Ostsee Insel der Bäume
Vilm, die winzige Insel im Windschatten von Rügen, ist ein Schatzkästchen für Naturfreunde

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1527 wurde auf Vilm zum letzten mal im großen Stil Holz geschlagen. Seitdem darf der Wald wachsen, wie es ihm gefällt
Julchen tuckert über die Ostsee. Die Seefahrt vom Hafen Lauterbach, der zur Stadt Putbus auf Rügen gehört, bis zur Anlegestelle auf der Insel Vilm dauert nur eine enttäuschend kurze Viertelstunde. Dann macht Julchen fest, und Andreas Kuhfuß verwandelt sich vom Kapitän zum Fremdenführer.
Die Insel Vilm ist ein Biosphärenreservat und darf nur von geführten (sagen wir: beaufsichtigten) Gruppen besucht werden. Als erstes verkündet Kuhfuß zwei grundsätzliche Regeln: Nicht Rauchen! Und nicht die Wege verlassen! Denn auf Vilm bleibt die Natur sich weitestgehend selbst überlassen. Und wenn ein morscher Ast fällt, dann fällt er eben. Warum davon ausgegangen wird, dass der Ast dabei die Wege meidet, bleibt ein Geheimnis des Fremdenführers.
Andreas Kuhfuß spricht mit lauter Stimme: Ein letzter, radikaler Einschlag fand vor mehr als vierhundert Jahren statt, als die Fürstin zu Putbus Stralsunder Kaufleuten den Holzbestand der Insel für "400 Mark sundisch und eine Last Seebier" verkaufte. Seitdem wächst, was wachsen will. Napoleon entwickelte noch einmal Begehrlichkeiten, aber der Beherrscher Europas wurde durch den entschiedenen Widerstand des Fürsten Malte zu Putbus (der die im klassizistischen Stil erbaute Stadt auf Rügen gegründet hat) zurückgewiesen.
Die Insel Vilm ist zum größten Teil von Wald bedeckt. Die Buchenwälder gehören zu den ältesten Naturwäldern Norddeutschlands. 250 bis 300 Jahre alt sind diese Bäume, gestandene, von Geschichte gezeichnete Charaktere wie aus einem Fantasy-Film. In anderen Teilen der Insel überwiegen Birkenwälder, deren Blätter silbern im Seewind flirren.
Seit 1936 steht die Insel, die gerade einmal 94 Hektar groß ist, unter Naturschutz. Mitte der fünfziger Jahre war der Naturschutz aufgehoben und das Inselchen zur touristischen Nutzung freigegeben worden. Eine Untersuchung der Universität Greifswald hat damals ergeben, dass täglich zwischen 500 und 700 Besucher durchs Unterholz streiften – Kuhfuß macht ein paar verschämte Anspielungen auf die Ausscheidungsgewohnheiten von Männerhorden und es wird klar, dass die Insel das nicht verkraften kann. Die Universität schlug seinerzeit vor, dass die Besuchergruppen "naturschutzrechtlich gelenkt und geleitet" werden sollten (so wie die Gruppe jetzt), aber man entschloss sich, die Insel ganz zu sperren.
Dann entdeckte Otto Grotewohl das idyllische Eiland und machte daraus eine exklusive, gut abzuschottende Ferieninsel für den Ministerrat der DDR. So verbanden sich auf das Schönste Natur- und Ministerschutz, was ja beides irgendwie hohe und würdevolle Ziele sind.
Die ehemaligen Minister-Unterkünfte sind reetgedeckte Bungalows, die an die Fischerkaten der Region erinnern sollen. Dennoch erscheint die Anlage wie eine etwas komfortablere Jugendherberge. Es gab seinerzeit sogar einen gemeinsamen Speise- und Unterhaltungsraum, wo man schon wieder auf die traf, die man im normalen Leben sowieso jeden Tag sah.
1990 war es dann vorbei mit der privilegierten Ferieninsel Vilm – wie auch mit dem privilegierten Wohnort Wandlitz und dem privilegierten Jagdrevier Schorfheide. Die Fürstenherrlichkeit der SED war Geschichte. Auf Vilm wurden Tennisplätze und seniorengerechte Spazierwege renaturiert, in die ehemaligen Ministerbungalows zog 1990 das Bundesamt für Naturschutz ein. Die Mitarbeiter und Gäste sind heute die einzigen dauerhaften Bewohner der Insel.
- Datum 07.08.2009 - 10:15 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das Fotos das den Artikel illustriert ist von Wikipedia (steht ja auch drunter) und legal ist das Ganze ja auch wegen der Lizenz unter der das Foto steht. Aber ist das auch üblich? Wird das immer üblicher? Interessant ist es allemal.
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