Auto-Boom Die Wirkung der Abwrackprämie lässt nach

Die Zahl der Neuzulassungen stieg im Juli weniger stark als zuvor. Als Premium-Hersteller profitiert BMW nicht von der Prämie, verzeichnet aber einen Quartalsgewinn

Der Autohersteller BMW verkauft weniger Autos, schreibt aber trotzdem Gewinne

Der Autohersteller BMW verkauft weniger Autos, schreibt aber trotzdem Gewinne

In Deutschland geht der staatlich geförderte Auto-Boom allmählich zu Ende. Dank der Abwrackprämie lag im Juli die Zahl der Neuzulassungen mit knapp 340.000 Wagen zwar noch fast 30 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Dienstag in Flensburg mitteilte. Im Juni hatte das Plus allerdings noch 40 Prozent betragen.

Experten gehen davon aus, dass der von der Politik ausgelöste Nachfrage-Höhepunkt überschritten ist und 2010 der Absturz folgt. Insgesamt hat die Bundesregierung fünf Milliarden Euro bereit gestellt, um den Absatz von Neuwagen zu fördern. Regensburger Wissenschaftlern zufolge wird der Topf kurz vor der Bundestagswahl ausgeschöpft sein. Derzeit reiche das Geld noch für rund 300.000 Anträge, insgesamt sollen zwei Millionen Käufer davon profitieren. Im Jahr 2009 dürfte die Prämie den Auto-Absatz in Deutschland auf ein Zehnjahres-Hoch von 3,5 Millionen Neuzulassungen treiben. 

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Vor allem der Export bleibt jedoch schwach. Mit knapp 290.000 Wagen wurden im Juli 12 Prozent weniger Wagen ausgeführt, von Januar bis Juli zusammen lag der Wert laut Verband der Automobilindustrie VDA 31 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Auto-Produktion indes scheint sich zu stabilisieren. Im Juli lag sie nur noch fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau. Im ersten Quartal war sie noch um 30 Prozent geringer als im gleichen Vorjahreszeitraum. "Zweifellos wird es aber noch einer längeren Strecke bergauf bedürfen, bevor wieder weltweit Verkaufs- und Produktionszahlen wie 2007 und 2008 erreicht werden", sagte Verbands-Präsident Matthias Wissmann laut einer Mitteilung des VDA.

Auf dem amerikanischen Automarkt zeichnet sich unterdessen eine Trendwende ab. Die Branche verkaufte so viele Autos wie seit August 2008 nicht mehr. Als Grund gilt eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild. Als einziger großer deutscher Hersteller legte Volkswagen in den USA im Juli ganz leicht um 0,7 Prozent auf 20.590 Wagen zu. Daimler, BMW, Audi und Porsche verloren hingegen.

Zeitgleich mit den aktuellen Zulassungsdaten wurden Quartalsergebnisse von BMW und Toyota veröffentlicht. BMW schnitt besser ab als erwartet. Dank Kosteneinsparungen und Produktionskürzungen schaffte das Unternehmen im zweiten Quartal sogar einen kleinen Gewinn. Zwar sank der Überschuss von 507 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 121 Millionen Euro – im ersten Quartal war allerdings noch ein Verlust angefallen.

Der BMW-Umsatz sank wegen der geringeren Verkäufe von April bis Juni von 14,55 Milliarden auf 12,97 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 99.112 Ende März auf 98.261 Ende Juni. Ende 2007 hatte der Konzern noch mehr als 107.000 Mitarbeiter beschäftigt. BMW werde diesen Sparkurs fortsetzen, sagte Finanzvorstand Friedrich Eichiner. "Wir kämpfen weiter um jeden Euro."

Eine Prognose für das Gesamtjahr wagt BMW weiter nicht. "Auch wenn einige Indikatoren auf eine mögliche Besserung im zweiten Halbjahr hindeuten, bleiben wir vorsichtig", sagte Vorstandschef Norbert Reithofer. Zwar hofft das Unternehmen, dass die Nachfrage nach Luxusautos in der zweiten Jahreshälfte steigt. Die neue, zum Teil auf dem Kohlendioxidausstoß der Autos basierende Kfz-Steuer käme BMW zugute, sagte Reithofer. Doch eine dauerhafte Konjunkturerholung sei nicht in Sicht. Das Unternehmen rechnet nicht mehr damit, den Vorjahresabsatz von rund 1,4 Millionen Fahrzeugen zu erreichen.

Im Gegensatz zu BMW schreibt der weltgrößte Autohersteller Toyota weiter tiefrote Zahlen. Der operative Verlust belief sich auf 194,8 Milliarden Yen, etwa 1,4 Milliarden Euro, wie Toyota am Dienstag bekannt gab. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von 412,5 Milliarden Yen erwirtschaftet worden. Damit fährt der einst erfolgsverwöhnte Autobauer im dritten Quartal in Folge hohe Verluste ein.

Aufs Geschäftsjahr gerechnet, das noch bis Ende März 2010 läuft, erwartet der Konzern das schlechteste Ergebnis seiner Geschichte, trotz eines aggressiven Sparprogramms und obwohl der Benzin-Elektro-Hybrid Toyota Prius dank staatlicher Subventionen und Steuerermäßigungen für umweltfreundliche Autos stark nachgefragt wird.

Der Umsatz der Unternehmensgruppe, zu der auch Daihatsu Motor und Hino Motors gehören, sank im Berichtszeitraum April und Juni um 38,3 Prozent. In sämtlichen Schlüsselmärkten wie Japan, Nordamerika, Europa und anderen Teilen Asiens erlitt Toyota zweistellige Umsatzrückgänge.

 
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