Über ihre angeblichen Liebesaffären, Schwangerschaften und Heiratspläne hat die schwedische Prinzessin Madeleine (27) in den vergangenen Jahren aus der Klatschpresse erfahren – und erhält dafür nun ein Schmerzensgeld von 400.000 Euro. Denn die Geschichten, die der Sonnenverlag in Zeitschriften wie Frau mit Herz oder Welt der Frau veröffentlichte, entsprachen nicht der Wahrheit.

Die Richter am Hamburger Oberlandesgericht befanden in ihrem Urteil, dass der zur Klambt-Mediengruppe in Baden-Baden gehörende Verlag Madeleines Persönlichkeitsrechte jahrelang "rücksichtslos" verletzt habe.

Die Revision zum Bundesgerichtshof hat das Oberlandesgericht nicht zugelassen, teilte Medienanwalt Matthias Prinz mit. Er vertrat die Adelige vor Gericht und erstritt das, nach seinen Angaben, bisher höchste Schmerzensgeld, das in einem Presserechtsprozess in Deutschland je zugesprochen wurde. Die Prinzessin, die in der schwedischen Thronfolge an dritter Stelle steht, wolle das Geld gemeinnützigen Initiativen spenden, sagte Prinz. Er hatte die Klatschpresse nach verunglimpfenden Artikeln durchforstet und zog schließlich mit 86 Artikeln aus "Frau mit Herz" und "Welt der Frau" über die jüngste Tochter von König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia vor den Kadi. Die Klambt-Gruppe äußerte sich bisher nicht zu dem Urteil.

Das schwedische Königshaus hatte 2003 beschlossen, mit Hilfe des Hamburger Anwalts systematisch gegen falsche und verzerrende Zeitschriftenartikel über Prinzessin Madeleine und ihre ältere Schwester, Kronprinzessin Victoria (31), vorzugehen. Daraufhin hatte der Medienrechtler 2005 vor der Pressekammer des Landgerichts Hamburg eine Klage gegen die umstrittenen Artikel eingereicht und in Madeleines Namen mindestens 500.000 Euro Entschädigung sowie eine Pflicht zur öffentlichen Richtigstellung gefordert. Das Landgericht sprach der Klägerin 300.000 Euro zu. Dagegen hatten die Prozessparteien Berufung vor dem Oberlandesgericht eingelegt.

In seiner heutigen Entscheidung bestätigte dieses Gericht die Vorinstanz und erhöhte die Schadenersatzsumme auf 400.000 Euro. Mit den "unstreitig unwahren" Artikeln hat der Verlag nach Ansicht der Richter Madeleines Persönlichkeitsrechte zum Zwecke der Auflagensteigerung und Gewinnerzielung in einem solchen Ausmaß verletzt, dass mit der Schadenersatzsumme ein abschreckender "echter Hemmungseffekt" geschaffen werden müsse, sagte ein Gerichtssprecher.

Dass der Schadenersatz nicht noch höher ausfiel, begründeten die Richter damit, dass viele der 86 Artikel aus dem Zeitraum Januar 2000 bis Juli 2004 aufeinander Bezug nahmen und als Einheit zu betrachten seien. Ebenfalls nicht durchsetzen konnte sich die Klägerin mit dem Wunsch nach nachträglichen Richtigstellungen. Ein Rechtsanspruch auf Berichtigung und Widerruf bestehe nur so lange, wie sich die fraglichen Behauptungen noch im Bewusstsein der Öffentlichkeit befänden. Da die Artikel schon vor Jahren erschienen, sei dies in diesem Fall nicht gegeben.