Wiedekings Abtritt Von wegen Abzocker!

Wendelin Wiedeking zeigt Anstand bei seinem Abgang. Ein würdiger Abschied war ihm wichtiger als die letzte Million - Kommentar

Schafft Begehrlichkeiten: Der Glanz von Porsche

Was hatte sie nicht schon wieder geschrien, die es immer so genau wussten: 250 Millionen Euro werde Wendelin Wiedeking bei seinem Abgang von der Porsche-Spitze herausschlagen. Für sie war klar, dass er damit seinen Ruf als größter Abzocker unter Deutschlands Managern bestätigen würde.

Falsch gelegen. Wiedeking erhält 50 Millionen Euro (sein Kollege Holger Härter 12,5 Millionen). Keine Frage, das ist immer noch sehr viel Geld für Normalsterbliche. Wiedeking läuft kein Risiko zu verarmen. Aber der Mann, der Porsche zum Vorzeigeautobauer machte, hätte zweifellos wesentlich mehr rausschlagen können, wenn er es darauf angelegt hätte. Nur: Wer ihn wirklich kennt, weiß, dass das in diesen letzten so heftigen Wochen nie seine Priorität war.

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Wiedeking wollte am Ende eine faire Lösung im Übernahmestreit. Ein würdiger Abgang war ihm wichtiger als die letzte Million. Die Hälfte seiner Abfindung bringt er in gemeinnützige Stiftungen ein. Das ist anständig. Dass mit dem Geld auch Not leidene Journalisten bedacht werden sollen, entbehrt freilich nicht einer gewissen Ironie.

Eines hat Wiedeking, dem man viele Fehler vorwerfen kann, hinbekommen: einen ordentlichen Abgang. Und all jene, die ihm in der Vergangenheit seine exorbitanten Gehälter vorgehalten haben, sollten bedenken, dass er den Gewinnanteil vor 17 Jahren nur deshalb zugesprochen bekam, weil er mit seinem Privatvermögen für die Firma Porsche bürgte. Wie viele junge Manager tun das schon? Hätten ihm die Porsches und Piechs damals stattdessen ein paar Aktien gegeben, wäre er erst gar nicht in den Ruch des Abzockers gekommen – und sogar noch reicher geworden.

Aber historische Details interessieren ja nicht, wenn man sich so schön empören kann.

 
Leser-Kommentare
  1. Find ich ok. Der gute Herr Widekind hat Porsche schließlich wirklich in eine Zukunft geführt, die vor gar nicht langer Zeit ziemlich unvorstellbar war. In diesem Fall ist die Leistung ziemlich offensichtlich. Das darf belohnt werden, wobei selbst 50 Millionen ordentlich Geld ist.

  2. Seine Langzeitstrategie ist vorbildhaft.
    In nur das Produkt ist auf Haltbarkeit ausgelegt auch seine Firmenpolitik. Als Beispiel sei genannt, dass er bei dem Quartalszahlengegacker nicht mitmachte und so aus dem M-Dax flog. Der Firma hat es nicht geschadet.

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    Sie werden Deutschland nie regieren - Sie nicht!
    (Gerhard Schröders wahre Worte)

  3. Ja, sehr anständig von ihm sich mit 50.000.000€ zu begnügen. Wenn doch nur alle so bescheiden wären gäbe es schon längst keinen Krieg oder Hunger mehr auf der Welt.

    • xtc
    • 23.07.2009 um 17:51 Uhr

    OK, ich spiel jetzt mal die Spaßbremse. Diese Lobhudelei der ersten drei Kommentare ist ja nicht zum Aushalten.
    Daß Herr WW Porsche wieder hochgebracht hat, ist zu loben. Aber wir müssen ja nicht gleich so tun, als sei seine Abfindung die einzige Vergütung für diese Heldentat. Der Mann hat in den zurückliegenden jahren fürstlich, wenn nicht gar kaiserlich verdient. Damit sind seine Leistungen adäquat bedient.
    Ob er im Zusammenhang mit seinem Abgang und den Umständen die diesen herbeigeführt haben jetzt noch 50 Mio Euronen verdient, versehe ich mal mit mindestens drei Fragezeichen.

