Aufstieg "Der Perfektionist ist das perfekte Arbeitstier"Seite 2/2
Janson: Es gibt verschiedene Typen. Typ 1 ist ruhig und relaxt, gibt sein Möglichstes – aber kennt seine Grenzen. Dieser Typus kann auch mit Fehlern umgehen. Typ 2 ist übertrieben engagiert und ist überkorrekt. Unter den Perfektionisten unterscheidet man außerdem noch einmal zwischen dem introvertierten und dem extrovertierten Typus. Ersterer stellt an sich selbst allerhöchste Ansprüche und überfordert sich. Meist sind diese Menschen unsicher, sie haben große Angst davor, Fehler zu machen. Im worst case arbeiten diese Menschen dann auch noch unter einem Chef, der diese Veranlagung ausnutzt. Statt dem introvertierten Perfektionisten das ersehnte Lob zu erteilen, kritisiert er den Mitarbeiter. Dieser rennt daraufhin noch ein bisschen schneller im Hamsterrad. Der Perfektionist ist das perfekte Arbeitstier. Im schlimmsten Fall endet die Abwärtsspirale in einem Burn-out-Syndrom. Vor dem ist aber auch der extrovertierte Perfektionist nicht gefeit. Er fordert Höchstleistungen auch von allen anderen, ist sehr rechthaberisch, kritisiert und verliert schnell die Nerven. Wenn die Kollegen nicht mitziehen, wird er zum Außenseiter und vereinsamt. Dann kann aus dem Wunsch, alles perfekt zu machen, schnell Verzweiflung werden. Die meisten Perfektionisten sind aber Mischtypen aus beiden Formen.
ZEIT ONLINE: Und trotzdem ist es ja nichts Schlechtes, das Bestmögliche im Job zu geben. Woran merkt man, dass die Grenze überschritten ist?
Janson: Genau darum geht es ja – um das Bestmögliche und die Grenze, die ich in meinem Buch mit 80 Prozent beziffere. Damit meine ich nicht, fortan nur noch halbe Sachen zu machen. Es geht darum, die Einstellung zur Arbeit zu ändern. Es reicht, sich vorzunehmen, eine Aufgabe so gut wie möglich zu erledigen – und auch mal einen Schlussstrich an der Grenze zu ziehen, an der es nur noch um Optimierung geht. Die Zeit kann man schon wieder für eine neue Aufgabe verwenden. Wer 80 Prozent gibt, arbeitet effizienter.
ZEIT ONLINE: Nur 80 Prozent geben, dafür 100 Prozent Erfolg einfahren. Ihre These klingt etwas zu einfach. Wer als Perfektionist bekannt ist, wird es sicher schwer haben, von heute auf morgen zu reduzieren. Was sind Ihre Vorschläge?
Janson: Es stimmt, es ist gar nicht so einfach, die richtige Dosierung an Leistungsbereitschaft, Engagement und entspannter Zurückhaltung zu finden. Vor allem nicht, wenn man das Arbeitstier in einem Unternehmen ist. Man muss lernen, sich abzugrenzen und freundlich und bestimmt "nein" zu sagen. Damit verschafft man sich auch Respekt. Man muss seine eigenen Ansprüche zurückschrauben und lernen, mit Fehlern zu leben. Diese gehören dazu. Nicht jeder Fehler ist eine Katastrophe. Außerdem helfen Entspannungsübungen oder Sport.
ZEIT ONLINE: Und dann klappt es auch mit dem beruflichen Aufstieg?
Janson: Zumindest wird man dann entspannter. Und wer entspannt ist, hat auch eine positive Ausstrahlung. Studien haben außerdem gezeigt, dass vor allem solche Mitarbeiter, die ein positives Image haben, eher befördert werden.
ZEIT ONLINE: Ist das am Ende das Geheimnis Ihres Erfolges – ein positives Image?
