Bombenanschlag
Eta-Terroristen machen Mallorca unsicher
Ein Anschlag mit zwei Toten im Badeort Palmanova, eine weitere Bombe, die nicht zündet, Flughafen und Häfen dicht – der Eta-Terror hat die Ferieninsel Mallorca erreicht

© Jaime Reina/AFP/Getty Images
Terroranschlag in Palmanova: Eine Bombe – offenbar von der Eta – tötete zwei Polizisten
Mitten in der Hochsaison haben mutmaßliche Eta-Terroristen auf der spanischen Insel Mallorca einen Bombenanschlag verübt, zwei Beamte der paramilitärischen Guardia Civil getötet und mehrere Passanten verletzt. Das Attentat ereignete sich am Donnerstag im beliebten Badeort Palmanova, in dem Tausende von Urlaubern ihre Ferien verbringen und auch die spanische Königsfamilie ihre Sommerresidenz hat. Die Ermittler gehen deshalb davon aus, dass der Anschlagsort nicht zufällig ausgesucht wurde: Am Wochenende wollte König Juan Carlos und Königin Sofía den acht Kilometer entfernten Badeort Marivent-Palast besuchen.
Die Behörden haben keinen Zweifel daran, wer hinter dem Anschlag steckt. Ihrer Meinung nach wurde die Haftbombe am Boden des Polizeifahrzeugs von Mitgliedern der baskischen Terrororganisation Eta angebracht. Deren Gründung jährt sich am heutigen Freitag zum 50. Mal.
Pünktlich zu ihrem Jahrestag wollten die Terroristen offenbar auf perfide Art und Weise ein Fanal setzen. Wie schon oft in ihrer Historie versteckten sie eine zweite Bombe in einem parkenden Auto, die die Sicherheitskräfte neben dem bereits explodierten Wagen der Guardia Civil entdeckten. Wäre dieser Sprengsatz detoniert, hätte es sicherlich noch weitere Todesopfer gegeben – Polizisten, Sanitäter und Ermittler waren sofort zum Anschlagsort geeilt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur EFE wollten Sprengstoffexperten der Polizei die zweite Bombe noch am Abend mit einer "kontrollierten Sprengung" unschädlich machen.
Die Eta setzt in diesen Tagen offenbar gezielt auf die Mittel der Gewalt: Bereits am Vortag kam es zu einem ähnlichen Anschlag auf eine Polizeikaserne in der nordspanischen Stadt Burgos. Auch dahinter werden die baskischen Terroristen als Drahtzieher vermutet. Durch den Sprengsatz der 200-Kilo-Bombe wurden 65 Menschen verletzt, darunter auch Kinder.
Die mallorquinischen Behörden reagierten umgehend auf den Anschlag in Palmanova: Um ein Entkommen der Terroristen zu verhindern, leiteten sie die "Operation Käfig" ein und ordneten die vorübergehende Schließung des Flughafens und der Seehäfen an. Damit war der Flughafen Son Sant Joan – während der Feriensaison einer der Airports mit dem höchsten Passagieraufkommen in Europa – für fast zwei Stunden gesperrt, genauso wie die See- und Jachthäfen der Insel. Mallorca war von der Außenwelt praktisch abgeriegelt.
Für den europäischen Luftverkehr hatte dies trotz der nur relativ kurzen Zwangspause weitgehende Auswirkungen. Fast überall kam es zu massiven Verspätungen, viele Flugzeuge, die in Richtung Mallorca starten sollten, blieben in den Heimatländern zunächst am Boden, andere Maschinen, die bereits in der Luft waren, wurden umgeleitet. Besonders hart traf es die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, die in Palma ihr Drehkreuz mit zahlreichen Umsteigeverbindungen unterhält. Doch auch tausende Passagiere anderer Fluglinien waren betroffen, am Donnerstag war die Abfertigung von 660 Flugzeugen mit insgesamt 86.900 Fluggästen vorgesehen.
Nach der Öffnung des Flughafens am Donnerstaabend hat sich die Lage aber deutlich entspannt. Der Deutsche ReiseVerband (DRV) teilte mit, dass die deutschen Reiseveranstalter ihre Gäste auf Mallorca betreuen und die Reiseleitungen sie über den aktuellen Sachstand informieren. Da es auf Mallorca kein Nachtflugverbot gibt, hoffen die Fluggesellschaften die Verspätungen im Laufe der Nacht wieder aufholen zu können.
