Einkaufen in London Maniküre zwischen Kleiderstangen

Früher eignete sich London nur zum Schaufensterbummel. Heute kann man wirklich einkaufen. Und stellt dabei fest, dass Briten Luxus völlig unverkrampft sehen

Mit vollen Tüten in den Doppeldecker. Die "großen Roten" verkehren in London zuverlässig

Mit vollen Tüten in den Doppeldecker. Die "großen Roten" verkehren in London zuverlässig

Es war bestimmt nicht nur die Champagnerabteilung von Fortnum & Mason, die schon Charles Dickens und Winston Churchill für diese Londoner Institution eingenommen hat. Ebenso interessant ist nämlich die Kuchentheke in dem 302 Jahre alten Schmuckkästchen, das sie Kaufhaus nennen: Hier reihen sich feine Zitronentörtchen an Baiser-Makronen, winzige Pralinen in ihren gezackten Papierschürzen an massive glasierte Schokoladentorte. Und damit auch der weitsichtigste Gentleman erkennen kann, welches Süßgebäck er vor sich hat, klemmen in der Glasvitrine zwecks Vergrößerung der Delikatessen in Gold gefasste Lupen-Monokel.

Ums Window Shopping ging es in der britischen Hauptstadt ja schon immer. Aber neuerdings kann man sogar darüber nachdenken, aus dem liebenswert-exzentrischen Sortiment des altehrwürdigen Hauses am West End ein paar Tüten voller Orangenkonfitüre, Küchenschürzen und parfümiertem Briefpapier herauszutragen: Das britische Pfund steht gar nicht so schlecht, die Anreise ist günstig – und irgendwo gibt es immer Prozente.

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Während es beim königlichen Hoflieferanten Fortnum & Mason eher jenseitig zugeht, präsentiert das Departmentstore Liberty ein paar Blocks weiter modische Avantgarde. Hinein gelangt der Kunde durch den üppigen hauseigenen Blumenladen, erst dann eröffnet sich das komplette Paradies aus Cacharel, Lanvin, Paul Smith und Stella McCartney. Klangdesigner haben mehrere verschiedene Soundinseln pro Etage geschaffen, ja nach Thema der Oberbekleidung. Der Krise der großen Kaufhäuser treten sie hier mit dem offenkundigen Bekenntnis zum Luxus entgegen. Trotzdem kann sich hier jeder etwas leisten: Ganz oben unterm Dach gibt es eine richtige Kurzwarenabteilung mit Stickutensilien, Reißverschlüssen und seltenen Stoffen.

Von hier ist es ein schöner Spaziergang bis zur Jermyn Street, wo das nostalgische West End lebt. In der schmalen Gasse, wo einst Isaac Newton wohnte und heute eine große Unternehmensberatung ihr Hauptquartier hat, findet sich vieles, was Männer glücklich macht: Ein Herrenausstatter reiht sich an den nächsten. Heraus sticht der Barbershop Geo F. Trumper, der in dem kleinen Ladengeschäft seit 1875 residiert. Im Erdgeschoss gibt es Parfums, die noch nach Mann duften – im Keller die passende Messerrasur dazu. Den Duft des James-Bond-Erfinders Ian Fleming ausprobieren? Das dürfen in dem holzgetäfelten Rasierladen unter fast unmerklichem Widerstand des Personals auch Frauen – wenn sie vorsichtig nachfragen.

Am anderen Ende der Straße dreht sich ebenfalls alles um Düfte. In dem Käseladen Paxton & Whitfield verkaufen sie hinter beschlagenen Fensterscheiben vom Stinking Bishop bis zum Stilton alle Käsesorten, von denen Kenner nur träumen können. Und zu jedem Stück gibt es die passende Geschichte des umtriebigen Chefs Rhuaridh Buchanan gleich dazu: "Dieser hier ist von einem Bauern, der nur vier Kühe besitzt, dieser von der Farm des Blur-Bassisten Alex James." Kosten darf der Kunde alle, wovor er nicht zurückschreckt. Ziemlich verrückt: die Auswahl an Käsemessern, -brettern und -glocken im hinteren Teil des Geschäfts.

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