Detektivarbeit Auf den Spuren der Ehebrecher

Seine Kunden zahlen viel Geld, damit er ihren Verdacht bestätigt: Mein Partner betrügt mich. Wie ein Detektiv auf den entscheidenden Beweis lauert.

Es ist kurz vor Mitternacht, als Jörg Behm plötzlich angespannt wirkt. Er schaut von seiner Zeitschrift auf, blickt durch die Lobby und fixiert eine blonde Frau, die gerade das Leipziger Hotel betreten hat. Der Klang ihrer Schuhabsätze hallt ihr hinterher, klick klack, klick klack. Während sie die Treppen hinauf in die erste Etage nimmt, legt Behm sein Magazin aus den Händen und erhebt sich aus dem braunen Ledersessel, in dem er zwei Stunden lang gewartet hat. Scheinbar in großer Ruhe, so als wäre er ein Hotelgast auf dem Weg in sein Zimmer, folgt er der Frau durch die mit schweren Teppichen ausgelegten Gänge. Als sie stehen bleibt und an einer Tür klopft, läuft er einfach an ihr vorbei.

Denn die Frau will in Zimmer Nummer 145 – und mehr braucht Behm gar nicht zu wissen. Was auch immer jetzt hinter dieser Tür geschieht, es sollte nicht geschehen, jedenfalls nicht, wenn es nach Behms Auftraggeberin geht. Die ist die Ehefrau des Mannes, der vor ein paar Stunden Nummer 145 bezogen hat und nun Besuch von der hochhackigen Schönen bekommt. Behm, den Privatdetektiv, hat die Ehefrau gebucht, weil sie schon ahnte, dass ihr Mann eine Affäre hat.

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Zwar leiden Frauen einer Studie des Berliner Psychologen Jens Asendorpf zufolge stärker unter Eifersucht, weil sie schon allein die emotionale, nichtsexuelle Untreue des Partners hart trifft. Aber eine andere Untersuchung von Ende 2008 zeigt, dass die Geschlechter so unterschiedlich dann doch wieder nicht sind: Nur 43 Prozent der Männer und 37 Prozent der Frauen würden demnach einen Seitensprung verzeihen. Kein Wunder, dass viele bei einem Verdacht unbedingt wissen wollen, ob der Partner fremdgegangen ist – manche gehen dann sogar so weit und engagieren einen Privatermittler wie Jörg Behm.

"Die wollen Beweise"

"Die kommen zu mir und wollen unbedingt einen Beweis. Die lassen erst locker, wenn sie ihn haben", erzählt der 52-Jährige. Er sitzt in seinem Büro, im Keller eines gelb gestrichenen Einfamilienhaus in Pankow. Seinen Kunden sei es am Anfang meist noch sichtlich unangenehm, einen Detektiv damit zu beauftragen, den Partner zu beschatten, sagt er. Sie klingeln an seiner Haustür, sehen mit Unbehagen um sich und hoffen, dass bald jemand öffnet. Behm führt sie dann in sein Kellerbüro, bietet ihnen einen gemütlichen Sessel an, stellt eine Tasse Kaffee vor sie auf den Couchtisch und lässt sie erzählen. In dieser Wohnzimmeratmosphäre schöpfen die meisten Kunden Vertrauen zu dem großen, sportlichen Mann mit der Halbglatze und der sonnengebräunten Haut.

"Ich komme mir dann manchmal vor wie ein Ehetherapeut", sagt Behm mit spöttischem Unterton. Gelernt hat er in den 19 Jahren, in denen er seine "Agentur für Beweissicherung" betreibt, vor allem eins: Dass die Beziehung eines Kunden in dem Moment, in dem sie oder er (es sind etwa so viele Männer wie Frauen) zu ihm kommt, meist schon unwiederbringlich kaputt ist – egal, was sich bei den Recherchen herausstellt. "Wenn das Vertrauen weg ist, ist es doch zu spät", sagt er. Schließlich hintergeht man seinen Partner nicht nur mit einem Seitensprung, sondern auch, wenn man einen Schnüffler auf ihn ansetzt.

Behm hat aber keine moralischen Bedenken, was seinen Job angeht. Ebenso wenig wie er glaubt, etwas besonders Gutes zu tun. "Warum jemand fremdgeht, geht mich nichts an", sagt er. Und: "Loyal bin ich nur meinen Kunden gegenüber. Die wollen Klarheit und ich bin froh, wenn ich sie ihnen geben kann."

Leser-Kommentare
    • ruemue
    • 28.09.2009 um 23:07 Uhr

    Ja, sehr authentisch der Bericht. Siehe auch http://www.detektivbüro.org/

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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