Wirtschaftskrise In den USA kündigt sich der Aufschwung an

800 Milliarden Dollar hat US-Präsident Obama gegen den Willen der Opposition in die Wirtschaft gepumpt. Tatsächlich scheint die Rezession nun an Schärfe zu verlieren

Der Immobilienmarkt hat die Talsohle offenbar durchschritten. Beim Konsum hapert es aber noch

Barack Obamas Konzept, die schwere Wirtschaftskrise mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen zu bekämpfen, scheint aufzugehen. Die Rezession in den USA hat spürbar an Schärfe verloren, die Wirtschaftsleistung ging im Frühjahr – aufs Jahr hochgerechnet – nur noch um ein Prozent zurück, teilte das Handelsministerium mit.

Zum Vergleich: Zu Hochzeiten der Wirtschaftskrise Anfang des Jahres war die weltgrößte Volkswirtschaft um 6,4  statt wie bislang angenommen um 5,5 Prozent geschrumpft. Einen solch massiven Einbruch haben die USA seit Anfang 1982 nicht mehr erlebt.

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Als Grund für die Entschleunigung der Rezession wird der deutlich gestiegene Staatskonsum genannt. Die Regierung in Washington gab 10,9 Prozent mehr aus, die Bundesstaaten und Kommunen steigerten ihre Konsumausgaben um 2,4 Prozent.

Die USA hatten ein 787 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm aufgelegt, um die Krise zu bekämpfen. Obama musste sein Programm gegen den Willen der Opposition durchboxen.

Immobilienbranche erholt sich, Arbeitsmarkt macht weiterhin Sorgen

Dennoch bleiben in den USA zahlreiche Baustellen bestehen: Die Arbeitslosenquote ist auf ein erschreckendes Hoch von 9,5 Prozent gesprungen, die Verbraucher konsumieren entsprechend wenig. Der private Konsum – die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft – fiel um 1,2 Prozent. Im ersten Quartal hatte er noch zugelegt.

"Aus den Daten kann man eines klar herauslesen: Zwischen Verbrauchern und Wirtschaft geht die Schere immer weiter auseinander", bewertete Analyst Ashraf Laidi von CMC Markets die aktuelle Situation in den USA.

Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Ein besonderes Problem bleibt auch in naher Zukunft die hohe Zahl der Arbeitslosen. Laut Notenbankchef Ben Bernanke wird die Arbeitslosigkeit auch bei einer Stabilisierung der Konjunktur in den kommenden Monaten hoch bleiben. Nach Ansicht von Präsident Barack Obama hat sich die Wirtschaft zwar ein wenig vom Abgrund entfernt. Der Abbau von Arbeitsplätzen sei aber weiter ein "Riesenproblem".

Positive Signale kamen zuletzt vom Wohnimmobilienmarkt: Der Verkauf neuer Eigenheime in den USA zog im Juni so stark an wie seit achteinhalb Jahren nicht mehr.

Das Platzen der Immobilienblase in den USA hatte die weltweite Finanzkrise ausgelöst. Der steigende Absatz gilt als Hinweis darauf, dass die Krise am Immobilienmarkt ihren Höhepunkt überschritten hat.

 
Leser-Kommentare
  1. Das Licht im Tunnel könnte natürlich auch ein entgegenkommendes Auto sein. Naja, wer will kann kaufen, happy sind nur die, die ihren Schrott loswerden.

    • politz
    • 31.07.2009 um 20:40 Uhr

    Diese Frage wirft sich auf, wenn man diese Meldung von Reuters liest. Denn wenn man das bisherige Q1-Ergebnis plus Analysten-Schätzung Q2 mit dem revidierten Q1-Ergebnis und dem vorläufigen Q2 vergleicht, dann ist die Rezession in 2009 um 0,4 Prozentpunkte stärker als gedacht – ganz zu schweigen von den Abwärtsrevisionen für 2008. Denn das in Höhe von 0,5 Prozentpunkten besser als erwartete Q2 kann das in Höhe von 0,9 Prozentpunkten schlechter als geschätzte Q1 nicht aufwiegen.

