Sie neigen nicht zu Depressionen, können ihre Persönlichkeit ungestört entwickeln und unterscheiden sich auch in der Leistung nicht von ihren Mitschülern: Wenn Kinder bei gleichgeschlechtlichen Elternpaaren aufwachsen, geht es ihnen genauso gut wie bei Hetero-Eltern. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie der Universität Bamberg zu den sogenannten Regenbogenfamilien. Die Studie kommt zu dem Schluss: "Sie wachsen dort genauso gut auf wie bei heterosexuellen Eltern."

Mindestens 6600 Kinder leben mittlerweile in Deutschland in solchen Familien, werden also von zwei lesbischen Müttern oder zwei schwulen Vätern aufgezogen. Davon wachsen ein Drittel der Kinder bei Eltern auf, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, die seit 2001 möglich ist. Trotzdem haben die "Verpartnerten" auch als Eltern nicht die gleichen Rechte wie heterosexuelle Eheleute. Bisher ist ihnen beispielsweise nur die Stiefkind-Adoption erlaubt: Hat einer der beiden Partner ein leibliches Kind, kann der Lebenspartner es adoptieren. Ein fremdes Kind hingegen dürfen sie nicht gemeinsam erziehen.

Die Studie, die das Bundesjustizministerium in Auftrag gegeben hatte, stellt auch fest, dass fast die Hälfte der Kinder Diskriminierungen wegen ihrer homosexuellen Eltern erlebt, meist Hänseleien durch Gleichaltrige. Dies wirke sich aber nicht nachteilig auf ihre Entwicklung aus. Das Forscherteam um Marina Rupp stellt sogar fest, "dass Kinder und Jugendliche aus Lebenspartnerschaften über ein höheres Selbstwertgefühl und über mehr Autonomie in der Beziehung zu beiden Elternteilen berichteten".

Probleme, in die Rolle ihres eigenen Geschlechts zu finden, haben die Kinder auch nicht. Denn die Regenbogeneltern setzten sich sehr bewusst damit auseinander und sorgten auch dafür, dass ihr Kind Bezugspersonen des jeweils anderen Geschlechts habe.

Die meisten Regenbogenfamilien bestehen aus zwei Frauen mit Kind. Nur in 5,5 Prozent der Fälle teilen sich zwei Männer die Erziehung. Während die meisten der älteren Kinder aus früheren heterosexuellen Beziehungen eines der Partner stammen, entscheiden sich lesbische Paare auch oft gemeinsam für ein Baby. Mithilfe einer Samenspende können sie ihren Kinderwunsch relativ einfach verwirklichen – allerdings hat das Sorgerecht nur die leibliche Mutter, auch wenn es in die Lebenspartnerschaft hineingeboren wird. Die Partnerin kann das Kind dann aber adoptieren.

Justizministerin Brigitte Zypries fordert nun, Deutschland solle das geänderte EU-Adoptionsübereinkommen ratifizieren, das das Recht auf Adoption auch schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften zuerkennt. Gemeinschaftliche Adoptionen sind bereits in neun EU-Ländern erlaubt, darunter in Schweden, Spanien und Großbritannien. Zypries zitierte Schätzungen, nach denen bereits 16.000 Regenbogenkinder in Deutschland leben. Die CDU hat sich jedoch stets gegen das gleiche Adoptionsrecht ausgesprochen. In einer Stellungnahme vom Mai argumentierte sie mit  "natürlichen Grundprinzipien", die durch eine gleichgeschlechtliche Adoption "durchbrochen" würden.