Janson: (lacht). Als ich mich 2003 selbständig gemacht habe, war ich, bedingt durch die neue Situation noch sehr unentspannt, hektisch, aufgeregt, übertrieben perfektionistisch. Der Erfolg blieb aus. Nachdem ich meine eigene Grenze kennengelernt habe und auch, hin und wieder "nein" zu sagen sowie mit Fehlern zu leben, kam der Erfolg von ganz alleine.
Die Karriereexpertin und Journalistin Simone Jansonschreibt Bücher zu Berufs- und Arbeitsthemen. Ihr Ratgeber "Die 110%-Lüge" ist kürzlich im Redline-Verlag erschienen. Die Fragen stellte Tina Groll.
- Datum 05.09.2009 - 17:42 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Unsicherheit verstärkt den formalen Perfektionismus ebenso wie die Bildungsanforderungen unserer Zeit. Perfektionismus kann formal aber auch qualitativ inhaltlich erreicht werden. Was nichts anderes bedeutet, dass formaler Perfektionismus schlicht unzureichend ist.
Prinzipiell ist ein hoher Bildungsabschluss etwas gutes, jedoch spielt es eine Rolle auf welcher Basis er erworben wird. Der aktuelle Lehrbetrieb fragt wenig danach, ob das vermittelte Wissen auch verstanden wurde, mithin ein selbstbestimmter und kreativer Umgang mit Wissen ermöglicht wird. Es reicht für ein Diplom völlig aus Daten und Verfahren auswendig zu lernen.
Aber in der Praxis genügt das nicht, jedenfalls dann nicht, wenn man effektiv und ohne Selbstausbeutung arbeiten will. Denn Wissen ohne Begreifen zwingt dazu systematisch immer das ganze gelernte Verfahren abzuspulen, weil man ohne weiteres Verständnis gar nicht in der Lage ist zu bewerten, was gerade unwichtig ist. Weshalb so mancher die kürzeren Wege anderer auch nicht begreifen kann.
In verwaltenden Berufen kommt so ein extrem großer Teil der Überstunden und auch der langen Verfahrenswege zustande. Viele der aktuellen Gesetzesvorlagen in ihrer Unverständlichkeit und praktischen Undurchführbarkeit (allgemein als handwerklich unzureichend kritisierte Gesetze) gehen auf diesen Sachverhalt zurück . In Berufen mit mehr messbaren Erfolgsdruck sind eher die von der Authorin beschriebenen Symptome beobachtbar.
H.
Der Feißige lebt von seiner Arbeit - und der Kluge von den Fleißigen ;)
... Banker, der Verwaltungs-/Kontrollbereich, die Juristen ... mit Kleingedrucktem und engen Terminvorgaben.
Michel Katzentisch
... Banker, der Verwaltungs-/Kontrollbereich, die Juristen ... mit Kleingedrucktem und engen Terminvorgaben.
Michel Katzentisch
Perfektionismus ist oft ein Ergebnis der Erziehung. Eltern, die ihre Zöglinge zu perfekten Erwachsenen formen, ist nichts gut genug. Sie überfordern
"gut gemeint" ihre Kinder. Ich habe, da selbst betroffen, Simone Jansons Buch gelesen. Sie hat mit ihren Ansichten soweit es sich um abhängig Beschäftigte handelt recht. Mit Anfang 30 erkannte ich die Sackgasse meines beruflichen Perfektionismus früh genug. Habe deshalb die Selbstständigkeit gewählt und nur noch mit Firmen und Personen zusammengearbeitet, die fachlichen Perfektionismus zu schätzen wussten und ihn angemessen honorierten. Das erfordert aber die Einsicht, nicht everbody's Darling sein zu können. So kann man dem Streben nach Perfektion auch in einer 80 % - Gesellschaft viel Positives abgewinnen. Schon Konfuzius sagte: "Wer liebt, was er tut, wird in seinem Leben nie arbeiten."
und ich erinnere hier mal so rum..
