Buch-Communitys Und, was liest Du so?Seite 2/2
Wer bibliophil genug ist, um sich in einem Lese-Netzwerk anzumelden, macht sich auch gern die Mühe, auch eine faire Wertung abzugeben. Die Kritiken klingen fundierter als bei Amazon, und zugleich werden Favoriten Wer die Nachtigall stört (Harper Lee), Die Straße (Cormac McCarthy) und eben Revolutionary Road so empathisch von Tausenden Benutzern angepriesen, wie es keine PR-Kampagne könnte: Wer bei Goodreads vorsortiert, findet tatsächlich bessere Bücher. Und interessante Menschen: Jemandem, der 80 Bücher mit mir teilt, traue ich auch ein Urteil über Buch Nummer 81 zu. Und bin gespannt, wer er sonst so ist.
Nur als ich Freund Johannes zu Goodreads einlade, windet er sich: "Bestimmt wäre das großartig, aber es wäre auch ein peinlicher Offenbarungseid! Jeder könnte dann genau sehen, welche Bücher ich noch nicht gelesen habe!" Das stimmt: Marktforscher, Freunde, Kollegen und der Chef können aus dieser Datenflut ihre Schlüsse ziehen. Dass Amazon gleich nach der Filmdatenbank imdb auch schleunigst LibraryThing und Shelfari schluckte, wundert nicht. Oder, dass viele Verlage über Goodreads Vorabexemplare verschenken, um die Mundpropaganda für neue Bücher anzukurbeln.
Nischen und Foren für Gleichgesinnte sind die wichtigste soziale Funktion des Internets. Social Cataloging jedoch weitet diese Nischen, macht Expertisen auch für Außenstehende transparent: Ich streite mich bei Goodreads nicht mit anderen Lesern über Subjektives, sondern speise vor allem einen rigiden sozialen Katalog mit messbaren Daten: Die eigene Bildungs- und Geschmackshistorie landet als Statistik und Wertungskurve sauber aufgereiht in einem öffentliches Schaufenster.
Wer will, kann sich dieses Fenster abdichten. Jeder Service erlaubt, Profile auf "privat" zu setzen. Aber das wäre so, als entferne man den Schutzumschlag, bevor man sein Buch mit ins Café nimmt. Da ginge das Attraktivste am öffentlichen Lesen verloren: die private Eitelkeit und der Stolz auf eigenen Geschmack. Gibt es schon Seiten, wo ich den Inhalt meiner Schuh- und Kleiderschränke präsentieren kann?
- Datum 31.08.2009 - 11:51 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Amazon macht das schon, vergleichbare Artikel anzeigen, liegt aber oft meilenweit daneben. Im Netz hat man aber gute Chancen, Bücher zu finden, die einem gefallen könnten. Über Tags z. B. lassen sich gut vergleichbare Artikel finden. Der Vorteil liegt darin, dass man nicht nur wie in den meisten Rezensionsblättern nur neue Titel findet, sondern auch ältere Bücher, die man ansonsten nie finden würde.
Amazon macht gibt halt Kaufempfehlungen aufgrund zuvor gekaufter Titel im Vergleich zu anderen Nutzern. Empfehlungen von anderen Nutzern sind deutlich differenzierter, weil ich auch ein Buch kaufen kann und es nicht gut finde, das Buch fuer die Tante zu Weihnachten mitgewertet wird, etc.
Amazon macht gibt halt Kaufempfehlungen aufgrund zuvor gekaufter Titel im Vergleich zu anderen Nutzern. Empfehlungen von anderen Nutzern sind deutlich differenzierter, weil ich auch ein Buch kaufen kann und es nicht gut finde, das Buch fuer die Tante zu Weihnachten mitgewertet wird, etc.
Bzgl. der Reichhaltigkeit der Informationen rund um Bücher ist www.librarything.com tatsächlich kaum zu schlagen. Wie in dem Artikel beschrieben geht's jedoch von der Benutzerfreundlichkeit/Übersicht drunter und drüber und der Fokus ist primär englisch-sprachig.
Hier in D gefällt mir www.quillp.com besonders gut - man bekommt ähnliche Leser aufgrund der Übereinstimmungen der Bibliotheken vorgeschlagen und kann in ihren Bibliotheken stöbern; außerdem werden um Bücher und Autoren Videos und Lesungen (mal passender mal weniger passend), Biographien, News- und Blog-Beiträge usw. integriert; auch die Benutzerfreundlichkeit macht Spaß.
Bei Quillp.com gefaellt mir persoenlich nicht, dass man viel mit belanglosen Texten von unbekannten Autoren zugemuellt wird, die die Plattform eher als Marketing-Tool sehen.
Lovelybooks.de sagt mir mehr zu, da Buch und Leser m.E. mehr im Mittelpunkt stehen und die Community-Funktionen besser umgesetzt ist.
Amazon macht gibt halt Kaufempfehlungen aufgrund zuvor gekaufter Titel im Vergleich zu anderen Nutzern. Empfehlungen von anderen Nutzern sind deutlich differenzierter, weil ich auch ein Buch kaufen kann und es nicht gut finde, das Buch fuer die Tante zu Weihnachten mitgewertet wird, etc.
Doch leider lesen Menschen (mich mit eingeschlossen) viel zu wenig um über ein weites Spektrum etwas sagen zu haben.
Das ist schwer zu sagen. Spezialisierte Communities, wie für Krimis etc., sind wenig hilfreich., Amazon, hier habe ich das Gefühl, dass die Verlage kräftig "Guerilla-Marketing" betreiben.
Ich denke, es ist immer noch am besten, nach eigenem Gusto in einem Buchladen vor Ort zu stöbern.
Sandro
...finde ich dabei sehr die Tendenz zur allgegenwärtigen Bewertung (ist hier im Forum ja nicht anders) durch die User. Einerseits meinetwegen gelebte Demokratie (obwohl man ja letztlich nur Wahlempfehlungen gibt), andererseits aber auch eine Erhebung des Massengeschmacks zur qualitativen Richtschnur.
Ich habe soeben auf buecher.de ein Dan Brown Blog entdeckt. Die dortige Buchcommunitie bekommt schon vorab auf einem Video-Podcast das Ende vorgelesen. Das ist natürlich der Hammer. Und wird sehr kontrovers diskutiert. Aber es soll wohl auch einen psychologischen Hintergrund haben. Denn nachdem unglaublich viel Geheihmniskrämerei und Medienrummel über das Buch gemacht worden ist und auch Vorabveröffentlichungen publiziert wurden, geht es nun um die Frage, ob man das wirklich will. Das heiß, man darf abstimmen un seine Comments hinterlassen. Das ist mal wirklich interaktiv. Und für eine Buchgemeinschaft mal ein etwas anderer, erfrischender, Ansatz. Wollt ich nur mal an diser Stelle empfehlen: http://budurl.com/danbrown
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren