Machtkampf mit Schaeffler Chaos um Conti
Schaeffler wollte Conti-Chef Neumann ablösen, die Banken sperren sich. Aufseher Koerfer gerät in die Kritik. Die Gewerkschaften fordern ein Ende des Machtkampfs

© Jörn Pollex/Getty Images
Das Hickhack zerrt auch an ihren Nerven: Conti-Arbeitnehmer demonstrierten im April während der Conti-Hauptversammlung in Hannover
Nach dem Putschversuch gegen Conti-Chef Karl-Thomas Neumann im Aufsichtsrat vergangene Woche ist jetzt offenbar Chefaufseher Rolf Koerfer in die Kritik geraten. Teile des Aufsichtsrates betrieben seine Ablösung und würden dabei von den Banken unterstützt, berichtete die Financial Times Deutschland. Koerfer werde der katastrophale Verlauf der Sitzung am vergangenen Donnerstag zur Last gelegt.
Die Situation sei völlig festgefahren, deshalb sei ein Neuanfang auch im Aufsichtsrat nötig. Allerdings halte Großaktionär Schaeffler uneingeschränkt an Koerfer fest. "Eine Ablösung ist daher kein Thema", zitiert die Zeitung einen Sprecher. Zunächst hatte es geheißen, Koerfer solle Neumann ersetzen. Auch Schaeffler-Manager Elmar Degenhart wurde bereits als möglicher Nachfolger gehandelt, doch inzwischen scheint Neumanns Position wieder etwas gefestigt. Schaeffler will einen eigenen Manager auf dem Chefposten bei Conti.
Neumanns Abberufung war in einer dramatischen Aufsichtsratssitzung vergangenen Donnerstag nur durch den Widerstand der Arbeitnehmerseite verhindert worden - die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit war deshalb nicht zustande gekommen. Jetzt soll eine erneute Aufsichtsratssitzung am 12. August die Entscheidung bringen. Dann würde die einfache Mehrheit ausreichen, um Neumann abzulösen.
Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff sagte am Montag in Hannover: "Wir versuchen, diese Woche bis zur nächsten Sitzung zu nutzen, um eine Lösung zu finden." Wie diese aussehen könnte, dazu äußerte er sich nicht.
Dem Handelsblatt zufolge stößt die mögliche Ablösung von Neumann auch bei den Conti-Gläubigerbanken auf Kritik. Die Institute fürchteten, dass durch das Führungschaos bei Conti dringende Finanzierungslösungen verzögert werden, schreibt das Blatt unter Berufung auf Finanzkreise. Wenn sich ein neuer Vorstandsvorsitzender erst einarbeite, könne sich die dringend benötigte Kapitalerhöhung bis zum Jahresende hinziehen. Dies müsse verhindert werden. Der Aufsichtsrat hatte am Donnerstag grünes Licht für eine von Neumann vorgeschlagene Kapitalerhöhung gegeben.
Auch die Schaeffler-Gläubigerbanken äußerten Kritik. Offenbar hat Schaeffler die Vorstöße gegen Neumann nicht mit den Kreditinstituten abgesprochen. Laut Handelsblatt sei man dort völlig überrascht worden. Man hätte sonst im Vorfeld eher darauf gedrängt, eine Eskalation zu vermeiden. Die Institute seien extrem verärgert. Das Vorgehen der Schaefflers bei der turbulenten Aufsichtsratssitzung sei hoch problematisch gewesen. Allerdings seien auch unter den Gläubigerbanken die Interessen höchst unterschiedlich.
Die Arbeitnehmervertreter drängen Vertreter beider Seiten in dem erbitterten Machtkampf unterdessen, sich bald zu einigen. "Die Querelen und der Machtkampf müssen ein Ende haben", sagte der Schaeffler-Betriebsbetreuer Wolfgang Müller von der IG Metall am Montag in München. Es müsse für alle Beschäftigten klar sein, wie die künftige Struktur der Unternehmen aussehe. Bei dem Gerangel sei viel Geld verbrannt worden, und es bestehe die Gefahr, dass qualifizierte Mitarbeiter zunehmend zur Konkurrenz abwanderten.
- Datum 10.08.2009 - 19:36 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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