Autos im Film "Es muss eine Karre sein"Seite 3/3
ZEIT ONLINE: In einem anderen Film von Ihnen, Ein Freund von mir, rasen nachts zwei Porsches über die Autobahn. Die Autos scheinen geradezu zu schweben.
Schipper: An der Szene habe ich sehr lange geschrieben. Ich wollte kein Schnittgewitter wie in Matrix II, der damals gerade in den Kinos war. Und dann bin ich darauf gekommen, dass die Szene nur funktioniert, wenn wir sie langsam drehen. Also so, dass diese hohe Geschwindigkeit etwas ganz Fließendes bekommt. Wie zwei Fische im Wasser, hat mal jemand geschrieben. Dann haben wir auch noch diesen Song dafür lizensiert bekommen, After the Flood von Talk Talk. So kam alles zusammen.
ZEIT ONLINE: In Ihrem neuen Film Mitte, Ende August gibt es keine solche Szene. Dafür wirkt er ernsthafter als die ersten beiden. Es geht zum ersten Mal um Beziehungen und Lebensentwürfe. Sind das Zeichen des Erwachsenwerdens?
Schipper: Das fragen mich alle. Also erst mal: ja. Aber was heißt das denn? Wenn es darum geht, bestimmte Träumereien als Flausen zu den Akten zu legen, das finde ich falsch. Aber wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen oder zu sagen, was man denkt, ohne Angst zu haben, nicht mehr gemocht zu werden, dann finde ich das super. Ich bin jetzt 41, ich kann das machen, was ich machen will. Und ich habe das Gefühl, dass ich auch mehr Überblick darüber habe, wie ich es mache.
ZEIT ONLINE: Und die Autos?
Schipper: Eigentlich ist Carsharing das Einzige, das Sinn macht. Wenn ich ein bisschen mehr Grips hätte, würde ich das machen. Aber ich kann es einfach nicht. Außerdem würde ich gerne irgendwann eine Weile in Los Angeles leben. Wenn das klappt, könnte ich mir vorstellen, mir noch einmal so eine dicke alte Karre zu kaufen. Einen Dodge Charger in Mattgrau. Am besten einen 69er. Das Modell aus Bullitt.
In seinem Film "Mitte, Ende August" schickt Regisseur Sebastian Schipper ein Paar aufs Land nach Brandenburg. Es kommen jede Menge unerbetener Besucher, und die beiden Hauptdarsteller sind gezwungen herauszufinden, ob sie wirklich so gut zusammenpassen, wie sie immer dachten. Der Film ist eine freie Übertragung von Goethes "Wahlverwandtschaften" in die Gegenwart. Die Fragen stellte Kai Kolwitz.
- Datum 06.09.2009 - 14:58 Uhr
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