deutschen Kinderzimmern. Jetzt darf sie jeder bauen
Susanne Thoras Sohn Philipp war drei Jahre alt, als die ersten Lego-Steine unter dem Weihnachtsbaum lagen. Die ganzen Feiertage habe die Familie daraufhin mit den Steinen gespielt, erinnert sich die Mutter. Groß sei die Faszination für die Bausteine aus Plastik gewesen.
Es gibt in Deutschland kaum ein Kind, das nicht mit Lego aufgewachsen ist. Bald aber könnte Lego seine Dominanz verlieren. Der Bundesgerichtshof hat unlängst den Markenschutz für die bunten Klötze einkassiert. Künftig darf nicht nur der dänische Konzern die Bauklötze anbieten, auch die Konkurrenz mischt jetzt mit im Kampf um die Kinderzimmer.
Es ist ein Kampf, der sich lohnt. Mehr als zwei Milliarden Euro haben die Deutschen alleine im Jahr 2007 für Spielwaren ausgegeben. Legos Konkurrenten Megabrands aus Kanada und Best-Lock aus Hongkong wollen dem Marktführer nun seinen Anteil streitig machen. Dessen Geschäft ist einträglich: Als größter Spielzeughersteller Europas hat Lego in Deutschland einen Marktanteil von 13,4 Prozent. Der Umsatz des Unternehmens stieg im letzten Jahr trotz Wirtschaftskrise um 19 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.
Die Wettbewerber greifen Lego dort an, wo die dänische Firma verwundbar ist: Ihre Steine sind günstiger. Während eine Polizei-Station von Lego zum Beispiel 94,99 Euro kostet, geht eine ähnliche Station von Best-Lock für weniger als 20 Euro über die Ladentheke. Auch sonst haben die Bausteine der Konkurrenz große Ähnlichkeit mit denen von Lego. Sie sind bunt und eckig, haben die charakteristischen Noppen und im Inneren Röhrchen, die der Stabilität dienen.
Die Ähnlichkeit ist so groß, dass Lego gleich mehrmals vor Gericht gezogen ist, um seine Stellung zu verteidigen. In den siebziger Jahren lief das Patent für die Bauklötze aus, also suchte der Spielzeughersteller Schutz im Wettbewerbsrecht. Das funktionierte auch, bis der Bundesgerichtshof im Jahr 2004 entschied, dass Lego seine Bauklötze nicht ewig schützen kann – der Markteintritt liegt zu lange zurück. Doch wieder fanden die Dänen eine Möglichkeit, ihre Bausteine vor zu harter Konkurrenz zu bewahren. Sie registrierten die Form ihres Noppensteins als sogenannte dreidimensionale Marke.
Fünf Jahre ging das gut. Dann versagte der Bundesgerichtshof den Bausteinen vor rund zwei Wochen den Markenschutz. Auf die "Klemmnoppen" kann kein Markenschutz gewährt werden, da diese für eine technische Wirkung erforderlich sind, urteilten die Richter in Karlsruhe (Az.: I ZB 53/07, 55/07). Früher oder später müsse die Allgemeinheit jedoch Zugriff auf technische Funktionen erhalten. Der Schutz sei deshalb begrenzt.
Zwar will sich der Konzern dagegen wehren. "Wir hoffen jetzt auf den Europäischen Gerichtshof", sagt Lego-Konzernjustitiar Poul Hartvig Nielsen. Große Auswirkungen auf den Spielzeug-Markt wird das Urteil jedoch nicht haben, sagt Volker Schmid, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie. "Lego ist es gelungen, seine Marke in den Köpfen der Kunden extrem hoch anzusiedeln." Deshalb würden die Kunden auch in Zukunft zum Original greifen. "Lego ist Lego und wo etwas anderes draufsteht, werden die Kunden zunächst einmal skeptisch reagieren", sagt Schmid.
Neben seinem bekannten Namen hat Lego einen weiteren entscheidenden Vorsprung: In fast jedem Spielwarengeschäft in Deutschland gibt es ein Regal mit Lego-Produkten. Die Baukästen der Konkurrenz hingegen muss man suchen und findet sie eher im Internet als im Fachgeschäft.
