Dienstwagen-Debatte Ulla Schmidt bleibt kein Einzelfall

Die Gesundheitsministerin ist nicht die Einzige, die mit ihrem Dienstwagen in den Urlaub fuhr. Acht weitere Minister nutzten ihre Fahrzeuge für Fahrten in die Ferien

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) sorgte für einen Eklat, weil sie mit ihrem Dienstwagen in den Urlaub fuhr. Der Grünen-Haushaltsexperte Alexander Bonde richtete daraufhin eine Anfrage an die Bundesregierung, um Genaueres über den Einsatz von Dienstfahrzeugen im Urlaub in den vergangenen Jahren zu erfahren. Inzwischen wurde der vorläufige Entwurf der Antwort des Bundesinnenministeriums bekannt. Es werden acht Minister genannt, die ebenfalls mit ihren Dienstwagen an den Urlaubsort fuhren – sechs der SPD, zwei der CSU.

Neben der Gesundheitsministerin werden in dem Entwurf Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD), Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), ihr Amtsvorgänger und jetziger bayerischer Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sowie Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) aufgeführt. "Alle anderen Mitglieder der Bundesregierung haben nach eigenen Angaben keine Dienstkraftfahrzeuge im Zusammenhang mit dem Urlaub in Anspruch genommen", heißt es in dem Papier weiter.

Anzeige

Aufgelistet werden neben vollständigen Urlaubsreisen mit dem Dienstwagen auch Fahrten zu den Flughäfen Berlin-Tegel und München in Verbindung mit Urlaub sowie An- und Abfahrten zum Urlaubsort. Bei Scholz heißt es in dem Papier "Italien und Deutschland sowie Fahrten zum Flughafen", bei Aigner "Fahrten in Bayern zum Flughafen München
und zurück", bei Seehofer "Deutschland", bei Schmidt "Spanien", bei Tiefensee "Deutschland, Österreich und Italien", bei Gabriel wie bei Wieczorek-Zeul gleichlautend "Deutschland, An- und Abreise, keine Nutzung während des Urlaubs", bei Zypries "Fahrten aus Berlin zum und vom Flughafen Tegel".

Den dadurch entstandenen geldwerten Vorteil hätten alle Mitglieder der Bundesregierung versteuert. Eine Sprecherin von Scholz sagte: "Neben den täglichen Fahrten von und zum Ministerium sowie zu privaten Terminen hat Olaf Scholz den Wagen im letzten Jahr auch für einen längeren Urlaub genutzt." Dabei sei er selbst nach Südtirol gefahren. "Außerdem hat er den Wagen an einem verlängerten Wochenende in Norddeutschland selbst gefahren." Scholz muss nach Angaben auf seiner Internet-Seite derzeit monatlich 1888,87 Euro für den Wagen versteuern.

Auch die Sprecher von Gabriel, Wieczorek-Zeul und Tiefensee versicherten, ihre Minister würden die private Nutzung abrechnen, beziehungsweise den Bruttolistenpreis der Dienstwagennutzung versteuern. Eine Sprecherin Aigners sagte, die Ministerin fahre mit ihrem Privatwagen in Urlaub. "Der Dienstwagen wurde von ihr für jeweils eine Fahrt in Bayern zum Flughafen München und zurück in Anspruch genommen." In der Amtszeit Seehofers als Landwirtschaftsminister "erfolgte lediglich einmal eine Fahrt zu seinem Urlaubsort in Bayern mit dem Dienstwagen".

Seit 1993 gelten die "Richtlinien für die Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen in der Bundesverwaltung". Minister haben demnach auch ein privates Nutzungsrecht. Die Minister nutzen die Wagen unter anderem auch als rollende Büros.

Die Diskussion um die private Nutzung von Dienstfahrzeugen war entbrannt, nachdem der Wagen von Ulla Schmidt während ihres Spanien-Aufenthaltes gestohlen worden war. Der Vorfall löste eine Debatte in Politik und Öffentlichkeit aus. Kritiker unterstellten der Ministerin fehlendes Gespür in dieser Angelegenheit.

 
Leser-Kommentare
  1. ...kann ich das noch verstehen:

    Als Verkehrsminister verhält er sich doch vorbildlich, denn mit jedem von ihm in seinem Dienstfahrzeug zurückgelegten Kilometern hat er doch persönlich den Zustand deutscher Straßen prüfen und diesen auch (vielleicht) mit den Zuständen in der EU vergleichen können.

