Neuer "Struwwelpeter" Suppenkaspars Gitarrensolo
Der Berliner Zeichner und Komiker Fil hat mit dem Comic-Künstler Atak das gruseligste Kinderbuch aller Zeiten neu interpretiert: den "Struwwelpeter". Da hatten wir mal ein paar Fragen.
ZEIT ONLINE: Sie haben gemeinsam mit dem Berliner Zeichner Atak eine neue Version des Struwwelpeters verfasst. Wie kam das?
Fil: Als Kind mochte ich den Struwwelpeter gar nicht. Dann habe ich aber bemerkt, dass es gar im Buch nicht um das Moralisierende geht. Heinrich Hoffmann hat sich für die damaligen Zeiten einen großen Spaß erlaubt. Seine Figuren sind wirklich stark. Eigentlich ist der Struwwelpeter eine Art Horrorbuch für Kinder. Wo gibt es sonst ein Kinderbuch, in dem ein Mädchen verbrennt und alle bluten und sterben? Eigentlich sollte es verboten werden (lacht). Stattdessen wird es immer noch gefeiert.
ZEIT ONLINE: Wie kann man da noch eins drauf setzen?
Fil: Das wollten wir gar nicht. Parodien über den Struwwelpeter gibt es tausende, den Hippie-Struwwelpeter, den Manga-Struwwelpeter. Wir wollten das unbedingt anders machen. Wir covern das Buch. Wie eine junge Band, die die Ramones covern will. Die würden nicht versuchen, sie zu parodieren. Also spielen sie die Songs nach und bauen vielleicht mal ein längeres Gitarrensolo rein. Man gibt dem Ganzen eine eigene Note – mit Respekt vor dem Original. So haben wir versucht, uns dem Struwwelpeter zu nähern. Ich habe in einer ähnlichen Sprache geschrieben, es kommen keine modernen Begriffe vor. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Reime im Vergleich zu Wilhelm Busch nicht besonders gut sind.
ZEIT ONLINE: Zum Beispiel diese Strophe aus dem Suppenkaspar: "Am nächsten Tag, ja sieh' nur her, da war er schon viel magerer."
Fil: Magerer! Ich finde das super! Das ist schnell geschrieben, deshalb hat es auch so viel Kraft. Wir haben in unserer Version daher auch versucht, mehr in die Tiefe der Charaktere zu gehen und Fragen zu beantworten, die das Original offen lässt. Zum Beispiel: Wie kann der Suppenkaspar sterben, wenn er fünf Tage nichts isst? Und warum steht eine Suppenschüssel auf seinem Grab?
ZEIT ONLINE: Ja, warum?
- Datum 06.08.2009 - 09:24 Uhr
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