Autoindustrie "Die Verhandlungen um Opel sind völlig intransparent"
Die Bundesregierung hat bei der Rettung von Opel versagt, kritisiert der IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild im Interview. Die Politik gefährde tausende Arbeitsplätze
ZEIT ONLINE: Herr Schild, warum agitieren sie eigentlich so heftig für den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna als Käufer für Opel?
Schild: Wir agitieren nicht. Magna ist einfach die beste Option unter den Verfügbaren. Ein wirklicher Wunsch-Kandidat ist dieser Investor nicht.
ZEIT ONLINE: Sollte es nicht eher um eine dauerhaft tragfähige Lösung für Opel gehen – statt um die Wünsche der IG Metall?
Schild: Oberstes Ziel der IG Metall ist eine dauerhaft tragfähige Lösung. Es geht darum, Opel auf eigene Beine zu stellen, so dass das Unternehmen binnen drei bis fünf Jahren wieder Gewinne schreibt. Beide Ziele lassen sich mit Magna verwirklichen.
ZEIT ONLINE: Warum nicht mit RHJ, dem europäischen Ableger der Private-Equity-Firma Ripplewood?
Schild: Weil dieser Investor kein eigenständiges industrielles Konzept hat. Opel braucht neben GM einen weiteren strategischen Partner. Das ist nötig, will man angemessen auf die Strukturumbrüche in der weltweiten Autoindustrie reagieren. Es kann doch nicht sein, dass sich auf dem großen Schachbrett alle neu aufstellen und GM mit Teilen der Treuhand und der Bundesregierung so tut, als könne man Opel an irgendeinen Finanzinvestor aus Belgien zu verscherbeln. Das ist dummes Zeug.
ZEIT ONLINE: GM aber steht Magna skeptisch gegenüber. In Detroit fürchtet man, dass Teile der Opel-Patente nach Russland abwandern. Läuft das Ganze nicht auf einen unauflösbaren Konflikt hinaus?
Schild: Die Lage ist verfahren, stimmt. Schuld daran trägt vor allem die deutsche Regierung, deren Rettungsaktion von Anfang an verkorkst war. Das hat bei der langwierigen Debatte begonnen, ob man Opel überhaupt helfen sollte und hat sich bei der Auswahl der Bieter fortgesetzt. Kein strategischer Investor konnte sich bewerben, ohne Gefahr zu laufen, sofort in den Medien zu landen. Das war vielleicht populär, aber es war kein Gesellen- und erst recht kein Meisterstück deutscher Wirtschaftspolitik.
ZEIT ONLINE: Besonders heftig kritisieren die Arbeitnehmervertreter seit Monaten den Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Ist der Argwohn nicht ein wenig übertrieben?
Schild: Nein. Der Wirtschaftsminister spielt seit dem Beginn der Rettungsaktion sein eigenes Spiel. Das hat er ja auch gelegentlich öffentlich gesagt. Sicher ist, dass er Opel mit seinem wiederholten Gerede über eine Insolvenz schwer geschadet hat.
ZEIT ONLINE: Beim Volk hat ihn das beliebt gemacht.
Schild: Mag sein. Aber hier geht es nicht um Popularität, sondern um das Schicksal realer Menschen: Hans Müller in Rüsselsheim, Klaus Meier in Bochum. Das sind Leute, die ihren Job verlieren, wenn das Unternehmen in die Insolvenz geht. Wir haben das Szenario selbst schon durchgespielt, wir wissen, was dann passiert. Es wäre die brutalstmögliche Vernichtung von Arbeitsplätzen bei Opel und das Ende für drei der vier Standorte hierzulande. Was ist denn damit gewonnen, wenn Opel am Ende in chinesischer Hand ist und vielleicht noch 3500 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt? Alle, die neunmalklug über eine Insolvenz herumphilosophieren, sollten sagen, welche Garantien sie bei einer Insolvenz abgeben können, damit es dazu nicht kommt.
- Datum 31.07.2009 - 16:34 Uhr
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Anstatt von Anfang an mit der Eigentümerfirma GM in Detroit zu verhandeln, agierte Guttenberg hinter deren Rücken, reiste stattdessen auf Steuerzahlerkosten zu seinen Gesprächspartnern nach Washington, und machte rein zum Vergnügen auch noch einen Abstecher nach New York. Dabei war der ignorierte Chef von GM kein anderer als Fritz Henderson, einstiger Chef von Opel, der die deutschen Fabriken besser kennt als Guttenberg.
Danach folgte der nächtliche Spuk im Kanzleramt, der Fiat bereits ausreichte, um völlig auszusteigen. Weit entfernt von "neutral", versprach Angela Merkel Herrn Medvedew persönlich die Firma Opel und entschied, dass Gelder der deutschen Steuerzahler nur für die Russen, nicht aber für die Belgier oder Chinesen gezahlt würden. Vier Treuhänder waren ernannt worden, die die endgültige Entscheidung treffen sollten. Am Stichtag entschieden sich alle vier einstimmig für RJH und gegen die Russen. Dann erst ging das Theater hinter der Szene los, denn dies hatte man in Berlin nicht erwartet.
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