Nicht nur für Flug-, auch für Hotelgäste dürfte sich die Situation zusehends wieder beruhigen. Unmittelbar nach dem Anschlag durften zahlreiche Urlauber in Palmanova in der Nähe des Tatorts ihre Hotels vorübergehend nicht verlassen. Die Polizei hatte um den Ort der Explosion eine Sicherheitszone eingerichtet und das Betreten und Verlassen des Gebiets zeitweise untersagt. Diese Regelung wurde inzwischen aufgehoben und nur wenig weiter entfernt gab es überhaupt keine Auswirkungen. "Bei uns geht der Betrieb ganz normal weiter", berichtete am Nachmittag eine Mitarbeiterin des Empfangs im Hotel Comodoro Playa. "Unser Haus liegt ungefähr zehn Minuten vom Ort der Explosion entfernt. Die meisten Gäste sind bei 30 Grad am Strand."
Der Ort des Anschlags Palmanova auf der Insel Mallorca
In der Vergangenheit hatte die Eta auf der Ferieninsel im Mittelmeer bereits mehrere Anschläge verübt, dabei aber bislang keinen Menschen getötet. Im Jahr 1995 war die Organisation auf der Insel mit dem Vorhaben gescheitert, König Juan Carlos mit einem Präzisionsgewehr zu erschießen.
Die Eta begann ihren gewaltsamen Kampf für ein unabhängiges Baskenland im Norden Spaniens Ende der sechziger Jahre. Seither sind bei Anschlägen mehr als 825 Menschen ums Leben gekommen. In den vergangenen Monaten hatte die Organisation schwere Rückschläge hinnehmen müssen. Ihre Anführer wurden festgenommen, der politische Arm Batasuna (Einheit) und die Nachfolgeparteien für illegal erklärt. Dennoch geben sich die Terroristen nicht geschlagen. Erst riefen ehemalige Eta-Chefs aus der Haft dazu auf, die Organisation aufzulösen. Dann leitete die neue Führung einen "Prozess des Nachdenkens" über die künftige Strategie ein und hielt schließlich am Terror fest. Damit findet sie in Teilen der baskischen Bevölkerung einen gewissen Rückhalt: Etwa 15 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren hält den Terror für gerechtfertigt.
- Datum 31.7.2009 - 11:20 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 20
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Ein Revolutionär ist niemals ein Terrorist!
Es ist sehr schade, dass die ETA nur durch solche Aktionen überhaupt in den Medien erwähnt wird! Hintergrundinformationen gibt es natürlich keine. Wie so oft, wenn Menschen sich gegen das politische System des Kapitalismus, der parlamentarischen Demokratie, wehren.
Gewalt gegen Personen sollte kategorisch abgelehnt werden, da sie in der Regel die Falschen trifft.
Autonomie und echte Demokratie für das Baskenland!
wäre klar, dass die Eta schon lange mit Revolutuin nichts mehr am Hut hat. Auch wenn Sie Gewalt ablehnen finde ich ihren Kommentar nicht angebracht. Ich würde zwar auch etwas mehr Informationen über diesen Konflikt wünschen. Aber wo bitte ist der revolutuionäre Ansatz der ETA? Weder unterstützt sie ein nennenswerter Teil der baskischen Bevölkerung noch ist von einer Unterdrückung des baskischen Volkes zu sprechen die einen Kampf vielleicht legitimieren würde. Die Rechte die das Baskenland sich erkämpft hat kommen schon jetzt bald einer weitgehenden Selbstständigkeit gleich. Das hat doch mit Kapitalismuskritik nix zu tun. Die töten Zivilisten und Kinder ebenso wie Staatsanwälte, Polizisten und Richter. Das was sich heute als ETA bezeichnet ist ein Anachronismus unserer Zeit. Ihre Berechtigung ist schon seit langem verloren gegangen. Das hat vielmehr mit Mafia, Terror und organisiertem Verbrechen als mit Revolution, Kapitalismus- und Demokratiekritik zu tun.
ist ein System, gegen das man sich wehren sollte ? Was würden Sie den als politisches System bevorzugen ?
