Geburtenrate
Im Land der Kinderlosen
Die Bevölkerungsstatistik zeigt den Trend auf: Immer mehr Frauen in Deutschland verzichten auf Nachwuchs. Deutliche Unterschiede gibt es zwischen Ost und West

© Clemens Bilan/ ddp
Fehlende Betreuungsangebote - ein Grund für die niedrige Geburtenrate
Frauen in Deutschland bekommen immer weniger Kinder. Das geht aus dem Mikrozensusbericht zur Kinderlosigkeit hervor, den das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin vorstellte. Demnach haben 21 Prozent der 40- bis 44-Jährigen keine Kinder zur Welt gebracht, sagte der Präsident des Bundesamtes, Roderich Egeler. Dagegen seien unter den zehn Jahre älteren Frauen nur 16 Prozent und unter den zwanzig Jahre älteren Frauen 12 Prozent ohne Nachwuchs geblieben.
In der Kinderlosigkeit erkennt Egeler den Hauptgrund für den demografischen Wandel. Gleichzeitig geht auch die durchschnittliche Anzahl der Kinder pro Frau zurück. Weniger als zehn Prozent der Mütter zwischen 25 und 29 Jahren haben mehr als zwei Kinder auf die Welt gebracht. Bei den heute über 70-Jährigen waren es noch 40 Prozent. „Das wird Auswirkungen auf die nächsten Jahrzehnte haben, vor allem im sozialen Bereich“, sagte Egeler.
Der Mikrozensus zeigt außerdem, dass Frauen mit Migrationshintergrund seltener kinderlos sind. Nur 13 Prozent der Altersgruppe zwischen 35 und 44 Jahren bekam keine Kinder. 25 Prozent sind es hingegen bei gleichaltrigen Frauen ohne Migrationshintergrund. „Ob sich diese Differenz noch verringert, bleibt abzuwarten“, sagte Egeler. Gleichzeitig bekommen Frauen mit Migrationserfahrung auch mehr Kinder. Sie stellen heute etwa 30 Prozent aller Mütter in Deutschland.
Unterschiede bei der Kinderlosigkeit gibt es auch zwischen Ost- und Westdeutschen. Bei den 40- bis 44-jährigen Frauen bekamen in den neuen Ländern nur elf Prozent keinen Nachwuchs, in den alten Ländern sind es doppelt so viele. Zudem lassen sich Familie und Beruf im Osten leichter vereinbaren. Als Grund dafür gelten die besseren Betreuungsangebote, von denen vor allem Akademikerinnen profitieren. In Ostdeutschland verzichteten nur neun Prozent der über 40-Jährigen mit hoher Bildung auf Nachwuchs, während es im Westen 26 Prozent sind.
Wie es scheint, haben auch die Anstrengungen von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht vermocht, mehr Frauen zum Kinderkriegen zu ermutigen. „Die Zahlen dokumentieren, dass die Politik der vergangenen Jahrzehnte zu zögerlich auf sich ändernde Lebensverhältnisse reagiert hat“, gab Leyen zu. Sie hält die finanzielle Unterstützung der Eltern sowie den Ausbau der Kinderbetreuung für alternativlos.
Trotzdem will das Familienministerium nicht mehr Krippenplätze fördern als angekündigt. Durch die neuen Tarifabschlüsse und die Wirtschaftskrise ist in vielen Kommunen die Erhöhung der Kitaplätze finanziell infrage gestellt worden. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) forderte deshalb eine schnelle Verbesserung der Kinderbetreuung. Denn die sei „in einigen Regionen immer noch katastrophal“, sagte Scholz der Nachrichtenagentur epd.
Für die Studie hatte das Statistische Bundesamt Frauen im Alter zwischen 16 und 75 Jahren befragt. „Für vor 1959 geborene Frauen, die 2008 älter als 50 Jahre waren, gilt die endgültige durchschnittliche Kinderzahl als erreicht“, erklärte Egeler. Vor allem die Daten der unter 35-Jährigen zeigen demnach nur eine Tendenz.
- Datum 30.7.2009 - 10:12 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 58
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Ich habe es immer noch nicht verstanden, warum es als Staatsziel erstrebenswert ist, die Bevölkerungszahlen zu halten. Sicher, die Sozialkassen werden durch einen höheren Anteil älterer Menschen stärker belastet, irgendeiner muss auch die anfallende Arbeit erledigen. Aber im Prinzip ist doch unser Deutschland immer noch sehr stark bevölkert. Und die Weltbevölkerung insgesamt ist immer noch sehr hoch (vor einigen Jahren hiess es ZU hoch).
