CrowdsourcingAlle mal mitmachen

Der 3-D-Film "Live Music" ist kollektiv im Netz entstanden und so gut, dass er als Vorfilm im Kino läuft. Doch nicht alle Zeichner sind glücklich mit dem Experiment von 

Live Music - ein fünfminütiger Animationsfilm, der kollektiv im Netz entstand

Live Music - ein fünfminütiger Animationsfilm, der kollektiv im Netz entstand  |  © Screenshot: Facebook.com

Die Klugheit der Massen findet gierige britische Politiker und hilft, alte Texte zu digitalisieren. Ja die Online-Enzyklopädie Wikipedia selbst gilt als ein ausgesprochen gelungenes Experiment des so genannten Crowdsourcing. Im Gegensatz zum Outsourcing wird hier die Arbeit an eine engagierte, anonyme Masse, die Crowd, abgegeben. Doch wenige Projekte gibt es bislang, in denen das Kollektiv auch kreative, künstlerische Werke produziert.

Yair Landau, einst Leiter der Digitalfilmsparte bei Sony, hat es jetzt mit einem Zeichentrickfilm versucht: Live Music ist ein fünfminütiger Animationsfilm, der TriStar immerhin so gut gefiel, dass man ihn als Vorfilm zum neuen Animationsfilm Planet 51 zeigen wird. Gezeichnet wurde Live Music nicht etwa von einem Studio, sondern von einem nur lose über die Plattform Facebook verbundenen Kollektiv. "Ein eindeutiger Schritt in Richtung Demokratisierung des kreativen Storytelling", nennt das Landau. Er wollte Hollywood beweisen, dass man im Internet eine Gruppe von Leuten zusammenbringen und durchaus gute Arbeit leisten kann.

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Es ist eine Innovation aus der Gamesbranche. Hier entwickeln immer mehr Spieler ihre eigenen Figuren und entwerfen ganze Levels. Landau will so etwas künftig auch in der Filmproduktion einsetzen.

Andere kreative Crowdsourcing-Projekte waren weniger erfolgreich. Etwa die WikiNovel A Million Penguins. Das kollektive Schreibexperiment musste schon nach drei Wochen seine Seiten schließen und der Penguin Books Verlag kleinlaut einräumen, dass die übereifrigen Teilnehmer das Projekt schlicht zur Implosion gebracht hätten. Die Seite ließ in der Hochphase über 100 Änderungen pro Stunde über sich ergehen, zeitweise froren die Macher die kollektive Geschichte ein, damit wenigstens noch in Ansätzen ein zusammenhängender Plot erkennbar blieb. Das Institute of Creative Technologies der De Montfort Universität, das das Projekt im Anschluss bewertet hat, schrieb in seinem Bericht: "Im Moment scheint die Antwort auf die Frage, ob eine Community einen Roman verfassen kann oder nicht zu lauten: jedenfalls nicht so."

Bei Live Music ging es indes weitaus weniger anarchisch zu als bei dem völlig offen angelegten Roman-Projekt. Denn der Plot war bereits geschrieben, eine Art Romeo-und-Julia Geschichte, deren Hauptdarsteller Musikinstrumente sind. Ein Programm, mit dem sich die 3-D-Animationen erstellen ließen, gab es auch. Außerdem durfte nicht jeder mitmachen.

Die Initiatoren luden nur Nutzer von Facebook dazu ein. Und sie teilten den Film in viele kleine Sequenzen. Mehr als 50.000 Menschen aus 101 Ländern registrierten sich auf der Seite, 17.000 luden die Software herunter. Zwei Monate hatten die Teilnehmer Zeit, um eigene Szenen zu entwickeln. Wöchentlich stimmten dann die User über die besten Resultate ab. Die Gewinner bekamen kleine Belohnungen von Landaus Partnerfirmen, einem Chip- und einem Computerhersteller etwa. Schlussendlich wählte aber eine professionelle Jury die besten 51 Teilnehmer. Die Zeichnungen der Auserwählten zusammengenommen ergeben nun den Film. Die Gewinner bekamen 500 Dollar und ihr Name taucht im Abspann auf.

Das Vorgehen könnte Schule machen. Auch die israelische Firma Aniboom und der Fernsehsender Fox kündigten kürzlich an, dass Zeichner ab sofort um die Teilnahme an einem neuen Ferien-Special ringen dürften. Landau sagt, er plant bereits ein ähnliches Projekt – in abendfüllender Länge.

Leserkommentare
  1. Schön das sie mit ihren Artikel auf das Problem hinweisen.

    Ich habe nur ein Problem mit den Begrifflichkeiten: Ist da Problem nicht eher das hier "Crowdsourcing" [Masse macht freiwillig und ggf. wegen win-win mit, siehe Spesenquittungen in UK/Wiki] mit "Pitch(ing)" [Wettbewerb bei dem Agenturen gegeneinander antreten] zusammengeworfen geworfen wird, d. h. Agenturen müssen nicht nur untereinander unbezahlt konkurrieren, sondern auch noch gegen Amateure, die dies quasi nur zum Spaß machen?

    Besteht dieses Problem nicht auch ohne Amateure? Und ist nicht das "Pitching" oder der Versuch den "Pitch" zu gewinnen, dass größere Problem?

  2. Nicht nur im Bereich des Animationsfilms wird mit dem sogenannten "Crowdsourcing" experimentiert. Vor allem im Design-Bereich ist das Thema bereits gang und gäbe. Statt einen Dienstleister für eine bestimmte Aufgabe, beispielsweise ein Logo-Design fest zu beauftragen stellt man als Auftraggeber eine Ausschreibung ins Netz lässt sich von einem Community Vorschläge oder Skizzen unterbreiten. Vor allem Existenzgründer und sehr kleine Unternehmen nutzen diese Plattformen.
    Auch hier wird das Thema sehr kontrovers diskutiert. Eine spannende Analyse findet man im Blog von Jeremiah Owyang http://www.web-strategist...

    Michael Kubens
    Gründer
    designenlassen.de UG
    http://www.designenlassen.de

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