Bosnien Zwei Massengräber in Srebrenica entdeckt
Anfang Juli gab es schon Hinweise. Jetzt wurden erneut Gräber in Ostbosnien gefunden, in denen angeblich sechs Erwachsene und zwei Neugeborene begraben sind
Vierzehn Jahre nach dem Massaker an Muslimen im ostbosnischen Srebrenica sind mindestens zwei Massengräber innerhalb des damaligen Stützpunktes der niederländischen UN-Truppen gefunden worden. Hinweise auf die Gräber waren erst Anfang Juli von ehemaligen holländischen Blauhelmsoldaten eingegangen. In den Gräbern befänden sich die Überreste von sechs Erwachsenen und zwei Neugeborenen, wie der Föderale Fernsehsender in Sarajevo berichtete. Die Todesursache ist noch unbekannt.
Das Massaker von Srebrenica ist das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Am 11. Juli 1995 eroberten bosnisch-serbische Truppen die von Muslimen bewohnte Stadt, obwohl sie UN-Schutzzone war. Kampflos überließ ein kleines Kontingent niederländischer Blauhelme den Angreifern unter General Ratko Mladić die Stadt. Rund 8000 überwiegend männliche Muslime wurden abgeführt, die meisten erschossen und in Massengräbern verscharrt. Mehr als 30.000 Kinder, Greise und Frauen wurden aus ihren Wohnungen vertrieben.
Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den ehemaligen bosnischen Serbenführer Radovan Karadžić und dessen Armeechef Ratko Mladić wegen dieses Kriegsverbrechens angeklagt. Mladić ist auf der Flucht. Karadžić wurde vor einem Jahr in Serbien gefasst und an das Tribunal ausgeliefert.
Chefankläger Brammertz und Tribunal-Präsident Patrick Robinson hatten Anfang Juni im UN-Sicherheitsrat erklärt, dass der Prozess gegen Karadžić wohl noch im August beginnen und sich mit der erwarteten Berufung bis 2013 hinziehen könnte. Karadžić, der sich selbst verteidigt, geht nach eigenen Angaben davon aus, dass viele der Menschen bereits vor dem Srebrenica-Massaker gestorben sind oder bei Gefechten umkamen.
Karadžić will beweisen, dass die bislang genannte Zahl von rund 8000 Toten weit übertrieben sei, erklärte der einstige bosnische Serbenführer vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag.
In Bosnien haben am 11. Juli dieses Jahres Zehntausende der Opfer des Srebrenica-Massakers gedacht. Am Jahrestag der Gräueltat wurden 534 neu identifizierte Opfer beigesetzt. Bislang wurden mehr als 3200 der insgesamt mehr als 8000 muslimischen Jungen und Männer beerdigt, die während des Bosnien-Kriegs in den neunziger Jahren von bosnischen Serben getötet worden waren.
- Datum 31.07.2009 - 11:14 Uhr
- Serie News
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, bm
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