Das soll jetzt nicht das Bemühen untergraben, etwas für Kinder zu tun, oder für Eltern. Es ist doch Zweck für sich, jungen Menschen zu helfen, und auch Eltern sollen nicht auf das Elternsein allein festgelegt werden.
Mich wundert nur bei dieser Art der Debatte immer wieder, dass von 'zu wenig Kindern' gesprochen wird, wenn wir immer noch mehr Energie/Rohstoffe verbrauchen, als wir mit der jetzigen Technologie für unsere Zwecke dauerhaft nutzbar machen können.
Also - jede Anstrengung für Familien, Kinder; die Herstellung von (größerer) Akzeptanz von arbeitenden Müttern; das Heranziehen von Vätern zur Erziehung; die vereinbarkeit von Familie und Beruf - das sind alles gute und wichtige Ziele. 'Mehr Kinder' oder die Angst vor dem 'Aussterben der Deutschen' sind völkische Schlagworte.
wird das Problem in dem zwangsweisen Rückbau unserer Infrastruktur liegen. Das gibt Schwierigkeiten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Der Ärztemangel in vielen ländlichen Gebieten ist hier nur der Anfang. Natürlich wäre es möglich, und auch durchaus vernünftig, unseren Bevölkerungsrückgang durch verstärkte und gesteuerte Zuwanderung auszugleichen.
Allerdings dürfte die bei uns entstehende Rentnerrepublik hierzu nicht in der Lage sein. Tatsächlich werden wir noch einige Zeit recht bequem von der Substanz leben können. Dabei ist vielen Menschen natürlich nicht bewusst, dass ein Supermarkt, in dem man immer so schön gleich an der Kasse drankommt, vermutlich demnächst zumachen wird. Die Bahn- oder Buslinie, bei der man selbst morgens um halb 8 immer einen Sitzplatz findet, steht vermutlich kurz vor der Ausdünnung, wenn nicht kompletten Einstellung.
Man sieht es bei uns in der Stadt deutlich: Dieselben Leute, die jegliches Wachstum verdammen und alles tun, damit sich die Gemeinde nicht weiter entwickelt, sind die ersten die protestieren, wenn mal wieder eine Schule oder eine Bibliothekszweigstelle geschlossen werden muss. Na, was glauben die denn wohl, wie das zusammenhängt ?
Nein, ich glaube euren Statistiken nicht mehr. Ihr bewesit diese nicht. Gebt mir einen Beweis. Den benötige ich dringend. Eure Titel als Bewesi? Dass ich nicht lache! Wenn ich meine Wohnung verlasse und auf die Straße gehe, sehe ich ständig Kinder und Frauen, die schwanger sind. So auch meine Freundin. Einen Kinderkrippeplatz zu bekommen ist schwer, weil die KITAS voll sind. Keine Kinder? Dempgraphischer Wandel? Wer nicht in der Lage ist, seinen gesunden Menschenverstand zu gebrauchen, entspricht seinem Titel nicht.
(entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) Wir glauben euren Fehlberechnungen nicht mehr, die so weit am Leben vorbei gehen, dass einem schlecht werden kann wenn man bedenkt, was ihr für soclhe stumpfsinnigen Statistiken für Gehälter bekommt.
ob Sie Ihre Beobachtungen im westlichen oder im östlichen Teil Deutschlands machen?
Sie dürfen das Aussterben der Deutschen gerne selbst nachrechnen:
Eine deutsche Frau hat im Schnitt 1,4 Kinder, also 0,7 Mädchen. D.h. 100 Frauen haben 70 Töchter, 49 Enkelinnen, 34 Urenkelinnen usw.
Das ist wie der Zinseszins-Effekt, nur in die andere Richtung.
Aber der Mathematik glauben Sie auch nicht, gelle?
Wer Kinder bekommt, hat eingeschränkte Karrierechancen, deutliche Mehrkosten, deutlich mehr Stress.
Ohne Kinder geht es mit der Karriere besser voran, ist das Einkommen höher, gibt es deshalb später mehr Rente.
Also Kinder kriegen, damit die eigenen Kindern den kinderlosen Besserverdienern später die Rente finantieren ?
Wie dumm soll man sein ?
