Ulla Schmidt Kritik an Dienstwagen-Einsatz

Rechtfertigungsdruck: Der Gesundheitsministerin kam ihr Dienstauto während des Urlaubs abhanden. Nicht nur die Opposition kritisiert die "skandalöse Verschwendung"

Nachdem die S-Klasse weg ist, muss sie den Audi nehmen: Ulla Schmidt entsteigt in Berlin ihrer Limousine (Archivbild)

Nachdem die S-Klasse weg ist, muss sie den Audi nehmen: Ulla Schmidt entsteigt in Berlin ihrer Limousine (Archivbild)

Die Pressestelle des Gesundheitsministeriums hatte am Wochenende reichlich zu tun, den Dienstwagengebrauch der Ministerin zu erklären. Was machte der Wagen samt Fahrer im fernen Spanien? Und wer kommt für die Kosten der rund 5000 Kilometer langen Reise Berlin-Alicante-Berlin auf?

Um alles hinreichend zu klären, wollen Politiker von FDP und Grünen die SPD-Ministerin sogar in den Haushaltsausschuss des Bundestages laden. Sie solle darlegen, warum sie ihre gepanzerte Limousine an ihren Urlaubsort in Spanien habe nachkommen lassen, sagte der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), in der Bild am Sonntag. Zudem solle die Ministerin erklären, warum es nicht möglich gewesen sei, dass die Botschaft ihr einen Wagen zur Verfügung stelle.

Auch Parteikollege und Bundestagsabgeordneter Patrick Döring (FDP), zweifelt am korrekten Verhalten der Ministerin. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutsche Botschaft in Madrid nicht in der Lage sein soll, die Ministerin zu einem oder mehreren Vorträgen zu fahren", sagte Döring der Neuen Presse.

Grünen-Haushälter Alexander Bonde forderte ebenfalls einen Nachweis für die Notwendigkeit, den Dienstwagen nach Spanien nachkommen zu lassen. "Nur der Verweis auf dienstliche Termine reicht nicht und ist auch nicht plausibel", sagte er der Saarbrücker Zeitung.

"Sie ist die falsche Frau im Kabinett"

Selbst der Koalitionspartner CDU konnte sich angesichts des großen öffentlichen Interesses an dem Vorfall nicht mehr mit Kritik zurück halten. CDU-Haushaltspolitiker Georg Schirmbeck nannte es in einem Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung "eine skandalöse Verschwendung von Steuergeldern, dass die SPD-Politikerin ihre Dienstlimousine plus Chauffeur quer durch Europa bis zu ihrem spanischen Urlaubsort geschickt hat". Da die Amtszeit der Ministerin ohnehin abgelaufen ist, erübrige sich die Forderung nach ihrem Rücktritt, sagte Schirmbeck. "Aber dass sie sich so einen dicken Klops leistet, zeigt: Sie ist die falsche Frau im Bundeskabinett."

Anzeige

Schadensbegrenzung im Ministerium

Das Gesundheitsministerium hatte am Sonntag versucht, den politischen und moralischen Schaden zu begrenzen: Ulla Schmidt habe den Wagen "mehrfach dienstlich und privat genutzt", hieß es in einer Erklärung. Zu den dienstlichen Terminen hätten etwa Besuche in Seniorenheimen und Krankenhäusern gehört. Alle Fahrten, die privat gewesen seien, würden auch privat abgerechnet. Die Ministerin werde dazu alle Unterlagen offenlegen. Am Montag wies eine Sprecherin auf mindestens zwei dienstliche Termine hin.

Grundsätzlich sei die Reise mit einem Dienstwagen wirtschaftlicher als einen teuren Mietwagen vor Ort in Anspruch zu nehmen, sagte sie. Der Fahrer, der sicherheitstechnisch überprüft und trainiert sei, befinde sich während der Urlaubszeit der Ministerin auf Dienstreise und bekomme dies entsprechend erstattet. Die Mitreise des 15-jährigen Sohnes des Fahrers, der derzeit Ferien habe, habe Schmidet aus "Fürsorgegründen" ermöglicht. Der Sohn wäre ansonsten allein zu Hause geblieben.

Dass Schmidts Dienstwagen in Spanien umherfuhr, war bekannt geworden, nachdem die Mercedes-Limousine der S-Klasse in Schmidts spanischem Urlaubsort bei Alicante abhanden kam. Diebe hatten sich des Fahrzeugs bemächtigt. Sie hatten Schmidts Chauffeur den Schlüssel aus der Unterkunft gestohlen.

Mit der Opposition fordert auch der Bund der Steuerzahler eine rasche Aufklärung der Angelegenheit. Der Verband werde Schmidt schreiben und Aufklärung verlangen, warum der Dienstwagen knapp 5000 Kilometer durch Europa gebracht werden müsse, sagte Geschäftsführer Reiner Holznagel. "Nur für den Fahrkomfort einer Ministerin dürfen Steuergelder nicht verschwendet werden."

Ulla Schmidt ist nicht die erste Politikerin, die aufgrund privater Nutzung dienstlicher Privilegien in die Kritik gerät. 2001 musste sich der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wegen der Nutzung der Flugbereitschaft für einen Besuch bei seiner Freundin auf Mallorca den unangenehmen Fragen der Kritiker stellen. Zwar musste er erst ein knappes Jahr später sein Amt aufgeben, die Affäre beschädigte ihn jedoch nachhaltig.

Im selben Jahr musste Finanzminister Hans Eichel (SPD) im Haushaltsausschuss zu zahlreichen Flügen von Berlin ins heimische Frankfurt Stellung beziehen. Ohne Folgen blieb 1995 eine "Flugaffäre" für die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU), die mit der Flugbereitschaft auffällig oft in die Schweiz geflogen war, wo ihre Tochter lebte.

Im Fall von Ulla Schmidt ist bislang noch nicht geklärt, ob es sich um einen Verstoß gegen die ministerialen Regeln handelt. Rechtlich wird die Dienstwagennutzung seit dem 1. Juli 1993 in den sogenannten "Richtlinien für die Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen in der Bundesverwaltung (DKfzR)" geregelt. In den Richtlinien ist definiert, in welchen Fällen Politiker für ihre Arbeit mit dem Dienstwagen reisen dürfen.

 
Leser-Kommentare
    • ibm
    • 27.07.2009 um 8:21 Uhr

    sogar in der Zeit wird dieser Blödsinn jetzt zur Staatsaffäre aufgebauscht.
    Aber aus Dienstwagenaffären kann auch der dümmste Reporter ohne großen Aufwand in der Sauregurkenzeit eine Schlagzeile machen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • th
    • 27.07.2009 um 10:08 Uhr

    und übrigens auch anderswo in Europa (s. GB.), dann ist es das Geschrei um Reisekosten, Dienstwagen usw. Das sind "Peanuts", um welche die Aufregung nicht lohnt. Eine fundierte Diskussion der verschiedenen "Gesundheitsreformen" wäre viel wichtiger - ist aber natürlich nicht so leicht zu führen und zu erklären.

    Was den gepanzerten Wagen angeht: entweder brauchen unsere Minister den in Deutschland - dann auch anderswo in Europa - oder sie brauchen ihn nirgends, also auch nicht in Berlin. Bekanntermaßen gibt es in Deutschland weniger Anschläge als z.B. in Spanien. Also was soll der Blödsinn?

    Und warum wird der Quark auch in der "Zeit" breitgetreten?

    dass man als gewöhnlicher Arbeitnehmer für den vermuteten Diebstahl von 3 Brötchen oder eines Bons im Werte von 1,36 € gefeuert wird. Dass man kleine Existenzen wegen unbewiesener Nichtigkeiten gnadenlos vernichtet? Dazu die Umkehr der Beweislast. Selbst wenn es bewiesen wäre. Das ist unterirdisch, das ist wirklich barbarisch. Das würde man eher im finsteren Mittelalter vermuten.

    Das gilt natürlich nicht für Politiker und Beamte. Man siehe hierzu Ullala und den Zauberrektor.

    Für Politiker und Beamte vollkommene Immunität und für uns arbeitenden "Pöbel" die deutsche Scharia.

    Ja, da freuen sich die Wirtschaftsliberalen. Die da oben, es tut mir leid, dass es sich so banal primitiv anhört wie es sich verhält, stecken alle unter einer Decke. Man sieht es an den mäßigen Reaktionen der CDU und FDP. Die leben ja selber gerne wie der Sonnenkönig und schlimmer.

    So, jetzt rollt die Presse lobenswerter Weise mal den Fall auf, jetzt verweisen sie den Fall in das Land der Nebensächlichkeiten. Dort würde er auch hingehören (obwohl Vorbild?), wenn man bei Verkäuferinnen und Küchenhilfen mit einem Bruchteil der Großzügigkeit verfahren würde.

    • th
    • 27.07.2009 um 10:08 Uhr

    und übrigens auch anderswo in Europa (s. GB.), dann ist es das Geschrei um Reisekosten, Dienstwagen usw. Das sind "Peanuts", um welche die Aufregung nicht lohnt. Eine fundierte Diskussion der verschiedenen "Gesundheitsreformen" wäre viel wichtiger - ist aber natürlich nicht so leicht zu führen und zu erklären.

    Was den gepanzerten Wagen angeht: entweder brauchen unsere Minister den in Deutschland - dann auch anderswo in Europa - oder sie brauchen ihn nirgends, also auch nicht in Berlin. Bekanntermaßen gibt es in Deutschland weniger Anschläge als z.B. in Spanien. Also was soll der Blödsinn?

    Und warum wird der Quark auch in der "Zeit" breitgetreten?

    dass man als gewöhnlicher Arbeitnehmer für den vermuteten Diebstahl von 3 Brötchen oder eines Bons im Werte von 1,36 € gefeuert wird. Dass man kleine Existenzen wegen unbewiesener Nichtigkeiten gnadenlos vernichtet? Dazu die Umkehr der Beweislast. Selbst wenn es bewiesen wäre. Das ist unterirdisch, das ist wirklich barbarisch. Das würde man eher im finsteren Mittelalter vermuten.

    Das gilt natürlich nicht für Politiker und Beamte. Man siehe hierzu Ullala und den Zauberrektor.

    Für Politiker und Beamte vollkommene Immunität und für uns arbeitenden "Pöbel" die deutsche Scharia.

    Ja, da freuen sich die Wirtschaftsliberalen. Die da oben, es tut mir leid, dass es sich so banal primitiv anhört wie es sich verhält, stecken alle unter einer Decke. Man sieht es an den mäßigen Reaktionen der CDU und FDP. Die leben ja selber gerne wie der Sonnenkönig und schlimmer.

    So, jetzt rollt die Presse lobenswerter Weise mal den Fall auf, jetzt verweisen sie den Fall in das Land der Nebensächlichkeiten. Dort würde er auch hingehören (obwohl Vorbild?), wenn man bei Verkäuferinnen und Küchenhilfen mit einem Bruchteil der Großzügigkeit verfahren würde.

    • Rebel
    • 27.07.2009 um 8:34 Uhr

    Es wird gemunckelt, dass auch die Familie des Chauffeurs "gespanient" hat!?

    Macht sich noch jemand die Mühe, die Richtlinien für private Nutzung auszulegen?

    Warum nicht gleich Pauschalen für alles?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Chauffeur incl. Familie nachkommen lassen; 5000km Berlin-Alicante-Berlin; 20l/100km und höchster CO2 Ausstoß; Maut und mind. 2Übernachtungen;
    gefakte Termine (Bürgermeister und Altenheim für Pansionäre (keine RENTNER)); den angeblich für private Fahrten gemieteten SEAT gab es nie!.

    Dafür aber Praxisgebühr, Zuzahlungen, Leistungskürzungen, Beitragserhöhungen, Einheitskasse, usw.

    Dem Autodieb sollte das Bundesverdienstkreutz mit eichenlaub und Schwerdrn verliehen werden; ansonsten wärre dieser Fall nie publik geworden.

    Chauffeur incl. Familie nachkommen lassen; 5000km Berlin-Alicante-Berlin; 20l/100km und höchster CO2 Ausstoß; Maut und mind. 2Übernachtungen;
    gefakte Termine (Bürgermeister und Altenheim für Pansionäre (keine RENTNER)); den angeblich für private Fahrten gemieteten SEAT gab es nie!.

    Dafür aber Praxisgebühr, Zuzahlungen, Leistungskürzungen, Beitragserhöhungen, Einheitskasse, usw.

    Dem Autodieb sollte das Bundesverdienstkreutz mit eichenlaub und Schwerdrn verliehen werden; ansonsten wärre dieser Fall nie publik geworden.

