Krise Siemens streicht 1600 Stellen
Die Wirtschaftsflaute belastet den Technologiekonzern stärker als von Experten angenommen. Erstmals seit Ausbruch der Krise ging auch der Umsatz zurück
Der Auftragseingang brach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 17,2 Milliarden Euro um 28 Prozent ein. Das teilte die Siemens AG in München mit. Durch das langfristig angelegte Geschäft des Industrieriesen verbuchte Siemens im abgelaufenen Quartal einen Umsatzrückgang um vier Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Damit schnitt der Konzern deutlich schlechter ab, als von vielen Experten erwartet. Die Zukunft sieht nicht gerade besser aus: Das Neugeschäft des Technologiekonzerns sackte um mehr als ein Viertel ab.
Siemens hatte den Beginn der Wirtschaftskrise noch fast unbeschadet überstanden, bereits zwischen Januar und März bekam das Unternehmen dann einen Auftragsschwund zu spüren. Aufgrund der Flaute waren zuletzt rund 19.000 der rund 130.000 Siemens-Beschäftigten in Deutschland in Kurzarbeit.
Von den 1600 gestrichenen Stellen seien vorwiegend Standorte im Ausland betroffen, erklärte das Unternehmen in München. In Österreich streicht das Unternehmen rund 650 Stellen beim Software-Entwickler Siemens PSE sowie weitere 250 Jobs bei VAI Metal Technologies. Beim IT-Dienstleister SIS in Großbritannien fallen rund 300 Stellen weg und in der Gebäudetechnologie weltweit rund 300 Arbeitsplätze, davon rund 120 in Deutschland. Weitere 100 Jobs werden bei Osram in Frankreich gestrichen. Für den Stellenabbau fallen im vierten Quartal 2008/09 (30. September) rund 100 Millionen Euro an Restrukturierungskosten an.
Die geringere Auslastung der Fabriken schlug sich auf die Ergebnisse nieder. In seinen drei Kerngeschäftsfeldern Industrie, Energie und Medizintechnik verdiente Siemens mit knapp 1,7 Milliarden Euro ein Fünftel weniger. Unterm Strich ging der Gewinn dagegen nur leicht von 1,4 Milliarden auf 1,3 Milliarden zurück. Dabei half der Verkauf von Immobilien sowie des Anteils am Computer-Dienstleister Fujitsu Siemens. Beide Effekte zusammen verbesserten das Ergebnis um mehr als 500 Millionen Euro.
Besonders schwer wird es weiterhin das Industriesegment von Siemens haben, vor allem die Industrieautomatisierung, die Antriebstechnik und die Licht-Tochter Osram. Das Ergebnis des Sektors sank im dritten Quartal um mehr als die Hälfte auf 534 Millionen Euro. Das Geschäftsfeld leide unter Produktionskürzungen bei den Kunden, hieß es. Die Summe der Neuaufträge fiel, auch bedingt durch einen Großauftrag der Zugsparte im Vergleichsquartal des Vorjahrs um 42 Prozent.
Auch im lange Zeit stabilen Energie-Sektor wachsen die Probleme. Hier nahm der Bestelleingang um 15 Prozent ab. Der Energiebereich profitiere allerdings noch vom hohen Auftragsbestand und steigerte das Segmentergebnis um 40 Prozent auf 863 Millionen Euro, aber auch dort werden die Auftragsbücher dünner. Siemens gehört zu den weltweit größten Anbietern von Kraftwerken, Netztechnik und Windrädern auf hoher See. Auch das Geschäft mit der Sonnenenergie baut der Konzern aus. Siemens gehört zu den Unternehmen, die sich in der Wüstenstrom-Initiative Desertec zusammengeschlossen haben.
Die Medizintechnik stagnierte nahezu. Sie litt unter Problemen in der Partikeltherapie, die bei der Behandlung von Krebserkrankungen zum Einsatz kommt. Das Ergebnis wurde um 17 Prozent auf 270 Milliarden Euro geschmälert.
Für das laufende Geschäftsjahr 2008/09 geht Siemens allerdings weiterhin von einem operativen Gewinn seiner Kerngeschäftsfelder von mindestens 6,6 Milliarden Euro aus.
- Datum 30.07.2009 - 12:27 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, aku
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