Musik-Downloads Das Album lebt weiter

Das Geschäft mit Musik-Downloads läuft von Jahr zu Jahr besser. Jetzt verdient die Industrie mit dem Verkauf von Alben sogar mehr als mit einzelnen Songs

Musik aus dem Netz auf den Rechner: Download-Kunden kaufen vermehrt ganze Alben

Musik aus dem Netz auf den Rechner: Download-Kunden kaufen vermehrt ganze Alben

Immer ist irgendwas tot: Pop ist tot, die Musikindustrie ist tot, das Album ist tot. Jede Branchennachricht spornt die Presse zu neuen Nachrufen an. Doch ganz so schlimm ist es nicht. Es tut sich was im Download-Geschäft.

Wie der Verband der Musikindustrie (BVMI) nun mitteilte, steigen nicht nur die Verkaufszahlen von Musik-Downloads jährlich um 30 bis 40 Prozent. Auch das digitale Album muss nicht mehr im Schatten einzelner Lieder darben: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres konnte die Industrie mit zusammenhängenden Musikstücken, sogenannten Bundles, sogar mehr Umsatz erzielen als mit singulären Stücken. Rund 3,1 Millionen Bundles und 23 Millionen Einzelstücke wurden im ersten Halbjahr 2009 verkauft.

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Bedeutet dies die Rückkehr des Album-Formats? "Ein Bundle kann auch das digitale Äquivalent zur Maxi-Single sein", sagt Stefan Michalk, Geschäftsführer des BVMI. "Die Mehrzahl der heute verkauften Bundles sind allerdings Alben." Man könnte also vermuten, dass Online-Käufer mittlerweile den ästhetischen Wert eines Gesamtwerks schätzen gelernt haben. Oder ist es lediglich die neue Preispolitik der Anbieter, die die Hörer zurück zum Album führt?

Tatsächlich hat der Online-Händler Amazon sein Angebot in diesem Jahr um Musik-Downloads erweitert und sie besonders günstig angeboten. Es sei Bewegung ins starre Preisgefüge auf dem Markt gekommen, sagt Michalk. Bisher galten Preise von 99 Cent pro Lied bis 9,99 Euro pro Album. "Jetzt wird das Repertoire des Back-Katalogs preiswerter verkauft, ein Album schon ab 4,99 Euro. Alben aus dem sogenannten Frontline-Repertoire kosten dann bis zu 12,99 Euro."

Amazon hat neue Kunden ins Download-Geschäft geholt: Wer früher bei dem Versandhandel Alben auf CD bestellt hat, entdeckt jetzt möglicherweise die Vorteile des Digitalen. Der niedrige Preis mindert die Einstiegshemmung. "Außerdem tätigen viele Konsumenten Ersatzkäufe: Bevor sie sich die Mühe machen, ihre CD-Sammlung zu digitalisieren, kaufen sie die Alben sukzessive als Download für 4,99 Euro", sagt Stefan Michalk.

Ein langfristiger Trend lässt sich aus den Branchenzahlen noch nicht ablesen. Doch vielleicht rechtfertigen sie einen Blick in die Zukunft: Das Album wird auch im Netz ein Format für Nostalgiker bleiben. Alle anderen werden es genießen, die Rosinen aus jedem Kuchen picken zu dürfen. Aber: Wer würde schon auf den ganzen Kuchen verzichten, wenn der genauso viel kostete wie die Kirschen allein? Musik ist eben ein Wirtschaftsgut, und der Preis bestimmt den Absatz.

 
Leser-Kommentare
  1. Nämlich die Möglichkeit, ständig und überall die eigene Musiksammlung zur Verfügung zu haben. Ein Trend, der noch interessanter wird, wenn mobiles Web erschwinglich und nutzerfreundlich wird. Statt dümmlichen Geschwätz auf UKW sollte man ohne lästiges Synchronisieren die eigene Musiksammlung (oder auch Hörbücher) abfragen können. Gegen monatliche Gebühr, in unterschiedlichen Qualitäten, mit oder ohne Videos usw.

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