Machtkampf um Conti Schaeffler will hart durchgreifen

Der Großaktionär arbeitet weiter daran, Conti-Chef Karl-Thomas Neumann abzulösen. Ein Holding-Modell soll helfen, die hohen Schulden abzubauen

Kämpfen um die Vorherrschaft bei Conti: Schaeffler-Eignerin Maria-Elisabeth Schaeffler (rechts), ihr Sohn Georg F.W. Schaeffler (links) und Chefaufseher Rolf Koerfer

Kämpfen um die Vorherrschaft bei Conti: Schaeffler-Eignerin Maria-Elisabeth Schaeffler (rechts), ihr Sohn Georg F.W. Schaeffler (links) und Chefaufseher Rolf Koerfer

Nach dem Eklat in der Conti-Aufsichtsratssitzung der vergangenen Woche will Großaktionär Schaeffler jetzt Fakten schaffen. Um die drastische Verschuldung des Unternehmens in den Griff zu bekommen, plant Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger Handelsblatt-Informationen zufolge die Gründung einer neuen Holding, genannt "HolCo". An diese Holding soll eine operative Einheit ("OpCo") gehängt werden, die das operative Schaeffler-Geschäft und die börsennotierte Continental AG umfasst. Damit ist eine neue Runde im Spiel um die Vorherrschaft eröffnet.

Die insgesamt 22 Milliarden Euro Schulden sollen zwischen den Gesellschaften aufgeteilt werden. So müsste Schaeffler nicht mit seiner vollen Schuldenlast in eine spätere Fusion mit Conti gehen. In einem halben oder einem Jahr soll Conti dem Plan zufolge dann mit der "OpCo" verschmolzen werden.

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Der bisherige Continental-Chef Karl-Thomas Neumann könnte dem Manöver zum Opfer fallen: Schaeffler will an Elmar Degenhart als neuem Conti-Chef festhalten. Auch das Finanzressort in Hannover könnte bald mit einem Schaeffler-Mann besetzt werden. Der kommissarische Conti-Finanzvorstand Gerard Cordonnier gibt Handelsblatt-Informationen zufolge diesen Posten auf, Manager der Conti-Sparte Interior will er aber bleiben.

Bislang hat eine Investorenvereinbarung den harten Durchgriff Schaefflers verhindert. Ex-Kanzler Gerhard Schröder - als Garant für die Conti-Interessen verpflichtet - betonte im Handelsblatt, Schaeffler habe versichert, dass "die Interessenvereinbarung uneingeschränkt gilt". Mit Degenhart als Conti-Chef würde der Einfluss Schaefflers dennoch wachsen.

Rückendeckung ihrer Banken haben die Franken offenbar. Auch für Conti-Banken hätte eine Holding-Lösung Vorteile. In politischen Kreisen wird zudem damit gerechnet, dass Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) sich nicht so stark einmischen wird wie im Fall Porsche/VW. Sein bayerischer Amtskollege Horst Seehofer (CSU) stellte Schaeffler im Gespräch mit dem Handelsblatt Staatshilfen in Aussicht. "Auf Grundlage eines vernünftigen Konzepts bin ich jederzeit bereit, Hilfen zu organisieren." Schaeffler sei im Kern ein gesundes Unternehmen.

Unterdessen treibt Schaeffler seinen Plan weiter voran, den Continental-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann durch einen Vertrauten zu ersetzen. In den nächsten Tagen soll sich Degenhart, Chef von Schaefflers Autozuliefersparte, den Arbeitnehmervertretern von Conti präsentieren, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrates. "Es gibt das Interesse, Herrn Degenhart kennenzulernen", bestätigte Contis stellvertretender Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE dem Handelsblatt. Bischoff setzt dennoch weiter auf den amtierenden Konzernchef Neumann.

Am 12. August soll sich das Conti-Kontrollgremium erneut in Hannover treffen. Zur Abstimmung kommt, nachdem ein Vermittlungsverfahren gescheitert war, wieder die Personalie Neumann. In der entscheidenden Runde reicht dann eine einfache Mehrheit zur Abwahl des Vorstandschefs. Die Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat hatten vergangene Woche erfolglos versucht, Neumann zu kippen.

Die Arbeitnehmer haben noch Hoffnung auf ein Umdenken: "Vielleicht ändert sich die Meinung bei einigen der Anteilseigner", sagt Gewerkschafter Bischoff. Im Auge hat er dabei vor allem Gunter Dunkel, Chef der Norddeutschen Landesbank (NordLB), und Michael Frenzel, Chef des Reisekonzerns TUI mit Firmensitz Hannover. Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine geht mit diesen Conti-Aufsichtsräten hart ins Gericht: "Das Abstimmungsverhalten der niedersächsischen Kapitalvertreter ist völlig inakzeptabel", sagte Meine dem Handelsblatt.

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