    Wie bereits von anderen Medien angemerkt wurde, war es nur der Staatskonsum, der den Einbruch in Grenzen hielt. Es ist nicht schwer zu erraten warum: just seit Beginn von Q2, dem 1. April erhalten die Amerikaner umfangreiche Steuersenkungen, die auf Drängen der Republikaner deutlich aufgestockt wurden. Diese Entlastung fällt ab Q3 wieder weg. Genau so wichtig sind die massiv steigenden Ausgaben für die Arbeitslosenversicherung, die den Konsum stützen. Sobald die Massenentlassungen von Januar, Februar, März und April sechs Monate (Bezugsdauer Arbeitslosengeld) zurückliegen, fallen die Ausgaben aber wieder.

    Und selbst wenn man dem Q2 zubilligt, signifikant besser ausgefallen zu sein als Q1, so ist hier das letzte Wort bekanntlich noch nicht gesprochen. Zwei Revisionen stehen noch bis zur Q3-Veröffentlichung aus, und auch danach erfolgen oft nicht minder große nachträgliche Veränderungen des Datenmaterials. Dass diese Revisionen meistens und seit Beginn der Rezession immer nach unten vorgenommen werden, könnte ruhig auch mal Reuters zur Kenntnis nehmen – und auf voreilige Schlussfolgerung von einer "Stabilisierung" der Wirtschaft zu verzichten.

  2. Wenn ich mal eben so Staatsanleihen in Höhe von 1 Billion Dollar unter´s Volk bringen wollen würde, dann würde ich auch in der Presse lancieren, dass meine Geschäfte bestens laufen...

    Aber das ist alles wohl vergeblich - der Greenback ist ein lebender Toter, der lediglich noch von den Zentralbanken Chinas, Japans und der Golfstaaten am Leben gehalten wird, weil die in den letzten Jahrzehnten zum Schutz vor Aufwertung ihrer Währungen Dollaranleihen in Billionenhöhe angekauft hatten und nun darin gefangen sind: Steigen sie aus, löst das eine Lawine aus, die ihre Reserven minimiert und ihre Währungen massiv aufwerten würde. Kaufen sie nicht mehr, werten ihre exportsensiblen Währungen zumindest langsam aber stetig auf.

    Die USA haben eigentlich alles richtig gemacht - sie müssen sich nur noch rechtzeitig zu günstigen Zinssätzen verschulden, bevor die Wirtschaft anzieht. Springt die Konjunktur dann tatsächlich an, dann kann die Fed (im Gegensatz zur EZB) nicht sofort die gesamte Geldmenge wieder vom Markt absaugen. In der Konsequenz könnte es Inflationsraten von 10 bis 15 % geben und die US-Regierung ist binnen weniger Jahre ihre Schulden los.

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    • politz
    • 31.07.2009 um 22:33 Uhr

    ...mal wieder, dass unglaublich viel Macht in den Händen weniger Zentralbanken liegt. Entscheiden sie sich, keine Treasuries mehr zu kaufen, springen die Zinsen in die Höhe und der Dollar wertete sprunghaft ab. Die alles entscheidende Frage, von der der Zukunft des US-Dollars abhängen wird, heißt also: können wir diesen Zentralbanken wirklich vertrauen? Die Vergangenheit bietet ein sehr ernüchterndes Bild.

    • politz
    • 31.07.2009 um 22:33 Uhr

    ...mal wieder, dass unglaublich viel Macht in den Händen weniger Zentralbanken liegt. Entscheiden sie sich, keine Treasuries mehr zu kaufen, springen die Zinsen in die Höhe und der Dollar wertete sprunghaft ab. Die alles entscheidende Frage, von der der Zukunft des US-Dollars abhängen wird, heißt also: können wir diesen Zentralbanken wirklich vertrauen? Die Vergangenheit bietet ein sehr ernüchterndes Bild.

    • politz
    • 31.07.2009 um 22:33 Uhr

    ...mal wieder, dass unglaublich viel Macht in den Händen weniger Zentralbanken liegt. Entscheiden sie sich, keine Treasuries mehr zu kaufen, springen die Zinsen in die Höhe und der Dollar wertete sprunghaft ab. Die alles entscheidende Frage, von der der Zukunft des US-Dollars abhängen wird, heißt also: können wir diesen Zentralbanken wirklich vertrauen? Die Vergangenheit bietet ein sehr ernüchterndes Bild.