Ich gehe ja mal davon aus, dass das alles ironisch gemeint war.
Ansonsten: Jeder, wie er will. Und wer Kinder in erster Linie als Kosten- und Stressfaktor sieht, sollte tatsächlich lieber die Finger vom Kinderkriegen lassen. Aber dann bitte auch nicht auf dem Sterbebett rumflennen, dass keiner einen lieb hatte. Gut, man kann sich von der ganzen Kohle, die man dann gehortet hat, vielleicht madonna- oder michaeljacksonmäßig noch ein paar Kinder zusammenkaufen.
Zum Artikel: Wenn folgender Artikel aus der Zeit noch stimmt, dann ist auch die neue Studie auch wieder eher fragwürdig.
http://www.zeit.de/2006/2...
haben Sie sicherlich absolut Recht. Außer Krankheit gibt es wohl kein größeres Risiko als Kinder, finanziell abzusteigen. Immerhin hat die Natur jedoch noch einige Aspekte mehr eingebaut, weswegen ein Leben mit Kindern das eigene Leben bereichert und sich Glück alleine nicht am Wohlstand messen lässt. Das mal so am Rande.
Wer nur auf Kohle scharf ist soll eben keine Kinder bekommen. Als Vater von einer einjährigen Tochter kann ich aber sagen, dass Kinder toller sind und sich mit keinem Geld der Welt aufwiegen lassen....
hortet doch das Geld wenn ihr wollt, wahrer Reichtum sieht anders aus.....
Das es (nur) die Frauen sind die auf Kinder verzichten will ich mal nicht einfach so im Raum stehen lassen.
Auch Männer verzichten.
solange familiengründung bedeutet, sich finanziell anhängig zu machen und die gefahr vorhanden ist im falle einer trennung , auf harz 4 zu landen, ist das verhalten der damen nur verständlich.
"Immer mehr Frauen verzichten auf Nachwuchs"
Die neun Monate Schwangerschaft fallen bei einer Betreuungszeit von 20 - 30 Jahren (je nach Ausbildung und Lebenslauf des Kindes) und einer üblicherweise lebenslangen Beziehung wohl kaum ins Gewicht.
Warum ist dann immer nur von Frauen, die Verzichten, die Rede?
Ich würde mich freuen, wenn in der ZEIT diese latente Misandrie langsam ein Ende findet!
Was seid ihr Deutschen so egozentrisch?! Fängt das Leben erst dort an, wo man auf die eigene Bequelichkeit verzichtet und für andere da ist, das eigene Ego vergisst? Ich selbst jedenfalls habe diese Erfahrung gemacht.
wird das Problem in dem zwangsweisen Rückbau unserer Infrastruktur liegen. Das gibt Schwierigkeiten, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Der Ärztemangel in vielen ländlichen Gebieten ist hier nur der Anfang. Natürlich wäre es möglich, und auch durchaus vernünftig, unseren Bevölkerungsrückgang durch verstärkte und gesteuerte Zuwanderung auszugleichen.
Allerdings dürfte die bei uns entstehende Rentnerrepublik hierzu nicht in der Lage sein. Tatsächlich werden wir noch einige Zeit recht bequem von der Substanz leben können. Dabei ist vielen Menschen natürlich nicht bewusst, dass ein Supermarkt, in dem man immer so schön gleich an der Kasse drankommt, vermutlich demnächst zumachen wird. Die Bahn- oder Buslinie, bei der man selbst morgens um halb 8 immer einen Sitzplatz findet, steht vermutlich kurz vor der Ausdünnung, wenn nicht kompletten Einstellung.
Man sieht es bei uns in der Stadt deutlich: Dieselben Leute, die jegliches Wachstum verdammen und alles tun, damit sich die Gemeinde nicht weiter entwickelt, sind die ersten die protestieren, wenn mal wieder eine Schule oder eine Bibliothekszweigstelle geschlossen werden muss. Na, was glauben die denn wohl, wie das zusammenhängt ?
... verstärkte und gesteuerte Zuwanderung ...
(entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion/jk)
- - - - - - - - -
"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
... verstärkte und gesteuerte Zuwanderung ...
(entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion/jk)
- - - - - - - - -
"Aristoteles war kein Belgier. Die Hauptbotschaft des Buddhismus lautet nicht: 'Jeder kämpft für sich selbst'. Und die Londoner Untergrundbahn ist keine politische Bewegung."
A Fish called Wanda
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren