Iran EU gibt Ahmadineschad die Ehre

Mahmud Ahmadineschad hat vor dem Parlament in Teheran den Amtseid abgelegt. Die EU nahm an der feierlichen Zeremonie teil – was scharfe Kritik hervorgerufen hat

Der oberste Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte die Wiederwahl Ahmadineschads erst am Montag bestätigt. Nach der Wahl vor knapp acht Wochen war es zu schweren Ausschreitungen in Iran gekommen. Dem Regime wird vorgeworfen, die Wahl manipuliert zu haben. Der alte und neue Präsident muss nun binnen zwei Wochen sein neues Kabinett präsentieren.

An der Vereidigung hat die EU in Person des schwedischen Botschafters teilgenommen. Schweden hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Die Teilnahme war umstritten. Der außenpolitische Sprecher der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europaparlament, Elmar Brok (CDU), hatte die schwedische EU-Ratspräsidentschaft in der Neuen Osnabrücker Zeitung aufgefordert, von einer Teilnahme abzusehen.

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Die Europäische Union habe stets eine Neuauszählung der Stimmen und Neuwahlen gefordert. Außerdem habe man die Niederschlagung der Proteste scharf verurteilt. "Wir dürfen deshalb nicht als Europäer durch eine Teilnahme an der Zeremonie den Eindruck erwecken, wir würden die Wahl Ahmadineschads im Nachhinein legitimieren", so Brok. "Wir werden mit Ahmadineschad als Präsident leider arbeiten müssen, wir müssen aber nicht mit ihm feiern."

Der außenpolitische Sprecher der Union im Bundestag, Eckart von Klaeden, sagte der Zeitung, es wäre gut, wenn die schwedische EU-Ratspräsidentschaft dem Beispiel der meisten EU-Mitgliedsstaaten folgen und nicht ihren Botschafter zu der Zeremonie schicken würde. Europa sollte in seiner Missbilligung der gefälschten Wahl und der Unterdrückung der Opposition geschlossen auftreten, forderte von Klaeden.

Das Auswärtige Amt bestätigte vor der Ablegung des Amtseides durch Ahmedineschad NOZ-Informationen, wonach auch Deutschland an der Zeremonie in Teheran teilnehmen wird. Man werde aber nur durch einen "niederrangigen Beamten als Beobachter" vertreten sein, sagte ein Sprecher in Berlin.

Die Nachrichtenagentur Irna berichtete am Dienstag, dass Ahmadineschad die Regierung umbilden und Außenminister Manutschehr Mottaki ersetzen will. Nachfolger Mottakis soll einer der beiden Vizepräsidenten, Parwis Dawudi oder Ahmad Mussawi, werden. Ahmadineschad hatte in der Vergangenheit mehrmals betont, Iran wolle in den nächsten vier Jahren einen härteren Kurs in der Außenpolitik einschlagen, vor allem was das international
umstrittene Atomprogramm angeht.

Ahmadineschad hatte am Montag erneut westliche Regierungen dafür verantwortlich gemacht, dass es nach der Präsidentschaftswahl zu Massendemonstrationen in Iran gekommen ist. Dabei waren in den vergangenen Wochen mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen.

Leser-Kommentare
  1. So, so, da wird also in der international viel beachteten Neuen Osnabrücker Zeitung Deutschlands Kritik an schwedischem Handeln veröffentlicht. Volk beruhigt - Pflicht erfüllt.
    Gleichzeitig hält ein "niederrangiger Beamter" durch Anwesenheit bei der zweiten Inthronisierung Ahmadinedschads schützend die Hand über die wirtschaftlichen Bande, welche den Iran und Deutschland seit langem verknüpfen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

  2. Ich kann es einfach nicht glauben, dass die EU an den Feierlichkeiten teilnimmt. Auch Deutschland schickt einen "niederrangigen Beamten als Beobachter" hin. Es ist Ahmadinejad und co doch völlig egal wer aus welcher Position kommt, hauptsache er kann später behaupten, dass die ganze Welt sich für ihn freut und ihn akzeptiert.
    Wovor haben denn die EU und somit auch Deutschland Angst? Das junge iranische Volk braucht euch jetzt!

    Was wird jetzt aus dem Iran? Was ist denn mit den Zwangsgeständnissen und Schauprozessen? Was ist mit den tausenden, die festgenommen und in iranischen Gefängnissen unter Folter sind? Was ist denn mit Neda, Sohrab und Mostafa, die kaltblütig ermordert sind? Nichts! Nichts ist mit ihnen! Es war alles für die Katz!

  3. Der Sha, Saddam Hussein, G.W.Bush, Gaddafi, Pinochet, Stroesser, Idi Amin, Marcos, Balthazar Johannes Vorster, die Liste könnte ich auf ewig verlängern.
    Was macht da ein weiteres illegales Staatsoberhaupt aus, das vom Westen akzeptiert wird?
    Vorallem wenn hinter ihm 10% des auf der Welt verfügbaren Erdöls liegen?

  4. So wird das nie etwas mit der Außenpolitik zum Iran. Die EU geht doch nur auf Kuschelkurs weil sie befürchten, dass der Iran dann sein Atomprogramm verschärft. Und die Iraner?

    Die lachen sich doch über uns kaputt. Leere Drohungen und Unterwerfung. Das ist doch noch ein Grund für den Iran weiter zu machen.

    Was muss der Iran noch alles unternehmen, dass die EU mal endlich handelt?
    Der Iran hält am Atomprogramm weiter fest, schlägt sämtliche Proteste brutal nieder und inhaftiert noch mal eben so ein paar ausländische Botschafter! Und jetzt schüttelt die EU Ahmadineschad fröhlich und gratuliert ihm zum Wahlsieg?

    Und die ganzen Protestanten, die noch im Gefängnis sitzen sind jetzt auch aufeinmal auf sich alleingestellt.

  5. Dumm gelaufen für die europäischen Regierungen: während sie pflichtschuldigst keine Glückwünsche senden und sich ansonsten tunlichst um Beschwichtigung bemühen, fällt den Unternehmen aus eben jenen Staaten, die das Unterdrückerregime sogleich anstandslos anerkannt haben, ein iranischer Milliardenauftrag nach dem anderen in den Schoß.

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    Wenn die EU Milliardengeschaefte mit Saudi Arabien , Lybien und anderen despotischen Laender macht , warum dann auch nicht mit dem Iran.
    Geld stinkt bekanntlich nicht , und der Handel der EU mit dem Iran betraegt uber 21 Mrd. USD.
    So wie man Ahmadineajd kennt , pfeift er wahrscheinlich darauf , ob Frau Merkel , order Sarkozy ihm gratulieren .
    http://www.dihkev.de/news...

    Wenn die EU Milliardengeschaefte mit Saudi Arabien , Lybien und anderen despotischen Laender macht , warum dann auch nicht mit dem Iran.
    Geld stinkt bekanntlich nicht , und der Handel der EU mit dem Iran betraegt uber 21 Mrd. USD.
    So wie man Ahmadineajd kennt , pfeift er wahrscheinlich darauf , ob Frau Merkel , order Sarkozy ihm gratulieren .
    http://www.dihkev.de/news...

    • gorgo
    • 05.08.2009 um 9:26 Uhr

    Gibt es nicht jemand, der eine Homepage einrichten kann, auf der Europäer/inn/en sich von dieser jämmerlichen Politik distanzieren können?

  6. Was will man auch anderes erwarten wenn man mit rückgratlosen Berufspolitikern gestraft ist ?

  7. Herzlichen Glückwunsch Herr Ahmadinejad zur Ihrer mit Blut besiegelten Präsidentschaft. Die EU gratuliert Ihnen herzlichst insbes. zu Ihren Gereultaten. Sie dürfen ruhig weiter foltern und ermorden, hauptsache unsere wirtschaftliche Interessen:

    http://www.spiegel.de/wir...

    bleiben bewahrt. Wir werden auch unsere Journalisten schön zurückhalten, wenn Sie Minderjährige und Homosexuelle (die es eigentlich im Iran gar nicht gibt) öffentlich hinrichten lassen.

    Weiter so, herzlichen Glückwunsch, hauptsache das Geld stimmt.

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