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    Ja, das ist leider so.

    Die FED ist gemäß dem Federal Reserve Act weder öffentlich-rechtlich noch unabhängig - vielmehr gehört sie einigen US-Großbanken und kann sie (bzw. den Rest der Welt) dank der Notenpresse jederzeit mit beliebig viel Geld versorgen. Ihre Unabhängigkeit von der US-Regierung hatte die FED hingegen in der Vergangenheit immer wieder betont.

    Glaubt man jedoch PResseberichten der letzten Wochen, so scheint die US-Regierung schleichend immer mehr Einfluss auf die Politik der FED zu nehmen - insbesondere soll Bernanke dazu überredet werden, im Falle eines Aufschwungs eben nicht die aufgeblähte Geldmenge wieder einzufangen, weil er dazu Unmengen von US-Staatsanleihen auf den Markt schmeißen müsste, was für die US-Regierung einem Crowding-out gleichkäme. Denn sie könnte dann ihre neuen Schuldverschreibungen womöglich nur noch zu höheren Zinssätzen und nicht mehr in voller Höhe am Markt platzieren. Ergo muss die FED einen massiven Inflationsschub in Kauf nehmen, wenn die Wirtschaft sich jemals wieder erholen sollte oder es zum (m.E. wahrscheinlicheren) Phänomen der StagFlation kommt.

    Die Zentralbanken Chinas, Japans und der Golfstaaten sind m.E. nur ihren direkten Aufträgen der Regierungen gefolgt, den Außenwert der Währung zu stabilisieren. Die EZB ist als einzige einen halbwegs vernünftigen Weg gegangen, indem sie ihre Geldpolitik nicht massiv auf den langfristigen Ankauf von toxischen Papieren und Staatsanleihen ausgerichtet hat.

    Spannend ist, was die EZB zu tun gedenkt, wenn die große US-Dollar-Inflation kommen sollte - der Euro dürfte dann massiv aufwerten, weil sich die Devisenkurse massiv verschieben dürften und weil alle Welt raus aus dem Dollar und rein in den "save haven" Euro will (der Schweizer Franken und das brit. Pfund sind zu klein, um alle Welt aufzunehmen). Es sei denn, die EZB fährt ebenfalls eine inflationäre Geldpolitik, indem z.B. der Wechselkurs zum US-Dollar festgelegt wird. DAS kann nämlich jederzeit der Rat der EU in der Formation der Finanzminister (ECOFIN) beschließen. Damit könnten sich auch die EU-Finanzminister ihrer lästigen Schulden ohne Steuererhöhungen entledigen...

    Ja, das ist leider so.

    Die FED ist gemäß dem Federal Reserve Act weder öffentlich-rechtlich noch unabhängig - vielmehr gehört sie einigen US-Großbanken und kann sie (bzw. den Rest der Welt) dank der Notenpresse jederzeit mit beliebig viel Geld versorgen. Ihre Unabhängigkeit von der US-Regierung hatte die FED hingegen in der Vergangenheit immer wieder betont.

    Glaubt man jedoch PResseberichten der letzten Wochen, so scheint die US-Regierung schleichend immer mehr Einfluss auf die Politik der FED zu nehmen - insbesondere soll Bernanke dazu überredet werden, im Falle eines Aufschwungs eben nicht die aufgeblähte Geldmenge wieder einzufangen, weil er dazu Unmengen von US-Staatsanleihen auf den Markt schmeißen müsste, was für die US-Regierung einem Crowding-out gleichkäme. Denn sie könnte dann ihre neuen Schuldverschreibungen womöglich nur noch zu höheren Zinssätzen und nicht mehr in voller Höhe am Markt platzieren. Ergo muss die FED einen massiven Inflationsschub in Kauf nehmen, wenn die Wirtschaft sich jemals wieder erholen sollte oder es zum (m.E. wahrscheinlicheren) Phänomen der StagFlation kommt.

    Die Zentralbanken Chinas, Japans und der Golfstaaten sind m.E. nur ihren direkten Aufträgen der Regierungen gefolgt, den Außenwert der Währung zu stabilisieren. Die EZB ist als einzige einen halbwegs vernünftigen Weg gegangen, indem sie ihre Geldpolitik nicht massiv auf den langfristigen Ankauf von toxischen Papieren und Staatsanleihen ausgerichtet hat.