°^°
__
Bei Disputen gewinnt immer der Optimist (Hermann Hesse) *gg*
ist schon der Gewaltanwendung schuldig.
[...] wie soll das funktionieren mit ner 200 kilo haftbombe??? ham die das ding mit nem gabelstabler angebracht oder wie? die gesichter der polizisten hätt ich gern gesehen^^
[Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
In Deutschland und in Großbritannien stehen wichtige Parlamentswahlen an - und die Regierungen beider Länder 'kämpfen' gegen den Terrorismus. Hinzu kommt, dass die ETA ihre Anschläge in der Regel vorher telefonisch ankündigte. Wie man hier gleich auf die ETA kommt, ist mir absolut schleierhaft. Mich würde es nicht wundern, wenn sich die ETA in Kürze von dem Anschlag distanzierte. Was würde ihr auch solch ein Anschlag strategisch nützen? Mir fallen da andere ein, die aus dem Anschlag Profit schlagen könnten; und das Beispiel des Celler Lochs zeigt ja, was manche nicht so alles tun, um einen Wahlsieg herbei zu führen. Und ebenso gibt's ja auch noch den islamistischen Terrorismus... Wenn es aber Moslems waren, die da den Anschlag verübt haben, sehe ich große Probleme, denn schon heute können die gesellschaftlichen Spannungen zwischen Christen und Moslems in Europa nur mit allergrößter Mühe unter dem Deckel gehalten werden. Eine Explosion ist da vorprogrammiert.
Lieber sünnerklaas,
Sie schreiben: "Hinzu kommt, dass die ETA ihre Anschläge in der Regel vorher telefonisch ankündigte.".
Dazu sei gesagt:
Generell kündigt die ETA Attentate gegen zivile Ziele vorher an; Morde an Miltärs, Polizisten, Politikern und deren Familien und Köchen und Fahrern nicht.
Die Anschläge in Burgos und auf Mallorca gehörten zur zweiten Kategorie.
Würde also passen.
Außerdem würde passen, dass ETA durch polizeiliche Erfolge in Spanien und vor allem Frankreich mit dem Rücken zur Wand steht und somit ein Interesse hat, "Stärke" zu demonstrieren.
Und Al Qaida hätte sicherlich keine Polizisten ermordet, sondern Hotels in die Luft gesprengt.
Haftbombe = aktueller Vorfall in Portonova
200 kg-Bombe = in Burgos, letzter Vorfall bei der 65 Menschen verletzt wurden.
So lese ich das aus dem Text.
die Bilder vom TO Portonova legen vom Schadensbild eher max. 500 g Hochleistungssprengstoff nahe. Wobei der Motorblock offenbar einen Teil des Impulses adsorbiert hat.
Insgesamt ein bisher untypischer Ort für ETA, mal den KT Befund abwarten; dürfte schnell gehen wenn von Nr. 2 rechtzeitig eine Probe gezogen wurde.
Karl Müller
... wenn Spanien die Sache mit den Basken mal lösen würde. (Gleiches gilt natürlich für Israel und Palästina.)
Nur darauf zu warten, dass sich der andere totgekämpft hat, ist nicht sehr demokratisch. War nicht auch Spanien bis vor ein paar Jahren noch für Freiheit und Demokratie im Krieg?
In Deutschland war die Saarland- und die Elsaß-Frage schnell und demokratisch gelöst. Gut ich gebe zu, Deutschland war nicht in vergleichbarer Position wie Spanien oder Israel. Aber grundsätzlich ist es möglich, einfach die Leute entscheiden zu lassen, und sie nicht jahrzehntelang im Würgegriff zu halten, und sie zu verzweifelten Taten zu treiben.
Leider gibt es noch einen weiteren Unterschied zum Saarland und Elsass-Lothringen:
Es gibt keine oder maximal eine sehr sehr knappe Mehrheit für eine Unabhängigkeit des Baskenlandes oder gar Kataloniens von Spanien.
