Börse Warten auf die positive Überraschung

In Frankfurt sinkt der Dax - dabei geht es der Konjunktur nicht schlechter als vor wenigen Tagen. Kurzfristig aber kann es kaum besser werden, glauben die Börsianer

Am vergangenen Freitag an der New Yorker Börse: Der Leitindex Dow Jones stieg nach der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktdaten an

Am vergangenen Freitag an der New Yorker Börse: Der Leitindex Dow Jones stieg nach der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktdaten an

An den Börsen ist alles möglich, vor allem das Gegenteil dessen, was man erwartet. Positive Konjunkturdaten können die Aktienkurse steigen lassen. Doch immer wieder gibt es auch lange Phasen, in denen die Kurse trotz guter Indikatoren sinken oder trotz schlechter Indikatoren steigen.

Der Dax zum Beispiel begann die Woche mit Verlusten, obwohl es der Realwirtschaft nicht schlechter geht als zum Ende der vergangenen Woche. Gewinnmitnahmen seien die Ursache, sagten Händler. In der bisherigen Rallye seien schon zu viele positive Erwartungen eingepreist, da sei im Moment nicht mehr so viel Spielraum nach oben. Auch der MDax, der Index der mittelgroßen Werte, verlor leicht. Der Technologie-Index TecDax aber stieg ein klein wenig: Offenbar können sich die Anleger nicht auf einen großen, übergreifenden Trend einigen.

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Es sind eben nicht so sehr die fundamentalen Daten, welche die Kurse treiben, sondern die Erwartungen der Anleger und Händler an die Zukunft. Solange die Realität diese Erwartungen bestätigt, bleiben die Aktienpreise üblicherweise stabil. Dicke Überraschungen aber führen zu kräftigen Marktbewegungen.

Ein typisches Beispiel war die Reaktion der Börsen auf den US-Arbeitsmarktbericht am vergangenen Freitag. Für sich alleine betrachtet, fiel der Bericht sehr negativ aus. Doch verglichen mit den Daten der vorherigen Monate und dem an der Börse herrschenden Pessimismus zeigte er deutlich, dass die Situation bei weitem nicht so katastrophal ist wie allgemein gedacht.

Nur 247.000 Stellen waren im Juli abgebaut worden, fast 80.000 weniger als befürchtet. Die größte Überraschung war aber, dass die Arbeitslosenrate sogar leicht gesunken ist. Das hatten die Anleger nicht erwartet. Kein Wunder, dass die Aktienkurse danach auf ein neues Jahreshoch stiegen. Hätten die Investoren die Zahlen erwartet, wären sie schon längst entsprechend positioniert gewesen und die Kurse hätten nicht reagiert.

Natürlich können sich die Kurse auf Dauer nicht vom fundamentalen Umfeld loslösen. Aber kurzfristig geht das sehr wohl in einer Art und Weise, die Investoren ausnutzen können. Für sie ist es immer wichtig, zu überlegen, wo die nächste große Überraschung liegt. Stimmungsindkatoren können dabei helfen. Wenn sie beispielsweise zeigen, dass die Anleger mehrheitlich skeptisch sind und noch auf größere Kursverluste setzen - dann stehen die Chancen gut, dass ausgerechnet das nicht geschieht. Skepsis ist die beste Voraussetzung für weiter steigende Kurse.

Gerade die Tatsache, dass viele Börsianer vom Dax im Moment keine großen Sprünge erwarten, könnte somit auf eine weitere positive Entwicklung hindeuten.

Leser-Kommentare
  1. Herr Mattern gibt Binsenweisheiten weiter, die jedem "Spieler" bekannt sind. Quintessenz: "Die Börse reagiert auf Stimmungen".

    Eben genau das tut sie und aus genau diesem Grunde sollte sich jeder "ernsthafte Anleger" überlegen, ob er sein Geld "Stimmungen/ Launen" aussetzen will.

    Wie schon in vorherigen Kommentaren betont. Wer spielen will, dem sei die Börse ans Herz gelegt. Wenn man aber ernsthafte, der realen Welt anhaftende Absichten hat, dann sollte man sich nach Nachhaltigem umsehen. Es gibt zu viel vagabundierendes Geld und die Börse ist ein Spielplatz für Zocker geworden, nicht mehr und nicht weniger. Die reale Welt spielt keine nachvollziehbare Rolle mehr: "Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist... In diesem Sinne sei jedem Zocker sein Plaisierchen gegönnt!

    • WIHE
    • 10.08.2009 um 16:39 Uhr

    Eine ist:

    kein Kurs ist so niedrig, dass er sich nicht noch mal halbieren kann.

    eine andere ist die:

    Wenn man am Tiefstpunkt einer Krise breit in Aktien investiert,
    kann man nichts falsch machen.

    Die Schwierigkeit ist, den Tiefstpunkt zu erkennen.

    Andererseits, wenn der Dax um 50 % von seinem Höchststand nach unten abgesackt ist, kann man darauf fast blind vertrauen, dass man vom Tiefstpunkt nicht mehr weit weg ist,

    andererseits hat man viel Phantasie nach oben.

    Leider gelingt es mir nicht, dann, wenn fast niemand sich für Aktien interessiert, das nötige Geld flüssig zu haben, um ausgerechnet dann groß einsteigen zu können.

    Ein DAX-Stand von 5400 bedeutet, dass man noch 1/3 (von oben gerechnet) vom historischen Dax-Höchststand entfernt ist.

    Ich bin davon überzeugt, in den nächsten zwei drei Jahren wird der DAX die 8000 Marke wieder überschritten haben.

    Wer nicht auf Kredit kauft und etwas Zeit mitbringt, macht keinen grundlegenden Fehler, wenn er sein Geld zu diesem Kurs in Aktien, z.B. breit gestreut in den DAX, investiert.

    • WIHE
    • 10.08.2009 um 16:46 Uhr

    Ich bin davon überzeugt, in den nächsten zwei drei Jahren wird der DAX die 8000 Marke wieder überschritten haben.

    Wer nicht auf Kredit kauft und etwas Zeit mitbringt, macht keinen grundlegenden Fehler, wenn er sein Geld zu diesem Kurs von 5400 in Aktien, z.B. breit gestreut in den DAX, investiert.
    (So war es gemeint)

  2. Es ist schön zu sehen, wie sich die Aktienmärkte wieder erholen und dass dadurch die Unternehmensfinanzierung wieder in Gang kommt. Gesellschaften, die ein Risiko eingehen wollen, können nun wieder dank der Kursgewinne Investitionen finanzieren. Auf diese Weise kommen wir schneller wieder aus der Krise heraus.

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