Susanne Thora glaubt dennoch, dass sich viele Eltern demnächst für die Bausteine von Best-Lock und Megabrands entscheiden werden – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. "Die Produkte sind einfach viel günstiger", sagt sie. Und: "Früher oder später landen die Steine sowieso im Schrank und werden für die Kinder uninteressant." Bis es soweit kommt, ist ihrem Sohn Philipp egal, wer die Bausteine hergestellt hat, mit denen er spielt. Hauptsache sie halten.
- Datum 31.07.2009 - 06:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Entscheidend für einen schnellen Markterfolg der Imitate dürfte sein, ob sie mit Legosteinen kompatibel sind. Wenn nicht, müßten alle Familien, die auf einem (ererbten) Legosteinvorrat sitzen, das System wechseln -- und dazu werden nicht viele bereit sein.
... oder wie sie heißen, habe ich auch schon gekauft. Resultat: Miserabelste Qualität, die nicht annähernd an Lego heranreicht. Da gebe ich doch lieber mehr Geld für das Original aus.
Der Platzhirsch hat seinen Share gehabt, Idee und Entwicklung sind längst refinanziert und nun geht er mit einem großen Vorsprung in den Wettbewerb - in Technologie, Bekanntheitsgrad und Distribution.
Wenn nun jemand kommen und bessere Produkte machen sollte, wäre das imho nur begrüßenswerter Wettbewerb.
Der Platzhirsch hat seinen Share gehabt, Idee und Entwicklung sind längst refinanziert und nun geht er mit einem großen Vorsprung in den Wettbewerb - in Technologie, Bekanntheitsgrad und Distribution.
Wenn nun jemand kommen und bessere Produkte machen sollte, wäre das imho nur begrüßenswerter Wettbewerb.
Na endlich!
Hat ja viel zu lang gedauert.
Was da unnötigerweise an Geld ausgegeben wurde, geht ja überhaupt nicht.
Vielleicht gibt es ja demnächst einen "Skandal" über giftige chinesische Bausteine, damit die Leute weiterhin ihr Geld zu Lego tragen.
Als ob die großen Markenhersteller woanders produzieren lassen würden.
Wir werden sehen.
Es gab in der DDR mal die Steine PB (Paul Bernhard). Die waren glaube sogar kompatibel.
Ich weine Lego KEINE Träne nach. Patentfaschismus ist das.
wenn Sie wirklich etwas beizutragen haben: Wie im Artikel bereits dargelegt, ist das Patent bereits in den Siebzigern erloschen. Dass Lego sein Erfolgsmodell danach mit anderen Werkzeugen des gewerblichen Rechtssschutzes verteidigt, ist das normalste Vorgehen von der Welt. Und wenn "Faschismus" für Sie bedeutet, dass es so etwas wie ein Naturrecht auf Legosteine gibt, welches die Firma Ihnen und der Welt zu Unrecht vorenthält, können Sie mir nur leidtun - ernstnehmen kann ich Sie nicht.
Angesichts Ihrer Wortwahl 'Patentfaschismus' etc., ist zu vermuten, dass Ihnen der Schutz des geistigen Eigentums nicht viel wert ist. Worauf ließe das schließen?
Wenn Sie eine geistige Leistung vollbracht haben - fänden Sie es gut, wenn andere diese, ohne Forschungsaufwand, Vorinvestitionen, etc., einfach abkupfern würden?
Zu Lego: Nach einem größeren Gewinneinbruch zu Anfang der 2000er Jahre hat Lego umstrukturiert, sich auf ein vergrößertes Kerngeschäft mit absoluter Qualitätskontrolle konzentriert und fährt wieder Gewinne ein. Und arbeitet offenbar sogar in der Krise erfolgreich.
Ich weiß, dass es offenbar im gesamten Ostblock Lego-Imitate gab. Die wurden, da das System ja vom bösen Ausland immer angefeindet und unterdrückt wurde, kurzerhand freiheitsliebend kopiert - die Qualität war hundsmiserabel.