    Zu Kommentar Nr. 3 möchte ich noch kurz anfügen, daß ich auch bescheiden und anständig bin. Also her mit den 50 Mio. Vielen Dank im Voraus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    - dass einem die ueberhaupt angeboten werden... ;)
    und auf gut 100 mio zu verzichten und dann auf die haelfte des verbleibenden "rest"-geldes zu verzichten sagt durchaus etwas aus (was immer die motive sein moegen).

    gegenfrage:
    ist es gerecht dass die familien piech und porsche mehrere MILLIARDEN - letztlich allein durch ihre familienabstammung - verdienen, ohne an diesem erfolg wirklich aktiv massgeblich beteiligt gewesen zu sein?
    verstehe nicht ganz weshalb in dieser frage so auf wiedeking im speziellen herumgehackt wird.

    die fokussierung auf wiedeking bedeutet dass ein grossteil der oeffentlichkeit implizit akzeptiert dass herkunft vor leistung gehen sollte, wenn es um die ungleichverteilung von vermoegen geht.

    freilich waere mir eine "logarithmierung" der bestehenden ungleichheiten der vermoegensverteilung auch lieber....

    bitte kurz durchlesen

    http://de.wikipedia.org/w...

    Das sind Größenordnungen mit denen ich nichts anfangen kann.

    Ich sehe nur die Leistung;
    Beispielsweise verglichen mit dem Supermanager Zumwinkel, der die elterliche Firma validierte, dann hunderttausende von Arbeitsstellen abbaute oder prekarisierte und nach Ertappt werden auch noch die beleidige Leberwurst mimte und sich ins Ausland verzog, ist der in D versteuernde und Provisonen an die Arbeiter zahlende Wiedking ein echtes Positivbeispiel. Wir haben keine Anderen.

    Ein weiteres Positivbeispiel in diesem Zusammenhang ist Herr Wulff. Er hat die Wichtigkeit des VW-Gesetzes erkannt und gegen EU-Interessen durchgesetzt.
    VW versteuert für alle Zeiten in Deutschland!!!!

    So nun vergleichen Sie einmal. Und glauben Sie mir: Ich bin bei Leibe kein Freund der CDU.

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    - dass einem die ueberhaupt angeboten werden... ;)
    und auf gut 100 mio zu verzichten und dann auf die haelfte des verbleibenden "rest"-geldes zu verzichten sagt durchaus etwas aus (was immer die motive sein moegen).

    gegenfrage:
    ist es gerecht dass die familien piech und porsche mehrere MILLIARDEN - letztlich allein durch ihre familienabstammung - verdienen, ohne an diesem erfolg wirklich aktiv massgeblich beteiligt gewesen zu sein?
    verstehe nicht ganz weshalb in dieser frage so auf wiedeking im speziellen herumgehackt wird.

    die fokussierung auf wiedeking bedeutet dass ein grossteil der oeffentlichkeit implizit akzeptiert dass herkunft vor leistung gehen sollte, wenn es um die ungleichverteilung von vermoegen geht.

    freilich waere mir eine "logarithmierung" der bestehenden ungleichheiten der vermoegensverteilung auch lieber....

    bitte kurz durchlesen

    http://de.wikipedia.org/w...

    Das sind Größenordnungen mit denen ich nichts anfangen kann.

    Ich sehe nur die Leistung;
    Beispielsweise verglichen mit dem Supermanager Zumwinkel, der die elterliche Firma validierte, dann hunderttausende von Arbeitsstellen abbaute oder prekarisierte und nach Ertappt werden auch noch die beleidige Leberwurst mimte und sich ins Ausland verzog, ist der in D versteuernde und Provisonen an die Arbeiter zahlende Wiedking ein echtes Positivbeispiel. Wir haben keine Anderen.

    Ein weiteres Positivbeispiel in diesem Zusammenhang ist Herr Wulff. Er hat die Wichtigkeit des VW-Gesetzes erkannt und gegen EU-Interessen durchgesetzt.
    VW versteuert für alle Zeiten in Deutschland!!!!

    So nun vergleichen Sie einmal. Und glauben Sie mir: Ich bin bei Leibe kein Freund der CDU.

