Synthetische Biologen bauen das Erbgut aus chemischen Bausteinen nach und pflanzen es in entkernte Zellen. So könnten sie eines Tages aus toter Materie Lebewesen schaffen, mit Eigenschaften, die in der Natur nicht vorgesehen sind.

Der US-amerikanische Wissenschaftler Jay Keasling schaffte es auf ähnliche Weise, das Bakterium Escherichia coli aus Zucker ein Malaria-Medikament herstellen zu lassen: Er legte den dafür nötigen Stoffwechselweg mit einer Kombination aus Genbausteinen einfach völlig neu an.

Mit ähnlichen Verfahren wollen Klimaforscher ein Darmbakterium so umbauen, dass es aus Holzabfällen umweltfreundlichen Biosprit herstellt. Denkbar wäre auch eine Mikrobe, die im menschlichen Körper Krebszellen erkennt und gezielt angreift. Eines Tages könnten Wissenschaftler aus unbelebter Materie alle möglichen Organismen schaffen, die dann in der Medizin oder Technik zum Einsatz kommen.

Neben großen Hoffnungen weckt das neue Forschungsfeld an der Schnittstelle von Gentechnik, Ingenieurwissenschaften und Chemie aber auch ethische Bedenken. Am Montag nahmen die Spitzenkräfte dreier großer Forschungsorganisationen deshalb gemeinsam Stellung zur Synthetischen Biologie.

Auf einer Pressekonferenz in Berlin verlasen Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Reinhard Hüttl, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), und Volker ter Meulen, Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina), eine gemeinsam erarbeitete Erklärung.

"Für die Akzeptanz einer neuen Technologie in der Wissenschaft ist ein frühzeitiger und offener Dialog mit der Öffentlichkeit entscheidend", sagte Matthias Kleiner. "Aus der aktuellen Diskussion um die Gentechnik und die Stammzellforschung haben wir gelernt, dass wir die ethischen Fragen, die sich aus einem neuen Forschungsfeld ergeben, schon früh adressieren müssen."

Anlass zur Sorge sehen die drei Präsidenten aber nicht, nachdem eine gemeinsame Arbeitsgruppe sich in den vergangenen Monaten mit möglichen ethischen und Sicherheitsproblemen beschäftigt hat. Die bereits bestehenden Gesetze zur Gentechnik und zur biologischen Sicherheit, erklärte Kleiner, seien nach Auffassung von DFG, acatech und Leopoldina ausreichend, um Sicherheitslücken und einen möglichen Missbrauch der Forschungsmethoden auszuschließen. Allerdings entwickle sich das neue Gebiet so schnell, dass man Sicherheitsfragen im Auge behalten und begleitend erforschen müsse.