Zum Tod von Peter Zadek "Wir verlieren eine große Kraft"
Der Regisseur Peter Zadek hat die deutsche Kulturszene maßgeblich geprägt. Viele seiner Kollegen würdigen den bedeutenden Theatermann nun voller Betroffenheit. Ausgewählte Stimmen

© Konrad Gier/dpa
Peter Zadek zwischen Eva Mattes und Ilse Ritter nach der Aufführung von "Die verlorene Zeit" 1985 an der Freien Volksbühne in Berlin
"Er hat eigentlich immer gesagt, wenn ich nicht mehr inszenieren kann, dann möchte ich lieber sterben. Er wollte immer das Beste und Perfekte. Zadek war jemand, der immer unabdingbare Qualität gefordert hat. Aber jemandem, der intelligent und charmant ist und der Humor hat, dem verzeiht man natürlich auch alles."
Tom Stromberg, Regisseur und Intendant, hatte 2005 mit Zadek eine freie Theaterproduktionsgesellschaft gegründet
"Zadek war ein epochaler Theaterregisseur, der meine Generation von Theatermachern wesentlich geprägt hat. Er hat in den 1960er
und 1970er Jahren eine bis dahin nicht vorstellbare anarchistische Energie, die gleichzeitig sinnlich und durchdacht war, ins Theater gebracht. Sein Lear, sein Hamlet, sein Kaufmann von Venedig haben für uns das Theater quasi neu erschaffen. Das hatte Leichtigkeit, war nie schwer, aber dennoch tiefgehend. Diese Verbindung war ganz entscheidend. Wir verlieren eine große Kraft."
Ulrich Khuon, Intendant des Hamburger Thalia Theaters, von August an Intendant des Deutschen Theaters Berlin
"Er hat einen Schauspieler davon befreit, sich zu verstellen und ihn dazu gebracht, sich zu enthüllen. Ich habe ihm in der Arbeit alles geglaubt. Er hat einem alle Sicherheitsnetze weggenommen, die man sich als Schauspieler so aufspannt. Die Zusammenarbeit mit Zadek war wie eine große Reise: mit allen Aufs und Abs, nicht gemütlich sondern aufregend – man brauchte sehr viel Mut."
Gert Voss, Burgschauspieler, seine Darstellung des Shylock in der Zadeks Kaufmann von Venedig wurde legendär
"Er hat das Theater in einer Weise revolutioniert, wie man es sich in den verschlafenen fünfziger Jahren kaum denken konnte. Mit seiner Radikalität und seiner unermüdlich frischen Sicht auf alte und neue Texte war Zadek immer ein großes Vorbild. Es kommt mir vor, als kenne ich ihn schon seit 100 Jahren. Er wird mir persönlich sehr fehlen."
Jürgen Flimm, Regisseur und Intendant
"Er hat dem Deutschen Schauspielhaus Sternstunden beschert, unter anderem mit seinen Inszenierungen von Othello, Andi, Wintermärchen und Lulu. Über die Stationen Ulm, Bremen und Hamburg hat er das Nachkriegstheater revolutioniert wie kein zweiter Regisseur."
Friedrich Schirmer, Intendant des Hamburger Schauspielhauses
"Es ist erst wenige Wochen her, dass wir wieder einmal über ein gemeinsames Projekt für München gesprochen haben. Ich trauere um einen großen Kollegen und Freund. Peter Zadek habe ich Ende der 1950er Jahre in Hannover kennengelernt. Seine Arbeiten haben mich immer zur kritischen Auseinandersetzung angeregt und gleichzeitig fasziniert."
Dieter Dorn, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels
"Zadek hat das deutsche Theater befreit. Ich habe ja viel mit dem Peter gearbeitet. Er war der anarchistischste Regisseur, der das Theater in Deutschland von allem Didaktischen, Ideologischen befreit hat. Er hatte sicherlich die schönste Theaterfamilie mit seinen Schauspielern."
Nikolaus Bachler, Intendant der Bayerischen Staatsoper
- Datum 06.08.2009 - 10:22 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, raw
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