Stammzellforschung Forscher züchten Maus aus einer Hautzelle

Therapien gegen Parkinson oder Alzheimer werden realistisch, die genutzten Zellen haben das Potenzial, um Menschen zu züchten. Medizintechnisch ist das noch Wunschdenken

Die Wissenschaft ist auf dem Weg zu neuen Heilmethoden einen großen Schritt weitergekommen. Wie die Fachmagazine Nature und Cell Stem Cell am Donnerstag online berichten, ist es zwei chinesischen Forschergruppen gelungen, erstmals aus einer Hautzelle eine neue Maus zu züchten.

Das Team um Xiao-yang Zhao von der chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking entnahm erwachsenen Mäusen Hautzellen und schleuste ihnen vier Gene ein, die die Zelle "verjüngen" und sie zu einer Art Stammzelle machen, iPS-Zelle genannt (induzierte pluripotente Stammzelle).

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Diese Zellen sind auch deshalb so interessant, weil es keine ethische Debatte gibt wie bei den embryonalen Stammzellen, für deren Gewinnung Embryonen zerstört werden müssen.

Die iPS-Zellen wecken große Hoffnungen in der biomedizinischen Forschung, weil sich mit ihnen eines Tages möglicherweise Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer behandeln lassen. Da sich theoretisch aus der Hautzelle jedes Menschen iPS-Zellen herstellen lassen, könnte es in Zukunft "maßgeschneiderte" Therapien geben. Im Labor könnte eine Hautzelle verjüngt und zu einem bestimmten Gewebe herangezüchtet werden. Dann könnte sie beim Patienten verschlissenes Gewebe ersetzen.

Da die Zellen genetisch mit dem Patienten identisch sind, würde das Gewebe bei einer Transplantation auch nicht abgestoßen. Jede dieser Zellen hat auch das Potenzial, einen ganz neuen Menschen hervorzubringen. So weit ist man medizinisch allerdings noch lange nicht.

Der ersten Maus, die aus den Hautzellen entstand, gaben die Forscher den Namen "Xiao Xiao", gesprochen Schau Schau, was auf Deutsch "winzig" heißt. Insgesamt züchteten sie 27 lebende Mäuse, die bereits hunderte Nachkommen haben. Von sehr ähnlichen Resultaten berichtet eine Gruppe um Shaorong Gao vom Nationalen Institut für Biowissenschaften in Peking im Journal Cell Stem Cell. Sie schuf fünf neue iPS-Zelllinien. Aus einer ließen sich – mit derselben Methode, die auch die andere Arbeitsgruppe benutzt hatte – lebende Mäuse gewinnen. Ein Tier überlebte, bis es erwachsen war.

Der deutsche Stammzellforscher Rudolf Jänisch sagte dem Tagesspiegel, er habe früher bereits selbst versucht, den Beweis für das Potenzial der iPS-Zellen zu erbringen, sei aber gescheitert.

 
Leser-Kommentare
  1. "Jede dieser Zellen hat auch das Potenzial, einen ganz neuen Menschen hervorzubringen. So weit ist man medizinisch allerdings noch lange nicht."
    Hurra und Helau! Hoffentlich sind wir bald soweit, ich wollte schon immer eine Sklavenarmee besitzen. Könnte man die Klone bitte vielleicht auch so einrichten, dass sie nicht soviel fressen?

  2. Schön, dass die Chinesen uns jetzt auch noch in der Spitzenforschung überholt haben. Woran das wohl liegen mag? Man man man. Ein Großteil der Menschheit wünscht sich nichts mehr als Fortschritt und bei uns fühlt man sich gut, wenn man ihn konsequent verhindert. Hervorragend!

  3. Der alte Traum, willfährige und leicht beherrschbare Menschen zu züchten, könnte also demnächst wahr werden! Den Chinesen, die bereits über 1,3 Milliarden natürlich entstandene Exemplare dieser Sorte verfügen, wäre allerdings vor Verwirklichung dieses "Wissenschaftstraumes" eine realistische Bedarfsanalyse zu empfehlen.

  4. Der Mensch ist keine Maus! - Tierversuche - wissenschaftlicher Betrug:
    Das beliebteste Versuchstier hat ein Gewicht von 20-30 g, sein Herz hat die Länge von 0,8 cm, der Magen ein Fassungsvermögen von 1,5 ml. Die Rede ist vom Pharmavorkoster des Menschen: Der Maus.
    Obwohl diese Daten eindeutig beweisen, daß eine Maus niemals Modellcharakter für den 70.000 Gramm schweren Menschen haben kann, wird mit ihr millionenfach experimentiert - weil sie so billig ist und so handlich. Neben Meerschweinchen, Kaninchen und Ratten werden Mäuse als »klassische Laboratoriumstiere« beschrieben, »da ihre Zucht, Haltung und Pflege weniger aufwendig ist als die der größeren Tiere«. Ausschließlich wirtschaftliche Aspekte bestimmen demnach diese Auswahl, die mit wissenschaftlicher begründeter Selektion nicht das Geringste zu tun hat. (»Größere Tiere« sind übrigens auch kein Abbild des Menschen und deswegen genauso wenig geeignet.)

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