Am Montagabend kam die Bestätigung: Ein Sprecher der EU-Operation Atalanta sagte, der Frachter Hansa Stavanger habe nach der Zahlung von Lösegeld seinen Ankerplatz bei der Küstenstadt Haradhere verlassen und fahre nun Richtung Norden. Das vor rund vier Monaten von somalischen Piraten gekaperte Schiff werde von Kriegsschiffen aus EU-Staaten begleitet. An Bord des Schiffes sind fünf Deutsche – darunter ein 19-jähriger Auszubildender –, drei Russen, zwei Ukrainier, 14 Philippiner, ein nautischer Offizier und der Kapitän.

Die Freilassung war erwartet worden, nachdem den somalischen Piraten zuvor Lösegeld – die Rede ist von 2,1 Millionen Euro – übergeben worden war. Auch die gegen Piraten gerichtete EU-Operation Atalanta bestätigte die Übergabe des Lösegeldes. Die Summe sei am Vormittag von einem kleinen Flugzeug über dem Frachter abgeworfen worden.

Die Bundesregierung reagierte erleichtert auf die Nachricht von dem glücklichen Ende der Entführung. Den Besatzungsmitgliedern gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Eigentlich sollte das Schiff schon Ende letzter Woche freikommen. Angeblich versuchten die Piraten dann noch einmal, das Lösegeld in die Höhe zu treiben. Am Montag wurde dann doch die ursprünglich vereinbarte Summe akzeptiert.

Zuvor hatten der Verband deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere sowie die Ehefrau des Kapitäns den Eigentümer, die Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, kritisiert. Die Situation an Bord sei sehr ernst, es herrsche Wassermangel, Besatzungsmitglieder seien erkrankt. Dies gehe aus Telefongesprächen und E-Mails mit den Angehörigen hervor, die die Entführten unter Aufsicht der Piraten verfasst hätten.

Das 20.000 Tonnen große Containerschiff Hansa Stavanger war am 4. April 400 Seemeilen von Somalia entfernt – zwischen Kenia und den Seychellen – gekapert worden. Um die Freilassung des Schiffes hatte sich ein Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemüht. Ein Versuch, die Seeleute mit Hilfe der Polizei-Sondereinheit GSG 9 zu befreien, war kurz vor Beginn der Aktion abgebrochen worden.