Faulheit ist das Vorrecht der Intelligentent.
Was er aber vergaß mitzuteilen, zu teilen ist,
daß Intelligenz harte Arbeit bedeutet.
"Das Schreckliche an der Intelligenz ist, daß man ständig dazu¬lernen muß."
George B. Shaw
gefunden am 15. Mai 1994
in "Diabetologie", Bernhard und Johanna Knick
Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln 3. Auflage 1994
Seite 280
Wobei ich das "Muß" so verstehe, daß Shaw nicht das von außen aufgezwungene "Muß" gemeint hat, sondern, das "Muß", das von innen kommt. Die Neugierde, Wißbegierde, Bildungsbeflissenheit und Unruhe, die einen manchmal quälen können, die einen umtreiben. Nur, was ist letztendlich befriedigender - das aufgezwungene Muß, das von außen aufgedrückt wird oder das Muß, das von innen kommt, durch innere Motivation entstanden. Eine sich immer wieder selbst nährende Quelle des Fortschrittes.
Mit herzlichem Gruß und kühl-rauchendem Kopfe
Ihr Mit-Leid -äh- Mit-Leut
klaus w.
Dat KlaKoWa
Mit Glied der MU - materiellen Unterschicht
... Banker, der Verwaltungs-/Kontrollbereich, die Juristen ... mit Kleingedrucktem und engen Terminvorgaben.
Michel Katzentisch
... die unterschiedliche Arbeitsweise von Männern und Frauen.
Hier sitzt der Mann wunderbar entspannt neben seiner Kollegin, die fleißig zu Werke geht.
Mit Sicherheit gehört sie zu den Perfektionistinnen, da Frauen immer noch verinnerlicht haben "Ich muss besser sein, damit ich (an)erkannt werde".
In dieser Zeit zischt der Mann locker, selbstsicher und guter Dinge an ihr vorbei.
Ich habe eine einfache Formel im Kopf, um dem Perfektionismus die Stirn zu bieten.
*Es weiß keiner, was 100% sind.*
Grund genug sich diese Mühe nicht mehr zu machen, es sei denn für das eigene Ego. DIE 100% werden individuell bewertet und sind deshalb nur durch sich selbst messbar.
Nicht nachlässige, sondern angemessene Arbeit leisten, dass kann ein Weg sein.
Viele Grüße aus Bielefeld
sehr schön formuliert
"es weiss keiner, was 100% sind. "
bzw. für jeden sind 100% etwas anderes.
wie hermann eingangs sagte, wissen ist nicht nur lernen, man muss es auch anwenden können. sonst ist es sinnlos.
sehr schön formuliert
"es weiss keiner, was 100% sind. "
bzw. für jeden sind 100% etwas anderes.
wie hermann eingangs sagte, wissen ist nicht nur lernen, man muss es auch anwenden können. sonst ist es sinnlos.
Ich fuehle mich als Perfektionist,
weil:
Ich mit mir zufrieden bin und in wenigen Jahren nach meiner Ankunft in Canada aus dem Nichts eine Metallwarenfabrik aufgebaut habe und heute nach 54 Jahren sich die Mehrzahl des nordamerkanischem Publikums auf meinen Ladentischen aller nahmhaften Warenhaeuser in US and Canada
stuetzt !!!! Ich gehe in mein neunzigstes Lebensjahr und bin seit ca. 18 Jahren mit meiner Frau, nach ebenso langer Zeit im Ruhestand.
Mit Ausnahme der Komments " 7 und 8" ist dieses Thema mit samt seinen Kommentaren durchaus sehr zutreffend.
Zu "7 und 8": "Kaffesatz-Leserei" aus einem 0815 Foto... und "Hurra,- ich hab´s geschafft" ( zur richtigen Zeit am richtigen Ort) ... das sind nicht die Dinge, welche die Welt umdrehen...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren