Zum Tod von Peter Zadek

"Der Saal muss voll sein"

Paris, im Jahr 2000: Peter Zadek an der Seite der Schauspielerin Angela Winkler. Mit ihr führte er Shakespeares "Hamlet" auf  |  © Manoocher Deghati/AFP/Getty Images

Ende der fünfziger Jahre betrat Peter Zadek die deutsche Theaterszene, da war er schon Mitte dreißig. Plötzlich war er da, der Berliner Regisseur, der jahrelang an englischen Kleintheatern geschuftet hatte. Das Regiehandwerk hatte er in London gelernt, und sein erstes Stück nach seiner Ankunft in Deutschland, in Ulm, war Shakespeares Kaufmann von Venedig. Gleich ein Skandal! Zadek hatte den jüdischen Kaufmann Shylock zu negativ dargestellt – und musste sich gegen Antisemitismus-Vorwürfe wehren. Das war 1961, Peter Zadek war 35.

Zadek provozierte, unterhielt, verstörte. Größte Tragik, Kunst, Komik, Radikalität, Albernheit, oder alles zugleich konnte er den Zuschauern bieten. Er nahm sich die Welt und machte Theater aus ihr, ein Fest voller Leben und entgrenztem Realismus. Seine Shakespeare-Spielsucht, ein bisschen Schiller, Tschechow und Ibsen. In seiner Zeit als Intendant des Hamburger Schauspielhauses brachte er Musicals auf die Bühne. "Der Saal muss voll sein", war seine Devise. Den Schauspielern verlangte er alles ab. Er erdachte mehr als 30 Inszenierungen. Nun ist Peter Zadek im Alter von 83 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben.

Leser-Kommentare
  1. Dies ist letzten Endes alles, woauf es im Show Business ankommt. Alle Kunst bleibt vergebene Liebesmüh, wenn keiner kommt. Schon der schwerreiche Londoner Impresario Georg Friedrich Händel (im Nebenberuf übrigens auch noch Komponist) reduzierte dieses Sentiment auf den drastischen Satz: "Put bums on seats" (Ein Arsch auf jeden Platz)! Schließlich gehörte die gesamte Abendkasse ihm persönlich.

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