DIE Basken die alle die Unabhängigkeit fordern ist leider ein zu einfaches Bild der Welt. Man beachte auch, dass vor kurzem zum ersten Mal eine nicht baskisch-nationale Partei die Wahlen im Baskenland gewann und nun eine Koalition aus nicht nationalistischen Parteien regiert, was ein weitere Indiz dafür ist, dass sich das Baskenland beim besten Willen nicht im "Würgegriff" befindet sonder so lebt wie es die Mehrheit für richtig hält - in einer teilweisen Autonomie innerhalb des Spanischen Staates und innerhalb Europas.
der einzig gute Kommentar wird pol. korrekt ausgebuht....
Jaja, man sieht mal wieder was für geistig unabhängige 'Schäfchen' die Mehrheit der Zeitleser doch sind .
ICH LEBE HIER IN SPANIEN SCHON SEIT GERAUMER ZEIT UND KENNE DIE LAGE SICHER BESSER ALS IRGENDWELCHE AUSLÄNDISCHE NACHRICHTENKONSUMENTEN.
Baskisch ist eine Sprache die überhaupt nichts mit spanisch zu tun-
noch mit irgendeiner andern Sprache im übrigen,sie ist eine isolierte Sprache.
Die vorhergehende Regierung des Baskenlandes wollte eine Volksabstimmung über die Unabhängikeitsfrage lancieren.
Man hat sie als illegal hingestellt und die ETA hat gebombt- was die Basken-Regierung unter Etxebarria allerdings als VERRAT ihrer friedlichen Bemühungen bezeichnete und auf's schärfste verurteilte und zwar ehrlicherweise!.-
Die ETA sowie die IRA etc. sind ein Anachronismus, das ist klar und
darübner müssen wir nicht streiten
Elsass-Frage‹? Die Wahrheit ist: Die Elsässer wurden nie in demokratischer Form zu ihren Wünschen hinsichtlich ihrer staatlichen Organisation befragt. Der französische Staat bestreitet sogar explizit die Existenz einer deutschen Minderheit auf seinem Gebiet - so wie er auch die Existenz einer niederländischen Minderheit in der Region Dünkirchen, einer bretonischen Minderheit in der Bretagne und eben einer baskischen im französischen Baskenland bestreitet. Die Basken in Spanien hingegen haben volle kulturelle Autonomie. So gesehen bleibt Eta ein absurdes Phänomen. Und doch scheint, wieauchimmer in dieser Gemengenlage ab und an eine strategische Partnerschaft zwischen baskischen Regionalisten und politischen Kräften in den katalanischen Regionen Balearen, Katalonien und Valencia sichtbar zu werden. Dann nämlich, wenn es darum geht, vereint in der historischen Erinnerung an den kastilischen Imperialismus die Zuständigkeiten der Zentralregierung in Madrid zurückzudrängen. Dieses gemeinsame Interesse spräche gegen eine Urheberschaft von Eta bei dem jüngsten Anschlag auf den Balearen. Die Täter werden vermutlich bald ausfindig gemacht, dann werden wir sehen. Die Bemühungen, schon jetzt Eta zum Schuldigen zu machen, speist sich seitens der linken Medien natürlich vor allem aus dem Wunsch, vom islamischen Terrorismus abzulenken.
Leider gibt es noch einen weiteren Unterschied zum Saarland und Elsass-Lothringen:
Es gibt keine oder maximal eine sehr sehr knappe Mehrheit für eine Unabhängigkeit des Baskenlandes oder gar Kataloniens von Spanien.
DIE Basken die alle die Unabhängigkeit fordern ist leider ein zu einfaches Bild der Welt. Man beachte auch, dass vor kurzem zum ersten Mal eine nicht baskisch-nationale Partei die Wahlen im Baskenland gewann und nun eine Koalition aus nicht nationalistischen Parteien regiert, was ein weitere Indiz dafür ist, dass sich das Baskenland beim besten Willen nicht im "Würgegriff" befindet sonder so lebt wie es die Mehrheit für richtig hält - in einer teilweisen Autonomie innerhalb des Spanischen Staates und innerhalb Europas.
Die Mehrheiten wären bestimmt noch nie zustande gekommen, deshalb musste man auch die Basken auch nie fragen.
Und in Palästina ist es so, dass die gar nicht fähig wären einen Staat zu führen. Man schützt die Menschen doch nur vor sich selbst.
Womit bewiesen ist, dass in beiden Fällen Fragen nach demokratischen Regelungen unangemessen sind. Man sitzt es einfach aus.
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