Und zu den Preisen von Lego: Lego zahlt anständige Löhne, weswegen die Preise auch so hoch sind. In Anbetracht Ihrer Wortwahl gehe ich davon aus, dass Sie sicher zu den Menschen gehören, die stets laut immer höhere Löhne fordern (was per se nicht negativ ist). Vielleicht wäre eine Tätigkeit in Billund eine überprüfenswerte Alternative?
wenn Sie wirklich etwas beizutragen haben: Wie im Artikel bereits dargelegt, ist das Patent bereits in den Siebzigern erloschen. Dass Lego sein Erfolgsmodell danach mit anderen Werkzeugen des gewerblichen Rechtssschutzes verteidigt, ist das normalste Vorgehen von der Welt. Und wenn "Faschismus" für Sie bedeutet, dass es so etwas wie ein Naturrecht auf Legosteine gibt, welches die Firma Ihnen und der Welt zu Unrecht vorenthält, können Sie mir nur leidtun - ernstnehmen kann ich Sie nicht.
Angesichts Ihrer Wortwahl 'Patentfaschismus' etc., ist zu vermuten, dass Ihnen der Schutz des geistigen Eigentums nicht viel wert ist. Worauf ließe das schließen?
Wenn Sie eine geistige Leistung vollbracht haben - fänden Sie es gut, wenn andere diese, ohne Forschungsaufwand, Vorinvestitionen, etc., einfach abkupfern würden?
Zu Lego: Nach einem größeren Gewinneinbruch zu Anfang der 2000er Jahre hat Lego umstrukturiert, sich auf ein vergrößertes Kerngeschäft mit absoluter Qualitätskontrolle konzentriert und fährt wieder Gewinne ein. Und arbeitet offenbar sogar in der Krise erfolgreich.
Ich weiß, dass es offenbar im gesamten Ostblock Lego-Imitate gab. Die wurden, da das System ja vom bösen Ausland immer angefeindet und unterdrückt wurde, kurzerhand freiheitsliebend kopiert - die Qualität war hundsmiserabel.
Und zu den Preisen von Lego: Lego zahlt anständige Löhne, weswegen die Preise auch so hoch sind. In Anbetracht Ihrer Wortwahl gehe ich davon aus, dass Sie sicher zu den Menschen gehören, die stets laut immer höhere Löhne fordern (was per se nicht negativ ist). Vielleicht wäre eine Tätigkeit in Billund eine überprüfenswerte Alternative?
wenn Sie wirklich etwas beizutragen haben: Wie im Artikel bereits dargelegt, ist das Patent bereits in den Siebzigern erloschen. Dass Lego sein Erfolgsmodell danach mit anderen Werkzeugen des gewerblichen Rechtssschutzes verteidigt, ist das normalste Vorgehen von der Welt. Und wenn "Faschismus" für Sie bedeutet, dass es so etwas wie ein Naturrecht auf Legosteine gibt, welches die Firma Ihnen und der Welt zu Unrecht vorenthält, können Sie mir nur leidtun - ernstnehmen kann ich Sie nicht.
Also, selbst wenn man den Patentschutz auf eine Erfindung akzeptiert und auch die Dauer des Schutzes, hat Lego doch maßlos überzogen. Das Patent lief in den 70ern aus - danach hätte es keine Fortsetzung des Schutzes mit anderen Mitteln geben dürfen. Klar, die Konkurrenten dürfen ihre Steine nicht Lego(r) nennen. Das dürfen sie auch heute nicht. Aber ein erloschenes Patent ist nunmal gemeinfrei, und das ist auch gut so.
Was die Qualität angeht, kenne ich mich nicht aus - meine Lego-Steine liegen irgendwo bei den Eltern im Keller, ähnlich wie das Fischer-Technik-Spielzeug. Keine Ahnung, wieso man so etwas einfaches wie Lego-Steine mit minderer Qualität produzieren kann, oder wieso es so teuer ist, die herzustellen. Das ist ein Produkt, das schon vor 50 Jahren hergestellt werden konnte, der Fortschritt in der Kunststoffbearbeitung muss da doch auch Auswirkungen haben. Die Fischer-Dübel sind ja auch erheblich billiger geworden, seit das Patent abgelaufen ist, und jeder solche Dübel herstellen kann - und die Qualität der Konkurrenz, die anfangs noch problematisch war, stimmt inzwischen ja auch.
Also, selbst wenn man den Patentschutz auf eine Erfindung akzeptiert und auch die Dauer des Schutzes, hat Lego doch maßlos überzogen. Das Patent lief in den 70ern aus - danach hätte es keine Fortsetzung des Schutzes mit anderen Mitteln geben dürfen. Klar, die Konkurrenten dürfen ihre Steine nicht Lego(r) nennen. Das dürfen sie auch heute nicht. Aber ein erloschenes Patent ist nunmal gemeinfrei, und das ist auch gut so.
