Bundesliga-Start Fußball auf allen Kanälen
Die neue Saison beginnt und (fast) alle wollen live dabei sein. Aber wo? Wir haben das Erlebnis Bundesliga via Kneipe, Internet, Pay-TV, Radio und Stadion getestet.

© boing / photocase.com
Gedränge auf den Stadionrängen: Ein neuer Besucherrekord ist in der Bundesliga trotz Wirtschaftskrise wahrscheinlich
Alles neu macht die Saison 2009/2010: Die Bundesliga startet mit elf neuen Trainern, fast 150 neuen Spielern und neuen Anstoßzeiten. Eine Konstante bleibt: Der Spieltag beginnt wie in der vergangenen Saison am Freitag um 20.30 Uhr; fünf Spiele werden am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen. Hinzugekommen ist die Partie um 18:30 Uhr. Sonntags wird ab 15.30 Uhr und 17.30 Uhr gespielt.
Soweit so gut. Aber wie bleibt man stets informiert? "Live ist Fußball natürlich am schönsten." gab einst ein deutscher Sportsender in seinen Werbespots zu. Die Alternativen zum Stadionbesuch heißen in dieser Saison Sky und Liga Total. Auch im Free-TV, über das Radio, in Kneipen oder über kostenlose Internet-Streams kann man die Spieltage verfolgen. Wir haben verschiedene Möglichkeiten gesammelt und Kosten und Nutzen bewertet.
Stadion
Nirgendwo ist der Torjubel lauter, nirgendwo schmecken ein alkoholfreies Bier und eine fettige Bratwurst besser. Auch in der kommenden Saison werden sich an den Wochenenden zehntausende Fans durch die Stadiontore drängen – trotz gestiegener Ticketpreise.
Kosten: 120 Euro (FC Bayern München) für die günstigste, 218 Euro (1. FSV Mainz 05) für die teuerste, durchschnittlich 161,30 Euro zahlen Fußballfans für eine Dauerkarte ohne Ermäßigung in der billigsten Kategorie. Wer seine Mannschaft zusätzlich zu den 17 Heimspielen auch in fremden Stadien anfeuern möchte, zahlt im Durchschnitt weitere 11,60 Euro pro Partie. 34 Spiele ohne Sitzplatz und Verpflegung kosten somit mindestens 358,50 Euro
Plus: Grölen, Pöbeln, Schimpfen, Schwitzen, Bibbern, Bierdusche
Minus: Weder Wiederholung noch Zeitlupe, eine kilometerweite Anfahrt und dann auch noch Grölen, Pöbeln, Schimpfen, Schwitzen, Bibbern, Bierdusche
Gedränge auf den Stadionrängen: Ein neuer Besucherrekord ist in der Bundesliga trotz Wirtschaftskrise wahrscheinlich
Sky
Premiere heißt jetzt Sky. Doch geändert hat sich außer dem Namen nicht viel. Der Pay-TV-Sender, der seit Januar 2008 von Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. kontrolliert wird, überträgt alle 306 Spiele der Bundesliga live und in der Konferenz; und Beckenbauer, Sammer, Effenberg, Hitzfeld, Reif und Ricken fachsimpeln um die Wette.
Kosten: Nur Fußball kann man bei Sky nicht buchen. Wer sich auf das Basispaket Sky Welt und Sky Fußball beschränkt, zahlt monatlich 32,30 Euro, DFB-Pokal, Championsleague und Europaliga nicht inbegriffen. Hinzu kommen die Kosten für den Receiver. Macht unterm Strich 394,80 Euro pro Saison, ohne Gebühren für den Kabelanschluss beziehungsweise die Anschaffungskosten für den Satellitenanschluss. Und wer das Top-Spiel in HD sehen möchte, muss noch mehr bezahlen: Weitere zehn Euro kostet der Empfang des HD-Signals, 99 Euro der Receiver als Leihgerät
Plus: Freunde einladen, Pizza bestellen, Füße hochlegen und zwischen Einzelspiel und Konferenz wählen
Minus: Siehe Kosten
Übrigens: Sky kann auch über das Internet empfangen werden. Für 19 Euro pro Spieltag lassen sich mit dem Browser alle Spiele in der Konferenz empfangen (646 Euro pro Saison)
Liga Total
Konkurrenz für das Bezahlfernsehen: Liga Total, der IP-TV-Sender der Telekom und Constantin Sport Medien, überträgt alle Spiele der Ersten und Zweiten Bundesliga live in HD-Qualität und ohne Werbeunterbrechungen im Internet. Das Fernsehbild wird über den Telefonanschluss empfangen, setzt also einen schnellen Internetzugang voraus. Europäischer Fußball und DFB-Pokal sind nicht im Angebot enthalten.