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    • politz
    • 23.07.2009 um 17:51 Uhr

    Erstens: Mir würde es auch nicht schwerfallen, auf 200 Millionen zu verzichten, wenn ich am Ende immer noch 50 Millionen habe. Abgesehen von einem großen Haus, teuren Autos und Möbeln sowie mehreren Fernreisen wüsste ich bei den 250 Millionen genauso wenig, was ich mit den restlichen 249 anfangen sollte wie bei den 50 Millionen mit den restlichen 49. Zweitens: Es geht überhaupt nicht darum, einzelne Manager als "Abzocker" zu stilisieren. Das ist der Sache überhaupt nicht angemessen.

    Ginge es darum, hätte sich die Moral unserer Manager binnen weniger Jahre schlagartig um die Hälfte verschlechtert – denn noch in den 1980er-Jahren gab es solche Exzesse kaum. Da es aber unwahrscheinlich ist, dass jeder Manager selbst für seine überzogenen Abfindungen und Boni verantwortlich ist, muss die Antwort woanders liegen. Es führt also kein Weg daran vorbei, die allgemeine Debatte um das notwendige Ausmaß oder die Art der Vergütung von Spitzenkräften weiterzuführen.

    Aktionoptionen sind keine Option. Die Theorie, dass dies zu Leistungssteigerungen führen würde, wurde noch nirgends belegt. Geld ist nur ein Teil der Leistungsanreize, nicht mal der entscheidende. Wenn jemand nicht für das Amt eines Vorstandsvorsitzenden etc. geeignet ist, sollte er nicht für etwaige Verluste haften müssen, sondern einfach abgewählt werden. Der Anreiz, sonst seinen Job zu verlieren, ist sicher groß genug.

    • gquell
    • 23.07.2009 um 17:52 Uhr

    Das ist seit langem der beste Kommentar zu W. Wiedeking.
    Das Porsche und VW es sich leisten, diesen Mann zu feuern, zeugt nicht gerade von Weisheit und unternehmerischer Weitsicht. Aber von F. Piech ist man ja ein unsauberes Verhalten gewöhnt, ich denke da nur an seine Rolle in der Lopez-Affäre, und auch Christian Wulff hat hier seine Intrige gespielt. Ich glaube, hier hat Neid gegen Leistung gewonnen ( wie leider so häufig in Deutschland ).

  4. sind 50 Millionen Euro zuviel. Selbst 5 Millionen Euro Abfindung sind extrem viel Geld (mehr als ein Arbeitnehmer mit 100.000 Euro/Jahr - ein echter Gutverdiener - in seinem Leben verdient).

    • eras
    • 23.07.2009 um 18:06 Uhr

    Herr Wiedeking bekommt also 50 Millionen Abfindung und keine 250 Millionen. Das ist dann nach Lesart des Autoren gelebte Bescheidenheit. Ich vermute, der Autor hat als Wirtschaftsredakteur so viel mit grossen Summen zu tun, dass er den Bezug zu Werten verloren hat.

    Das deutsche Durchschnittsjahreseinkommen liegt bei etwas über 27000€ (2008). Um die "bescheidene" Summe von 50 Millionen zu erreichen, müßte ein Durchschnittsbürger also rund 1850 Jahre arbeiten. Selbst die Bundeskanzlerin, die (inklusive aller Zuschläge und Schattenverdienste) etwa 600000€ zusammen bekommt, müsste 83 Jahre am Stück durchregieren...

    Herrn Wiedekings Verdienste um Porsche in allen Ehren, aber glaubt irgendjemand ausser ihm (und Herrn Lamparter), dass ein Mensch 1850 mal bessere Arbeit leisten kann, als ein Durchschnittsdeutscher, oder 83 mal mehr leistet als ein Kanzler/ eine Kanzlerin?

    Das Wort Bescheidenheit im Zusammenhang mit einer Millionenabfindung zu bringen, ist dem sozialen Frieden allgemein wenig zuträglich. Nur nebenbei bemerkt, die 50 Millionen entsprechen in etwa dem geschätzten Jahresgehalt von Herrn Wiedeking in den letzten Jahren.

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