Was die Qualität angeht, kenne ich mich nicht aus - meine Lego-Steine liegen irgendwo bei den Eltern im Keller, ähnlich wie das Fischer-Technik-Spielzeug. Keine Ahnung, wieso man so etwas einfaches wie Lego-Steine mit minderer Qualität produzieren kann, oder wieso es so teuer ist, die herzustellen. Das ist ein Produkt, das schon vor 50 Jahren hergestellt werden konnte, der Fortschritt in der Kunststoffbearbeitung muss da doch auch Auswirkungen haben. Die Fischer-Dübel sind ja auch erheblich billiger geworden, seit das Patent abgelaufen ist, und jeder solche Dübel herstellen kann - und die Qualität der Konkurrenz, die anfangs noch problematisch war, stimmt inzwischen ja auch.
Angesichts Ihrer Wortwahl 'Patentfaschismus' etc., ist zu vermuten, dass Ihnen der Schutz des geistigen Eigentums nicht viel wert ist. Worauf ließe das schließen?
Wenn Sie eine geistige Leistung vollbracht haben - fänden Sie es gut, wenn andere diese, ohne Forschungsaufwand, Vorinvestitionen, etc., einfach abkupfern würden?
Zu Lego: Nach einem größeren Gewinneinbruch zu Anfang der 2000er Jahre hat Lego umstrukturiert, sich auf ein vergrößertes Kerngeschäft mit absoluter Qualitätskontrolle konzentriert und fährt wieder Gewinne ein. Und arbeitet offenbar sogar in der Krise erfolgreich.
Ich weiß, dass es offenbar im gesamten Ostblock Lego-Imitate gab. Die wurden, da das System ja vom bösen Ausland immer angefeindet und unterdrückt wurde, kurzerhand freiheitsliebend kopiert - die Qualität war hundsmiserabel.
Und zu den Preisen von Lego: Lego zahlt anständige Löhne, weswegen die Preise auch so hoch sind. In Anbetracht Ihrer Wortwahl gehe ich davon aus, dass Sie sicher zu den Menschen gehören, die stets laut immer höhere Löhne fordern (was per se nicht negativ ist). Vielleicht wäre eine Tätigkeit in Billund eine überprüfenswerte Alternative?
Es werden Nachahmer auf dem Markt erscheinen, die nicht daran interessiert sind Qualitaetsprodukte zu produzieren. Einzig zaehlt der Preis, rechtfertigt jede Entscheidung. Sehen wir mal von mechanischer Genauigkeit ab. Die Verwendung fragwuerdiger oder gar verbotener Rohstoffe wird der Normalfall werden. Bleibt zu hoffen, dass nicht allzuviele Kinder sterben muessen. Ursachen fuer Langzeitschaeden sind sowie nur schwer nachzuweisen.
Und eines ist voellig klar: Auf die Kontrollinstanzen (Aufsichtsbehoerden) braucht man sich nicht verlassen.
Ich verstehe hier gerade nicht alle Meinungen.
Natürlich ist ein Schutz geistigen Eigentums wichtig. Allerdings sind 50 Jahre dafür schliesslich mehr als genug. Zum zweiten hat Lego ja immer noch seine eigene Marke. Die wird die Firma auch nie verlieren.
Wenn die anderen so schlechte Qualität anbieten, muss man sie halt nicht kaufen. Solange sie keine Giftstoffe enthalten sehe ich darin kein Problem. Dann werden manche die Steine ausprobieren und dann wieder zurückwechseln. Und wenn Giftstoffe enthalten sind kann man sie wieder verbieten lassen.
Und in wie fern sind die Konkurrenzprodukte von miserabler Qualität? Kann das jemand bitte präziser ausdrücken?
Der Platzhirsch hat seinen Share gehabt, Idee und Entwicklung sind längst refinanziert und nun geht er mit einem großen Vorsprung in den Wettbewerb - in Technologie, Bekanntheitsgrad und Distribution.
Wenn nun jemand kommen und bessere Produkte machen sollte, wäre das imho nur begrüßenswerter Wettbewerb.
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