    Spannend ist, was die EZB zu tun gedenkt, wenn die große US-Dollar-Inflation kommen sollte - der Euro dürfte dann massiv aufwerten, weil sich die Devisenkurse massiv verschieben dürften und weil alle Welt raus aus dem Dollar und rein in den "save haven" Euro will (der Schweizer Franken und das brit. Pfund sind zu klein, um alle Welt aufzunehmen). Es sei denn, die EZB fährt ebenfalls eine inflationäre Geldpolitik, indem z.B. der Wechselkurs zum US-Dollar festgelegt wird. DAS kann nämlich jederzeit der Rat der EU in der Formation der Finanzminister (ECOFIN) beschließen. Damit könnten sich auch die EU-Finanzminister ihrer lästigen Schulden ohne Steuererhöhungen entledigen...

  3. Ein interessantes kurzes Interview das Max Keiser mit Dmitry Orlov führte und das seit ein paar Minuten online ist: http://www.youtube.com/wa...

    Es wird keinen wirklichen Aufschwung geben, vor allem keinen von dem der Grossteil der Menschen profitiert. Das dicke Ende kommt wohl erst noch(Ich hoffe ich täusche mich).

  4. ..wird es immer ein bisschen besser.

  5. Ja, das ist leider so.

    Die FED ist gemäß dem Federal Reserve Act weder öffentlich-rechtlich noch unabhängig - vielmehr gehört sie einigen US-Großbanken und kann sie (bzw. den Rest der Welt) dank der Notenpresse jederzeit mit beliebig viel Geld versorgen. Ihre Unabhängigkeit von der US-Regierung hatte die FED hingegen in der Vergangenheit immer wieder betont.

    Glaubt man jedoch PResseberichten der letzten Wochen, so scheint die US-Regierung schleichend immer mehr Einfluss auf die Politik der FED zu nehmen - insbesondere soll Bernanke dazu überredet werden, im Falle eines Aufschwungs eben nicht die aufgeblähte Geldmenge wieder einzufangen, weil er dazu Unmengen von US-Staatsanleihen auf den Markt schmeißen müsste, was für die US-Regierung einem Crowding-out gleichkäme. Denn sie könnte dann ihre neuen Schuldverschreibungen womöglich nur noch zu höheren Zinssätzen und nicht mehr in voller Höhe am Markt platzieren. Ergo muss die FED einen massiven Inflationsschub in Kauf nehmen, wenn die Wirtschaft sich jemals wieder erholen sollte oder es zum (m.E. wahrscheinlicheren) Phänomen der StagFlation kommt.

    Die Zentralbanken Chinas, Japans und der Golfstaaten sind m.E. nur ihren direkten Aufträgen der Regierungen gefolgt, den Außenwert der Währung zu stabilisieren. Die EZB ist als einzige einen halbwegs vernünftigen Weg gegangen, indem sie ihre Geldpolitik nicht massiv auf den langfristigen Ankauf von toxischen Papieren und Staatsanleihen ausgerichtet hat.

    Spannend ist, was die EZB zu tun gedenkt, wenn die große US-Dollar-Inflation kommen sollte - der Euro dürfte dann massiv aufwerten, weil sich die Devisenkurse massiv verschieben dürften und weil alle Welt raus aus dem Dollar und rein in den "save haven" Euro will (der Schweizer Franken und das brit. Pfund sind zu klein, um alle Welt aufzunehmen). Es sei denn, die EZB fährt ebenfalls eine inflationäre Geldpolitik, indem z.B. der Wechselkurs zum US-Dollar festgelegt wird. DAS kann nämlich jederzeit der Rat der EU in der Formation der Finanzminister (ECOFIN) beschließen. Damit könnten sich auch die EU-Finanzminister ihrer lästigen Schulden ohne Steuererhöhungen entledigen...

    Antwort auf "Das zeigt..."
    • Zapp54
    • 01.08.2009 um 10:05 Uhr

    am RECK oda Seitpferd ??

    "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." (Karl Valentin)

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