Microsoft-Yahoo-Allianz Angriff auf Google – ein Aufstand der Zwerge

Eine Presseschau zur Attacke der Suchmaschinen auf Google. Der Tenor: Ein Aufstand der Zwerge, bei dem Microsoft profitiert und Yahoo einen verhängnisvollen Fehler macht

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Hinter der Suche von Yahoo steckt künftig Bing

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den Schulterschluss von Microsoft und Yahoo, von dem besonders das von Bill Gates gegründete Software-Imperium profitiere. Konzernchef Steve Ballmer könne seinen Karriereknick ausbügeln, während die Vormachtstellung von Google angekratzt werde. Yahoo indes wiederhole einen verhängnisvollen Fehler.

Die BusinessWeek sieht Microsoft als klaren Gewinner in der Allianz. Zwar überlasse der von Bill Gates aufgebaute Software-Konzern 88 Prozent der auf den Yahoo-Seiten eingespielten Werbeerlöse dem Partner; langfristig sei die "Belohnung" von Microsoft jedoch viel mehr wert: Die Daten von Suchen und Käufen der Kunden blieben auf den Rechnern von Microsoft und dienten dem Unternehmen dazu, relevante Anzeigen zu platzieren. Hinzu komme, dass die eigene Suchmaschine Bing einen Schub bekomme: Gemeinsam mit dem 20-Prozent Marktanteil von Yahoo bei der Suche sichere Bing seinen Platz als einzige Suchmaschine abseits von Google, die noch eine Rolle spiele.

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Aus der Sicht des Wall Street Journal ist die Allianz für Microsoft-Chef Steve Ballmer eine Chance, die größte Krise seiner Karriere zu beenden. In den vergangenen Jahren habe sich Microsoft zahlreiche Fehltritte geleistet: eine Niederlage beim Versuch, Yahoo ganz zu übernehmen; das neue Betriebssystem Vista sei wegen technischer Probleme angeprangert worden, während die Videospiel-Ambitionen durch Fehlfunktionen bei der eigenen Xbox 360-Konsole beinahe vereitelt worden seien. Zuletzt habe es jedoch bereits positive Signale gegeben: Die Test-Versionen des Betriebssystems Windows 7 ernteten Applaus, das Xbox-Geschäft werde wegen seiner Innovativität gelobt, gleiches gelte für die Suchmaschine Bing. Auch das Betriebsklima sei besser geworden.

Die Financial Times Deutschland meint, es müsse schlecht stehen um Yahoo, dass sich der Konzern auf dieses Geschäft eingelassen habe - nicht einen einzigen Dollar bekomme der einstige Internetpionier von seinem neuen Partner Microsoft auf die Hand. Dennoch habe der Deal Charme. Während Yahoo Zeit bekomme, sein Geschäftsmodell neu auszurichten, bringe eine größere Reichweite der Suchmaschine Bing für Microsoft die Chance, beim Verkauf von Suchanzeigen eine Konkurrenz zu Google aufzubauen. "Wenn ein Zwerg sich auf die Schultern des anderen stellt, kann er dem Riesen kräftig in die Kniekehlen schlagen."

All Things D, das Tech-Blog des Wall Street Journal, begrüßt die Tatsache, dass die Vormachtstellung von Google zumindest ein bisschen angekratzt werde. "Zwar hat Google bisher noch nicht die offensichtlich bedrohliche Aggression gezeigt, die Microsoft ausgestrahlt hat, als das Unternehmen die Tech-Branche (...) durch und durch dominiert hat, dennoch darf nicht zugelassen werden, dass die Firma einen monopolistischen Marktanteil besitzt. Das ist schlecht für Werber, schlecht für Konsumenten, schlecht für die Innovation, egal wie gut die Absichten von Google sein mögen."

ilsole24ore aus Italien zweifelt an der Perspektive der beiden Internet-Player, gemeinsam neue Wege der Online-Werbung zu finden. Zwar schaffe diese eine sofortige und innovative Kommunikation, doch jenseits der Such-Anzeigen lägen noch große Probleme - man denke an das soziale Netzwerk Facebook oder an Youtube, die beide bis heute noch keinen Weg gefunden hätten, erfolgreich Werbung zu verkaufen. Ob sich tatsächlich am Ende ein - von Steve Ballmer versprochener - Mehrfachnutzen für User sowie für die werbenden Unternehmen ergebe, bleibe abzuwarten, zumal schon alleine die Umstellung der Yahoo-Suchmaschine auf Bing mindestens sechs bis zwölf Monate dauern und die weltweite Umstellung 24 Monate in Anspruch nehmen werde.

Aus Sicht der Wirtschaftswoche wiederholt der Internetpionier Yahoo mit der Suchmaschinen-Allianz einen verhängnisvollen Fehler. Ähnlich wie Yahoo heute durch den Deal im Suchgeschäft seine technologische Unabhängigkeit verliere - die Suchmaschine wird von Microsoft beigesteuert -, habe das Yahoo-Management vor zehn Jahren schon einmal entschieden, sich lieber auf das Anreichern seiner Startseite mit Medienangeboten zu konzentrieren. Damals habe Yahoo den Zuschlag für die ausgelagerte Suchmaschine einem nahezu unbekannten Startup namens Google gegeben. "Damit begann der Aufstieg von Google und der Niedergang von Yahoo. Von diesem strategischen Fehler hat sich Yahoo nie wieder erholt" - als Yahoo im Februar 2004 wieder auf eine eigene Suchmaschine umgeschaltet habe, seien fast alle Nutzer zu Google abgewandert. Fazit: Der Suchpakt sei ein guter Deal - für Microsoft. Für Yahoo sei er eine Kapitulation.

Leser-Kommentare
  1. Googles prekäre Macht basiert ja nach wie vor auf der Suche. Die Suche zwar die beste, aber besonders gut ist sie trotzdem nicht.

  2. Die Erfahrung zeigt, daß das wichtigste Zugpferd eines jeden Mediums die Erotikbranche ist.
    Schon zu Zeiten der Videocassetten hat sich nicht das beste Format durchgesetzt, weil die Pornobranche auf VHS gesetzt hat.
    Wenn MS daran festhält, daß ein Erwachsener den strengen Erotikfilter nicht deaktivieren kann, wird Bing keine Chance haben!

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