Übernahmekampf Conti-Chef Neumann vor dem Rücktritt
Neumanns Bitte um eine Kapitalerhöhung blieb beim Großaktionär Schaeffler unerhört. Nun soll der Continental-Chef gehen
Die Zukunft des finanziell schwer angeschlagenen Zuliefererkonzerns Continental steht auf tönernen Füßen. Um fällige Kredite in Höhe von 800 Millionen Euro und 3,5 Milliarden Euro bedienen zu können, hatte Vorstandsvorsitzender Karl-Thomas Neumann eine Bitte an den Aufsichtsrat: Dieser möge einer Kapitalerhöhung zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro zustimmen. Das hat das Kontrollgremium bei seiner Sitzung am Donnerstag in Hannover abgelehnt, Neumann stehe seit dem nach Informationen der Süddeutschen Zeitung vor dem Rücktritt.
Zuvor hatte es einen erbitterten Machtkampf um die Übernahme von Continental gegeben. Das Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach – wie Conti ein großer Zuliefererbetrieb der deutschen Autoindustrie – hatte im Juli 2008 ein erstes Übernahmeangebot für den hoch verschuldeten Konzern aus Hannover abgegeben und sich dann Schritt für Schritt 90 Prozent aller Conti-Anteile gesichert. Letztlich war eine Fusion der beiden Unternehmen oder eine Übernahme von Conti durch den Maschinenbauer aber gescheitert, auch weil sich Schaeffler finanziell verhoben hatte. Ähnlich wie dem Autobauer Porsche, der den Wolfsburger Autokonzern Volkswagen übernehmen wollte, machte die Finanzkrise auch der fränkischen Unternehmensfamilie einen Strich durch die Rechnung.
Conti und Schaeffler agieren also derzeit wie zwei eigenständige Unternehmen. In dieser Situation sah Neumann keine andere Wahl, als den Aufsichtsrat um eine Kapitalerhöhung zu bitten. Sein Problem: Unter den Kontrolleuren sind auch Marie-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, mit denen sich Neumann schwere Auseinandersetzungen lieferte.
Doch in Herzogenaurach sind sie offenbar überrascht, welchen Druck Neumann, der einst als Schaeffler-Mann galt, auf sie ausgeübt hat. In einem Brief an den Aufsichtsrat, der auch in die Redaktionsräume der Bild-Zeitung gelangte, formulierte der 48-Jährige nicht nur seine Bitte um mehr Geld, sondern griff zugleich auch seine Großaktionäre an. Neumann fordert die Schaefflers zu einer zügigen Entscheidung zur Zusammenführung der Konzerne auf und verlangt von ihnen ein klares Bekenntnis zu einer eigenständigen Conti. Dies alles sei bislang ausgeblieben, so dass er für Conti allein planen müsse.
Dies hat Neumann getan – und offenbar verloren.
Dabei hat sich der gelernte Elektrotechniker, der erst seit knapp elf Monaten im Amt ist, vor allem selbst unter Druck gesetzt: Einerseits hat er die Schaefflers gegen sich aufgebracht, andererseits war er unbedingt auf ihr Wohlwollen angewiesen, um die Forderungen der rund 40 Gläubigerbanken erfüllen zu können. Die Geldinstitute, darunter vor allem BNP Paribas, Barclays, Calyton und ING, hatten ihrerseits in einem Brief eine Kapitalerhöhung gefordert. Erst wenn diese Finanzspritze bewilligt sei, wären sie dazu bereit, Kredite zu verlängern.
Über diesen Punkt kam es am Donnerstag bei der Gremiumssitzung zur Kampfabstimmung. Die Arbeitnehmervertreter, die geschlossen auf Neumanns Seite standen, konnten ihrem Chef nicht helfen. Die Skepsis und die Empörung der Schaefflers war zu groß, sie misstrauten sowohl Neumanns Konzept als auch seiner Person.
Die Zukunftsstrategie von Conti ist nun unklarer denn je. Für viele in der Branche galt Neumann als unentbehrlich, vor allem seit Finanzvorstand Alain Hippe das Unternehmen verlassen hatte und sein Aufgabenbereich von Neumann mit übernommen wurde. Einst erfolgsverwöhnt, kämpft der Konzern heute mit Milliardenschulden und hat sich deshalb einen rigiden Sparkurs verordnet. Rund 9000 Mitarbeiter mussten gehen, Werke geschlossen werden.
- Datum 31.07.2009 - 07:29 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, kg, dpa, Reuters
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den Widerspruch zwischen diesem Artikel und denen der SZ von heute, nämlich http://www.sueddeutsche.d... und http://www.sueddeutsche.d... aufzulösen? Der Link zur SZ im Artikel führt im übrigen nirgends hin, error/404.
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Es wird darum gebeten, Tatsachen zu unterdrücken, um die Meinungen nicht zu stören (Marco Travaglio)
weiter wursteln? Ein Plan B scheint es bei diesem Vorhaben ja nicht gegeben zu haben. Beide Kassen sind leer. Da gibt es für die Bänker ja nichts zu holen. Da es aber üblich ist in diesem Lande die Verluste zu sozialisieren, habe ich den Verdacht, dass das Rettungsmodell darin besteht den Steuerzahler mit ins Boot zu holen. Dagegen wäre das Hornberger Schiessen dann aber eine ordentlich geführte Veranstaltung.
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