Die CDU hat in Berlin ihre Wahlkampf-Plakate vorgestellt. Doch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen nicht sie, sondern ein Coup der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld. Die Berliner Bundestagskandidatin posiert auf ihren Plakaten im tief ausgeschnittenen Abendkleid, daneben das berühmte "Dekolleté-Bild" der Kanzlerin aus der Osloer Oper. "Wir haben mehr zu bieten" ist der Slogan.

Die Bundes-CDU setzt hingegen auf die Wirkung ihrer bekleideten und hochgeschlossenen – Bundesminister.  "Wir haben die Kraft" ist der Slogan auf den Großplakaten, die ab nächster Woche bundesweit aufgestellt werden. Die CDU präsentiert dabei auch das Spitzenpersonal ihrer Schwesterpartei und wirbt zusätzlich mit den CSU-Ministern Karl-Theodor zu Guttenberg und Ilse Aigner um die Wählergunst. Angela Merkel spielt in dieser ersten Wahlkampfphase nur eine Nebenrolle, sie ist auf kleinen Plakaten, die an Laternenpfählen hängen, zu sehen.

Dass die CDU-Spitzenkandidatin samt tief ausgeschnittenem Dekolleté auf den Lengsfeld-Plakaten prangt, dürfte Merkel überrascht haben. Die Aktion sei mit der Kanzlerin nicht abgesprochen, sagte Lengsfeld der Nachrichtenagentur Reuters. Und auch in der CDU-Zentrale ist man überrascht. Ein CDU-Sprecher sagt knapp: "Das ist nicht mit uns abgestimmt."

Die offiziellen Plakate sollen "Optimismus und Zuversicht" vermitteln, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in Berlin. Die Konterfeis der sechs Ministerinnen und Minister von CDU/CSU stehen dabei für jeweils ihr Ressort. "Wir haben die Kraft für starke Familien" steht neben einer lächelnden Ursula von der Leyen, Guttenberg steht für die "Kraft für Wirtschaft mit Vernunft".

Wahlkampfforscher Frank Brettschneider hält die offiziellen Plakate für "ziemlich gelungen". Die CDU habe verstanden, dass sich durch Personen allein keine Wahl gewinnen lasse und die Köpfe der Minister mit ihren Themen verknüpft. Der Slogan "Wir haben die Kraft" klinge zwar ein wenig "wie die holperige Übersetzung von Yes, we can", passe aber zur aktuellen Lage.

"In Krisenzeiten wünschen sich die Wähler Sicherheit, Kompetenz und Zuversicht", sagte Brettschneider ZEIT ONLINE. Das Thema Sicherheit wird gleich doppelt repräsentiert: Verteidigungsminister Fanz Josef Jung und Innenminister Wolfgang Schäuble zeigen durch ernste Mienen die Wichtigkeit ihres Anliegens. Die Zuversicht wird verkörpert von den Ministerinnen von der Leyen und Aigner sowie von Minister zu Guttenberg – alle lächeln.

Mit dieser "ersten Welle" der Plakate versuche die CDU mit ihren Ministern auf vermeintliche erreichte Erfolge hinzuweisen, sagt Brettschneider. Das "Wir" im Slogan solle nicht nur die Union repräsentieren, sondern die ganze Bevölkerung: Die drei Buchstaben sind, wie schon im Europawahlkampf, mit der deutschen Flagge hinterlegt.