    Der Verkehrsminister ist doch der einzige Minister, der täglich so "volksnah" sein Amt ausführen kann - wenn er denn in seinem Dienstwagen kein "Nickerchen" macht.

    Oder haben Sie Frau Schmidt schon einmal jeden Tag zum Arzt rennen sehen?

    Wenn sie das tun würde - als Kassenpatientin - , dann wüsste sie, welche "Gurken" von Gesetzen sie in Wahrheit praxisnah ausführen lässt.

    • Nimzo
    • 05.08.2009 um 14:28 Uhr

    So, so. Umweltminister Sigmar Gabriel ist wieder mit von der Partie. Mr. Flugbereitschaft, tauscht abermals Ökonomie/Ökologie gegen Bequemlichkeit und Steuergeldverschwendung ein.

    In einem älteren ZEIT-Artikel wird Jürgen Koppelin mit folgenden Worten erwähnt:

    "Er (PK: Herr Gabriel) ist ein halbes Jahr vorher auch schon erwischt worden, dass er mehrfach alleine mit dem Dienstflugzeug geflogen ist", sagte er im Fernsehsender N24.

    Wahrscheinlich verschwenden die Volksvertreter durch Bequemlichkeit/finanziellem Vorteil jährlich die erwirtschafteten und eingezogenen Steuergelder einer Großstadt. Dies eingespart würde zumindest die anfallenden Praxisgebühren für Senioren abschaffen.....

    --------------------
    „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair!“ [Märchenonkel]

    • Glawen
    • 05.08.2009 um 14:46 Uhr

    Mann, das kommt jetzt aber überraschend. Und ich dachte echt nur die Ulla juckelt mit dem Dienstwagen privat rum. Das ist ja mal krass.
    Wobei....eigentlich war das ja schon die ganze Zeit fast jedem klar wenn man mal die Kommentare unter dieser peinlich hochgepushten Aktion um Frau Schmidt durchliest. Hat echt lange gedauert bis es mal einem von der Presse auffällt. Aber ich möchte ja nicht unken, vielleicht schafft man es ja jetzt mal das ganze etwas aufzuklären. Wenn es denn soweit ist bekommt man dann ja auch vielleicht mal Aufklärung über Angela Merkels privaten Hubschrauberflug nach Sylt, die Erklärung warum Frau von der Leyen ihre Fahrtenbücher nicht rausrücken will oder warum sie zwei Bonner Chauffeure hat. Vielleicht gibt es ja sogar mal eine kleine Anfrage im Bundestag, als Beispiel könnte ja die Anfrage im Thüringerlandtag aus dem Jahr 1999 gelten:
    http://www.nachdenkseiten...

    Wie es scheint juckelt die komplette thüringische Regierung seit knapp 15 Jahren wild mit den Dienstwagen herum.

    Mhhh wenn man darüber nachdenkt kommt das jetzt irgendwie doch nicht so überraschend. Aber was soll's. Dranbleiben

  2. Ich weiß eigentlich nicht, weshalb sich jetzt alle auf die SPD-Minister stürzen. Ausgerechnet Seehofer, der sich so mit Häme darauf gestürzt hat, durch welchen Zufall alles rauskam bei Ulla Schmidt, stellt sich jetzt auch als Urlaubsfahrer dar, seine Adjudantin Aigner gleich mit. Wären sie wenigstens zusammen in Urlaub gefahren, hätten sie nur eine Staatskarosse gebraucht. Und wer hat sich denn von den Medien auf diese sogenannte Affaire gestürzt? Es war doch gerade die ZEIT. Und wer den Herausgeber Joffe beim sonntäglichen Presseclub erlebt hat, versteht auch die CDU-Lastigkeit der ganzen Artikel, vieler Artikel, um es etwas einzuschränken. Quo vadis, ZEIT?

  3. Zügellose Politik,
    in der selbstherrlichen Gosse -
    würgt das Recht im Henker Strick,
    Ehrlichkeit, sie wird zur Posse.
    Wird die ALLMACHT nicht BEWACHT,
    siecht das Volk in dunkler Nacht.
    Blühen Willkür, Folter, Morde,
    hat die NAZI-Macht gesiegt -
    Diktatur der braunen Horde,
    um die nächste Ecke biegt!

    NICHT DAS VOLK BRAUCHT ÜBERWACHUNG!
    DIE REGIERUNG BRAUCHT DEN STRICK!
    DURCH DIE BRAUNE ÜBERDACHUNG,
    KEHRT DAS NAZI-REICH ZURÜCK!
    Deutschland frißt den braunen Dreck,
    hält das GAMMELFLEISCH für Speck!
    AUFGEWACHT! Genug geschlafen!
    NOCH sind sie nicht ganz am ZIEL-
    die GERECHTIGKEIT wird strafen,
    das gemeine MÖRDERSPIEL!

    (Elisabeth Rosing)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was Sie da zusammengebastelt haben, erfüllt mich mit Abscheu.Mit der Wirklichkeit unserer Tage hat es nichts zu tun.Ich bin mir auch nicht sicher, ob es nicht den Tatbestand der Voiksverhetzung erfüllt.

    Was Sie da zusammengebastelt haben, erfüllt mich mit Abscheu.Mit der Wirklichkeit unserer Tage hat es nichts zu tun.Ich bin mir auch nicht sicher, ob es nicht den Tatbestand der Voiksverhetzung erfüllt.

  4. Die Richtlinie für die Nutzung von Dienstwagen wurde 1993 beschlossen und das doch wohl im Einvernehmen mit dem Bundestag. Bei all diesen populistischen Kommentaren fehlt jetzt nur noch die Bezeichnung "Selbstbedienungsladen". Wenn Dienstwagen nicht mehr jederzeit benutzt werden dürfen, muss das Verfassungsorgan Bundestag eine Änderung beschließen. Auch wenn die Nutzung im Urlaub rechtlich nicht zu beanstanden ist, bleibt die Frage nach der "Moral". Aber
    d i e s e Debatte schadet dem Ansehen unserer Demokratie. Eine Ulla Schmidt wird aus der Nutzung ihres Dienstwagens im Urlaub wohl gelernt haben, denn ihre Partei hat sie in die Wüste geschickt. Wenn der Gesetzgeber entsprechend reagiert, fahren alle "nicht gefährdeten" Minister nach Dienstschluss dann demnächst mit Taxi S- oder U-Bahn zum nächstgelegenen Flughafen Tegel, Bonn oder München, so wie Manager von Wirtschaftsunternehmen, oder ?
    Was ich allerdings vermisse, ist der sonst fällige Kommentar des Bundes der Steuerzahler mit seiner rasenden Steuerschuldenuhr. Etwa weil jetzt CSU-Minister erwischt wurden ? Ich habe schon einmal darauf hingewiesen, dass es sich beim BdSt nicht um die Vertretung der Steuerzahler handelt, sondern 60-70 % der Mitglieder aus dem gewerblichen Mittelstand kommen und enge wirtschaftliche Verbindungen zur Versicherungswirtschaft bestehen. Es ist ärgerlich, wenn dieser Interessenvertretung in den Medien immer wieder eine Plattform geboten wird.
    Zuständig für Unregelmäßigkeiten ist allein der Bundesrechnungshof. Da aber liegt das eigentliche Problem. Jedes Jahr wird ein Bericht über Steuerverschwendungen, nicht bei Dienstwagen, aber zum Beispiel beim Autobahnbau vorgelegt und von Bundestag und Bundesregierung meistens ohne entprechende Konsequenzen zur Kenntnis genommen. Ähnliches gilt für den Bericht der Monopolkommission.

  5. Minister, die bewußt unwirksame, verfassungswidrige Gesetze durchdrücken machen mir mehr sorgen, als Minister, die sich (wie jeder Manager in der freien Wirtschaft) erlauben, ein Dienstfahrzeug privat zu nutzen.

    Wobei: es passt dann doch wieder ins Bild wenn zum Beispiel unsere Familienministerin auch so ihre Schwierigkeiten mit Dienstwagen hat.

    http://www.heise.de/tp/r4...

  6. Was Sie da zusammengebastelt haben, erfüllt mich mit Abscheu.Mit der Wirklichkeit unserer Tage hat es nichts zu tun.Ich bin mir auch nicht sicher, ob es nicht den Tatbestand der Voiksverhetzung erfüllt.

    Antwort auf "MÖRDERSPIEL"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service