Afghanistan Rakete trifft Diplomatenviertel in Kabul
Rund zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl sind acht Raketen in Kabul explodiert. Eine traf das Diplomatenviertel, wo sich auch die deutsche Botschaft befindet
In Afghanistan griffen Aufständische die Hauptstadt Kabul am frühen Morgen mit Raketen an. Insgesamt detonierten acht Geschosse in verschiedenen Vierteln der Stadt. Ein Kind und ein Mann sind bei dem Angriff am frühen Morgen verletzt worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Samari Baschari. Eine neunte Rakete entdeckte und entschärfte die Polizei später am Abschussort nordöstlich Kabuls.
Anscheinend steht der Angriff im Zusammenhang mit der am 20. August stattfindenden Präsidentschaftswahl in Afghanistan. "Wir haben erwartet, dass die Feinde vor den Wahlen Anschläge verüben würden, um den Wahlprozess zu stören," sagte Baschari. Die radikal-islamischen Taliban riefen außerdem zum Boykott der Wahl auf.
Der Beschuss am Dienstag war der schwerste Raketenangriff auf Kabul seit Jahren. Die Polizei meldete, eine der Raketen sei im Diplomatenviertel Wasir Akbar Khan im Herzen der Stadt eingeschlagen. Dort sind unter anderem die deutsche, die amerikanische, die britische und die französische Botschaft sowie die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) untergebracht. Auch das Hauptquartier der Internationalen Schutztruppe Isaf liegt in dem Viertel. Weitere Raketen landeten den Angaben zufolge in der Nähe des Internationalen Flughafens, im Zentrum sowie am Rande der Stadt, wo sich weitere Militärbasen befinden.
Bereits vor der Präsidentschaftswahl 2004 verübten die Taliban mehrere Raketenangriffe auf die Hauptstadt. Diese Attacken waren in den vergangenen Jahren jedoch abgeflaut. In letzter Zeit hat die Zahl der Anschläge aber wieder zugenommen. Die Aufständischen verwenden in der Regel 107-Millimeter-Raketen, die verhältnismäßig klein und kaum zielgenau sind. Sie richten meist keine großen Schäden an und dienen vor allem der psychologischen Einschüchterung.
Während des Bürgerkrieges in den neunziger Jahren hatten die verschiedenen Mudschaheddin-Fraktionen in Kabul weitaus stärkere Raketen eingesetzt und große Teile der Hauptstadt weitgehend zerstört.
- Datum 04.08.2009 - 10:10 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tos
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