Deutsche-Bank-Angebot Sal. Oppenheim hat ausgespielt
Die Kölner Privatbank beteiligte sich an vielen Projekten, steckte Geld in Arcandor und Conti - und verzettelte sich. Der Deutschen Bank könnte eine Beteiligung nützen
Theoretisch hatte Sal. Oppenheim, Europas größte echte Privatbank, ein absolut krisensicheres Geschäftsmodell. Die Kölner, die vor einigen Jahren offiziell nach Luxemburg umgezogen sind, konzentrierten sich auf die Beratung der wirklich ganz reichen Kunden. Die wurden rundum betreut. Zum Teil übernahm Oppenheim nicht einmal selbst die Verwaltung der anvertrauten Vermögen, sondern verteilte das Geld weiter und überwachte dann die Asset-Manager, die die Renditen herausholen sollten.
"Monitoring" nennt man das auch, und es ist eine feine Sache. Wer so berät, sitzt immer auf der richtigen Seite des Schreibtisches: da, wo man die anderen kritisieren oder beraten kann, aber nicht selber kritisiert wird. Anders gesagt, bei dieser Art Geschäftsmodell ist man automatisch, was auch immer passiert, Teil der Lösung und nicht Teil des Problems.
Praktisch hat Oppenheim in den letzten Jahren leider ganz anders agiert. Die Kölner haben kleine Großbank gespielt. Haben, auch mit eigenem Geld, bei zahlreichen regionalen Projekten und Konzernen mitgemischt. Waren integraler Bestandteil jenes undurchschaubaren Netzwerkes aus Wirtschaft und Politik mit seiner Mischung aus Tradition, unternehmerischer Abenteuerlust, manchmal großer Kreativität, aber nicht immer ausreichender Kompetenz, die wahrscheinlich typisch für viele Regionen ist, aber sicher besonders typisch für Köln und das Rheinland. So wurde Oppenheim auch Teil zahlreicher Probleme.
Wenn die Bank nun tatsächlich ihre Unabhängigkeit verliert, verlängert sich damit ein Prozess, der seit Jahrzehnten spürbar ist: das Sterben der Privatbanken. Noch um 1930 herum gab es hunderte davon in Deutschland. Viele verschwanden in den folgenden Jahren im Zeichen der "Arisierung", nur wenige jüdische Privatbankiers schafften nach dem Krieg den Neubeginn. Und dann gingen nach und nach immer mehr Häuser vom Markt, manche, nachdem sie für eine Zeitlang als Anhängsel größerer Banken vor sich hin gewurschtelt hatten.
Im Zeichen der großen Finanzkrise schien es im letzten Herbst wieder eine Mini-Renaissance zu geben. Weil die großen Banken das Vertrauen der Kunden verloren hatten, spürten die verbliebenen Privatbankiers Zulauf. Möglicherweise bleibt diese Geschäftsnische auch interessant - aber wohl nur für Privatbanken, die sich tatsächlich auf die Beratung spezialisieren und nicht versuchen, kleine Großbank zu spielen.
Für die Deutsche Bank wäre der Einstieg bei Oppenheim eine willkommene Verstärkung im Privatkundengeschäft. Sie trifft dort auf eine Kundschaft, denen man anspruchsvolle Produkte verkaufen kann, die reich genug sind, auch Risiken zu übernehmen. Und das kann Ackermanns Geldhaus ja am besten: komplizierte Finanzprodukte erfinden und unters Volk bringen und so die Risiken, die man anderer Stelle übernommen hat, neutralisieren.
Erschienen auf Handelsblatt.com am 05. August 2009
- Datum 05.08.2009 - 15:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt.com
- Kommentare 3
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Sal. Oppenheim - das war doch auch die Bank, die Karstadthäuser gemeinsam mit dem damaligen Geschäftsführer verkauft hat - in eine Tochtergesellschaft und von da aus Miete gemeinsam von Karstadt verlangt hat zu horrenden Preisen - die Strafe kommt ja doch - wie interessant.
Frau Schickedanz freut es sicher, wo doch Sal. Oppenheim sie wirklich schlecht beraten hat und sie nun von weniger als Hartz IV lebt....
Ob sich die Deutsche Bank damit nicht schlechte Berater ins Haus holt, das sollte die Chefetage doch nochmal überprüfen.
Arcandor ist schon in der Insolvenz, Continental und IVG vor großen Problemen ...
Irgendwie entsteht der Eindruck, wo es richtig brennt, Oppenheim ist dabei.
Da trifft die alte Anlegerweisheit zu: "Wer ein großes Vermögen erwerben will, muß vorher ein noch größeres gehabt haben :-))
Wenn Ackermann mit der Vermögensverwaltung etwas anfangen will, muß er sich vielleicht beeilen.
Aber mal anders gefragt: Sind Arcandor, Continental, und IVG wirklich Ausweis einer kompetenten Vermögensverwaltung???
Die Finanzkrise ist eine bequeme, aber nicht unbedingt zutreffende Entschuldigung für Fehlinvestments.
galten im 19. Jahrhundert den Mächtigen und Herrschenden ebenso viel, wie die Statussymbole (Porsche, Megayacht, Ascot-Rappe) dem heutigen Spitzenbesitzbürgertum.
Ohne Scham und Skrupel, stolzierten im 19. Jahrhundert die damaligen Gecken, Laffen und manierierten Eliten durch die von Not und Elend gezeichnete Feudalgesellschaft, so wie wir dies heute von den Mitgliedern der sich immer extremistischer inszenierenden Finanzspekulations- und -anlagenbetrugselite in den modernen Bankensystemen, ihren zu Alibisierungszwecken nachgeordneten Berater- und Controllingexperten und den sich in den Lobbykorruptionsseilschaften
selbst reproduzierenden Politfunktionärseliten kennen.
Da wir in einer Welt der begrenzten Resourcen leben und weil Vermögen stets in der Vergangenheit in der Realwirtschaft erarbeitete Mehrwerte in Geldform sind, ist auch der heute so primitiv und plump von unseren Besitzbürgern in aller Öffentlichkeit so protzend und prahlend gezeigte Reichtum nur ein zeitlich begrenztes Machtsymbol.
Deutschland im Jahre 2009 steht in einer Situtation, in der sich die Allmachtsfantasien unseres Besitzbürgertums von jeder realen Grundlage gelöst haben. Omnipotenz und Präpotenz sind die diese "Elite" auszeichnenden Wahnzustände. Dies erstreckt sich von den Wirtschaftseliten, über die Politikeliten bis hin zu den in Verwaltung und Justiz agierenden Bürokratiefunktionäre.
Die inzwischen begründete gesellschaftliche Spaltung und die etablierten Armutsnivaus haben eine so gewaltige Differenz zwischen Wohlhabenden und Habenichtsen geschaffen, dass die hierin gründenden Gewaltenergiepotentiale wohl in nicht zu ferner Zukunft zu gewalttätigen Entladungen führen werden.
Naiv und von unbeschreiblicher Dummheit sind jene Mitbürger, die sich einbilden,
Deutschland sei auf Dauer in dieser Spaltungsgesellschaft zu erhalten. In welchen Kombinationen auch immer, die materielle Verarmung und die psychische Entwürdigung und Entehrung werden diejenigen "Protestierer" hervorbringen, die solche undemokratischen, unkultivierten und unzivilisierten Verhältnisse um gar keinen Preis hinzunehmen bereit sind. Mit dem Rücken zur Wand oder zum Abgrund stehend werden immer die Energiepotentiale entfesselt, die zum dem Brand im Dachstuhl unseres Gesellschaftshauses führen, vor dem schon einer
der deutschsprachigen Dichter mit seinem Stück "Biedermann und die Brandstifter" gewarnt hat. Aber - wie immer, wenn die Habgier und die Selbstliebe den Verstand gefressen hat - niemand hat das wirklich verstanden, weil es ja so viel einfacher ist, sich dem Irrsinn hinzugeben und zu glauben, dass "Geiz geil ist".
Geiz ist tödlich. Wir scheinen das schon wieder unbedingt lernen zu wollen.
Wer Leben retten will, muss heute schon die Umgebrachten von morgen beklagen.
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