Extrem-Bergsteigen Wettlauf der Gipfelstürmerinnen

Alle Achttausender der Erde besteigen, das hat noch keine Frau geschafft. Doch vier Bergsteigerinnen kommen dem Weltrekord Gipfel für Gipfel näher

Am Ende fehlten nur wenige hundert Höhenmeter. Den Schnee bis zur Brust, blieb Gerlinde Kaltenbrunner stecken in den weißen Massen des zweithöchsten Berges der Erde. Der zweite Versuch der Österreichischen Extrem-Bergsteigerin, den 8611 Meter hohen K2 an der Grenze zwischen China und Pakistan zu besteigen, war gescheitert.

Vier Bergsteigerinnen haben sich das Ziel gesetzt, alle Achttausender der Erde zu bezwingen: die Italienerin Nives Meroi, die Spanierin Edurne Pasaban, die Südkoreanerin Oh Eun Sun und Gerlinde Kaltenbrunner. Noch hat es keine von ihnen geschafft.

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Die besten Chancen auf den Weltrekord hat die Südkoreanerin Oh Eun Sun. Am vergangenen Montag erreichte sie die Spitze des 8068 Meter hohen Gasherbrum I im Karakorum-Gebirge an der Grenze zwischen China und Pakistan – der 13. von 14 Achttausendern im Gipfel-Portfolio der 43-Jährigen. Nur einen Tag später wollte Kaltenbrunner aufschließen. Doch der K2 war nicht zu bezwingen.

Dabei war es ein idealer Tag. Wolkenlos und sonnig, ganz wie es ihr Wetterexperte Karl Gabl in Innsbruck prognostiziert hatte. Hunderte Kilometer konnten Gerlinde Kaltenbrunner und ihre Begleiter, die beiden Kasachen Maxut Zhumayev und Vassily Pivtsov sowie der Russe Serguey Bogomolov über das Karakorum-Gebirge blicken. Schließlich blieben alle vier im brusttiefen Schnee stecken. Weiter ging es nicht.

Der K2, er scheint Kaltenbrunners Schicksalsberg zu werden. Im Sommer 2007 musste sie auf 8200 Meter abbrechen. Der Berg, wohlgeformt und wie von Kinderhand gemalt, ist unter Bergsteigern gefürchtet. Der zweithöchste Achttausender der Erde gilt als der schwierigste zu besteigende Berg der Welt. Hohe Minusgrade, Schneemassen und Lawinengefahr machen den K2 unberechenbar. Nur knapp 300 Menschen sollen je auf seinem Gipfel gestanden haben. Lediglich elf von ihnen waren Frauen. 78 Bergsteiger starben bisher bei Auf- und Abstieg, allein elf im Jahr 2008.

Oh Eun Sun, die auf ihren Expeditionen auch Hubschrauber und Sauerstoffflaschen einsetzt, fehlt von den 14 Achttausendern nur noch der Annapurna – ein extrem schwieriger und steiler Berg in Nepal. Kaltenbrunner erreichte diesen Gipfel bereits im Mai 2004. Oh hatte geplant, ihn noch in diesem Jahr mit ihrer Bergsteiger-Kollegin Ko-Mi-Young zu bezwingen, doch die verunglückte im Juli am Nanga Parbat tödlich.

Die beiden kasachischen Bergsteiger wollten es nach einer weiteren Nacht auf 8000 Metern noch einmal wagen. Doch Kaltenbrunner entschloss sich umzukehren: kein Erfolg um jeden Preis. "Nachdem sie Ende Mai auf dem Lhotse stand, nun zwei weitere Male auf circa 8300 Meter, wäre die Gefahr sich mit dem stark eingedickten Blut eventuell eine Thrombose oder gar Schlimmeres einzuhandeln einfach zu groß", schrieb ihr Ehemann Ralf Dujmovits auf Kaltenbrunners Website, nachdem er von ihr via Funktelefon über den Abstieg informiert wurde. Dujmovits hatte im Mai gemeinsam mit seiner Frau den 8516 Meter hohen Lhotse in Nepal bestiegen.

Während Kaltenbrunners K2-Expedition blieb ihr Ehemann im Basislager; informierte von dort Freunde, Verwandte und die Presse. In Österreich ist Gerlinde Kaltenbrunner längst ein Star, der Wettkampf fasziniert die Massen. Rund um die Uhr berichten die Internetseiten der großen Zeitungen und Medienanstalten über Kaltenbrunners Gipfelsturm. Die betont stets, dass während ihrer Bergtouren nicht der Wettbewerb, sondern nur ihr eigener Ehrgeiz im Vordergrund stehe.

In der kommenden Saison wird sie es wieder versuchen. Die 38-Jährige gilt trotz ihres Scheiterns als eine aussichtsreiche Kandidatin auf den Rekord. Neben dem K2 will sie noch den höchsten Berg der Erde, den Mount Everest besteigen.

 
Leser-Kommentare
    • useuro
    • 10.08.2009 um 19:53 Uhr

    ... das muss doch ein Traum sein! Hat das etwa noch kein Mensch gemacht? Na, dann aber nix wie hin!

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  • Schlagworte Pakistan | China | Nepal | Österreich | Berg | Innsbruck | Nanga Parbat
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