Iran 50 Demonstranten in Teheran festgenommen

Mit Gewalt sind Polizisten gegen tausende iranische Oppositionsanhänger vorgegangen. Sie wollten trotz Verbots der Opfer der letzten Proteste gegen die Regierung gedenken

Bei den Protesten gegen den umstrittenen Wahlsieg des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad in Teheran sind 50 Oppositionsanhänger festgenommen worden. Das berichtete die halbamtliche Nachrichtenagentur ILNA. Die meisten der Festgenommenen seien später allerdings wieder freigelassen worden, sagte der Teheraner Polizeichef Asisollah Radschabsadeh.

Am Nachmittag hatten sich zunächst Hunderte Trauernde trotz eines Verbots der Revolutionsgarden auf dem Teheraner Behescht-E-Sahra-Friedhof versammelt. Sie fanden sich am Grab von Neda Agha-Soltan ein. Die junge Frau war am 20. Juni bei Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad getötet worden. Ihr Tod wurde zum Symbol der Protestbewegung und löste auch international Bestürzung aus. Der Tod der 26 Jahre alten Neda war mit Handykameras aufgenommen und anschließend im Internet verbreitet worden. Die Bilder von ihrem Tod gingen um die Welt. Die genauen Umstände ihres Todes sind weiter ungeklärt.

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Dutzende schwer bewaffnete Sicherheitskräfte versuchten, die Menge am Friedhof auseinanderzutreiben, wie ein Augenzeuge sagte. Die Polizei ging mit Tränengas und Knüppeln gegen Demonstranten vor. Auch Oppositionsführer Mussawi sei unmittelbar nach seiner Ankunft am Friedhof von der Polizei gezwungen worden, das Gelände zu verlassen. Die anderen Trauernden zogen sich danach in kleinen Gruppen zurück.

Später marschierten Hunderte Demonstranten zu einem zentralen Gebetsplatz im Zentrum der Hauptstadt, an dem schon Bereitschaftspolizisten aufgezogen waren. Eine Versammlung war dort verboten worden. Die Polizisten versuchten offenbar, die Demonstranten abzudrängen. In mehreren Straßen kam es nach Berichten von Augenzeugen zu gewaltsamen Übergriffen. Einige Demonstranten hätten Papierkörbe und Müllcontainer angezündet.

Am Abend versammelten sich kleinere Gruppen von Demonstranten in mehreren Stadtteilen Teherans. Sie riefen "Tod den Diktatoren" und "Unabhängigkeit, Freiheit, Iranische Republik". Dabei übernahmen sie einen Slogan der Revolution von 1979, ersetzten aber den Begriff "Islamische Republik" durch "Iranische Republik". Nach Einbruch der Dunkelheit riefen wieder zahlreiche Iraner "Gott ist der Größte" von Balkons und Dächern auch dies in Anlehnung an die Revolution vor 30 Jahren.

Die USA kritisierten den Einsatz von Gewalt. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ian Kelly, sagte in Washington: "Es ist besonders verstörend, wenn Sicherheitskräfte Gewalt anwenden, um eine Kundgebung auf einem Friedhof aufzulösen." Die USA stünden an der Seite des iranischen Volkes, das sein universelles Recht auf Meinungsäußerung ausübe.
 

Widerstand trotz staatlicher Repression ungebrochen

Die Proteste zeigten, dass der Widerstand gegen die iranische Führung trotz des gewaltsamen Vorgehens der Sicherheitskräfte und zahlreicher Festnahmen ungebrochen ist. Die Versammlungsverbote haben die Menschen nicht davon abgehalten, zum Gedenken an die Todesopfer zusammen zu kommen.

Leser-Kommentare
  1. Ich bewundere diese Menschen, die ihr Leben und das Leben ihre Familie für Freiheit und Demokratie riskieren und ich schäme mich, weil ich mich zum Demonstrieren nie auf die Strassen getraut hätte, wenn ich jetzt dort wäre. Vielleicht empfinden es vieler Iraner dort ebenso. Aber es findet zurzeit eine Veränderung statt, die Hoffnung macht.

  2. Gibt es in Deutschland zwar nicht, aber trotzdem werden Knüppel, Wasserwerfer und Spezialeinheiten gegen Demonstraten eingesetzt.

    Natürlich sind in Deutschland die Protestierer die Provokateure, auch wenn sie von der Polizei eingekesselt werden und trotz Aufforderungen nicht aus dem Kessel herauskommen.

    Proteste in Deutschland fordern Totalitarismus und Unterwerfung, aber auf keinen Fall Freiheit und richtige Demokratie, deshalb wohl auch die Personenidentifizierung und biometrische Erkennung.

    Ich sehe nur eins: Auf dieser Welt gibt es nur noch Demokratien, solange diese die Wahlergebnisse produzieren, die den Mächtigen gefallen - alles andere wird zum Unrechtssystem.

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