  1. ist als ehemaliges Mitglied des KBW über jeden Verdacht von Verschwendungs(sucht) erhaben, sie hat Mißbrauch Anderer schon immer erkannt, immer bekämpft und daher einfach keine Gelegenheit mehr sich
    auch um den eigenen Mißbrauch zu kümmern in der ihr eigenen Art.

    Das muß man verstehen und akzeptieren.

    Grave ipsius conscientiae pondus

    • ohopp
    • 27.07.2009 um 8:56 Uhr

    den Lobbyisten und den entsprechenden Parteienvertretern aber mächtig ans Bein gepinkelt haben, hatte ich so extrem nicht in Erinnerung obwohl die Gesundheitsindustrie der umsatzstärkste Zweig der Volkswirtschaft.

    • Zapp54
    • 27.07.2009 um 8:57 Uhr

    ...die Abgeordneten werden IHR wohl jetzt "folgen"......*

    Merci Ulla für:

    Praxisgebühr
    Null Zahnersatz + Brille
    Zuzahlungen
    EinfachstVersorgung

    Ich fahr jetzt mit 2 Fahrrädern meine H4-Gage abholen.

    MoinMoin
    Zapp54

    Bei Disputen gewinnt immer der Optimist (Hermann Hesse) *gg*

    • flobec
    • 27.07.2009 um 9:01 Uhr

    ....wieder mal dass man sich in Deutschland als Minister(IN) fast alles erlauben kann.
    Das von U. Schmidt verantwortete Chaos bei der e-Gesundheitskarte oder der Rabattvertragswahnsinn bei Arzneimitteln - nicht so schlimm.... Aber sich im Ausland den Dienstwagen klauen lassen - da wird dann schon schnell mal der Rücktritt gefordert.
    (Vielleicht mag ein schlauer Kopf sich mal ausrechnen, wie viel privat gefahrene Erdumrundungen sich mit dem bislang für das Gesundheitskarten-Projekt rausgeworfenen Geld finanzieren ließen...)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    aber korruptes Verhalten schon. Überträgt man die hinter dem Verhalten zu vermutende Ethik auf das gesamte politische Verhalten von Frau Schmidt, dann kann einem übel werden.

    Wenn Frau Schmidt nach dem baldigen Amtsende in Aufsichtsräten der Klinikkonzerne auftaucht, dann wird ihre jetzt erkennbare Grundhaltung nur bestätigt.

    Bei Herrn Lauterbach kann man dies übrigens schon vor dem Ende seiner politischen Karriere ansehen: Aufsichtsrat bei der Rhön-Klinik-AG.

    Letztere AG peilt Renditen von 12% für ihre Aktionäre an. Geld, dass den patienten fehlt und dem System entzogen wird.

    So schaut es aus.

    aber korruptes Verhalten schon. Überträgt man die hinter dem Verhalten zu vermutende Ethik auf das gesamte politische Verhalten von Frau Schmidt, dann kann einem übel werden.

    Wenn Frau Schmidt nach dem baldigen Amtsende in Aufsichtsräten der Klinikkonzerne auftaucht, dann wird ihre jetzt erkennbare Grundhaltung nur bestätigt.

    Bei Herrn Lauterbach kann man dies übrigens schon vor dem Ende seiner politischen Karriere ansehen: Aufsichtsrat bei der Rhön-Klinik-AG.

    Letztere AG peilt Renditen von 12% für ihre Aktionäre an. Geld, dass den patienten fehlt und dem System entzogen wird.

    So schaut es aus.

  2. 7. Dumm

    Schlicht dumm in diesem Fall, die Frau Schmidt.

    Das Bild zeigt allerdings einen A8 und keine S-Klasse.
    (Anmerkung: Wir haben die Bildunterschrift entsprechend korrigiert. Die Redaktion/jk)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die S-Klasse ist ja auch gestohlen worden...... :-)

    Die S-Klasse ist ja auch gestohlen worden...... :-)

    • hardob
    • 27.07.2009 um 9:08 Uhr

    Ihr Kritiker gönnt es dem Chauffeur der Frau Schmidt nicht, auch mal nach Spanien zu kommen und sich dort ein bisschen umzuschauen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service