Kosten: Liga total scheint auf den ersten Blick günstig. Monatliche Kosten: 14,95 Euro. Doch für den Empfang muss zusätzlich ein Entertain-Fernseh-Produkt gebucht werden. Das günstigste Paket kostet monatlich 44,95 Euro. Internet-Zugang per DSL und eine Telefon-Flatrate sind inklusive. Der benötigte Festplatten-Receiver kostet entweder einmalig 299,99 Euro oder monatlich 4,95 Euro. Trotz Sparangebot – der Preis für Liga Total summiert sich für eine Saison auf mehr als 700 Euro
Plus: 306 Spiele in HD. Und wer sich neben der Bundesliga sowieso einen Internet-Zugang, eine Telefon-Flatrate und einen Festplatten-Rekorder anschaffen wollte, für den ist Liga Total eine Alternative zu Sky. Weiterer Vorteil: Für 4,95 Euro im Monat kann die Bundesliga über ein UMTS-fähiges Handy empfangen werden
Minus: Rein technisch können lediglich 39,5 Millionen Menschen in Deutschland das kostspielige Programm Liga Total empfangen. Für den Zusatzservice Bundesliga auf dem Handy fallen weitere Gebühren an
Kostenfreier Live-Stream im Internet
Wer am Spieltag nach den Schlagworten "Stream" und "Bundesliga" im Internet sucht, wird merken, dass er für die Bundesliga mitunter gar nichts zahlen muss. Anbieter wie CCTV, Justin.tv, Ustream, Zaptiger oder Live-TV.ru, die man am besten als YouTube für Live-Streams beschreibt, sind Plattformen, auf denen Empfänger von Pay-TV-Sendern oder ausländischen Programmen Live-Bilder ins Netz einspeisen.
Kosten: Außer Internetkosten fallen für das Streamen keine weiteren Kosten an
Plus: Das Streamen von Fußballspielen ist eine rechtliche Grauzone, jedoch nach bisherigem Rechtsstand nur für denjenigen strafbar, der den Stream zur Verfügung stellt. Günstiger als umsonst lassen sich Live-Bilder aus den Stadien nicht empfangen
Minus: Die ruckeligen, verpixelten und zeitversetzten Bilder können den Zuschauer in den Wahnsinn treiben. Die Qualität der Streams ist derzeit von HD so weit entfernt wie der SC Freiburg von der Deutschen Meisterschaft
Kneipe
Wenn Sky und Liga Total zu teuer sind, kann eine Sky-Bar (ehemals Premiere-Sports-Bar) eine Alternative sein. In der Kneipe sind die Bildschirme groß und das Bier gibt’s auf Bestellung.
Kosten: Wer sparsam ist, nippt sich mit zwei Bier über die 90 Minuten. Macht nach 34 Spieltagen und durchschnittlich drei Euro für ein Bier: 204 Euro pro Saison
Plus: Mit Gleichgesinnten machen die Diskussionen über Schwalben und Abseitsentscheidung mehr Spaß. Genügsame Trinker und Gelegenheitsfans können gegenüber einem eigenen Sky-Paket viel Geld sparen. Und wenn des Wirts Lieblingsverein gewinnt, gibt’s einen Schnaps aufs Haus
Minus: Maßlose Bierkonsumenten haben die knapp 400 Euro Kosten für Sky schnell an der Theke gelassen
Sportschau
In der kommenden Saison zeigt die ARD ab 18:30 Uhr die Zusammenfassung der Samstagsspiele in der Sportschau. Erste Bilder von der Partie um 18.30 Uhr gibt’s im ZDF zwischen 22 und 23 Uhr im Aktuellen Sportstudio. Die besten Szenen der Sonntagspartien kommen gleich nach dem Tatort ab 21.45 Uhr in den dritten Programmen. Weitere Zusammenfassungen liefert das DSF jeweils sonntags von 9.30 Uhr bis 11 Uhr und ab 23 Uhr
Kosten: Elf Monate Fußball kosten bei der GEZ 179,80 Euro. Lindenstraße und Wetten Dass selbstverständlich inklusive
Plus: Die Sportschau hat Tradition. Alle Tore, alle umstrittenen Szenen. Auch Fans mit wenig Zeit, können dank der frei empfangbaren Programme am Montag im Büro mitdiskutieren
Minus: Alle Spiele gibt es nur in der Zusammenfassung und über den Humor von Gerhard Delling lässt sich streiten
Gedränge auf den Stadionrängen: Ein neuer Besucherrekord ist in der Bundesliga trotz Wirtschaftskrise wahrscheinlich
Radio
Auch in dieser Saison kommentieren Sabine Töpperwien und ihre Kollegen wie gewohnt die Samstagspartien in der ARD-Bundesliga-Konferenz. Die Alternative im Internet heißt 90elf. Der Internetradiosender hat einen Vertrag mit der DFL abgeschlossen und darf jedes Spiel der ersten und zweiten Liga in voller Länge kommentieren und über seinen Live-Stream ins Internet übertragen.
Kosten: Wer auf den Fernseher verzichtet und sich mit einem Radio begnügt, muss der GEZ 57,60 Euro pro Saison überweisen. Für das Internetradio 90elf fallen ebenfalls GEZ-Gebühren sowie Internetkosten an. Wer das Zusatzangebot von 90elf nutzt und das Bundesligaradio auf seinem Handy streamt, muss die Kosten für die Datenpakete beachten. Ein Rechenbeispiel: Wer über UMTS 90 Minuten lang einen Stream mit einer Bandbreite von 128 kBit/s hört, empfängt mehr als 80 MB an Daten. Discounter wie simyo oder Blau bieten ein 1-GB-Paket für 9,90 Euro an. Für die gesamte Saison ergeben sich so Kosten von ungefähr 30 Euro.
Plus: Die Schlusskonferenz im Radio ist Kult. 90elf ist eine Alternative für Fans, die nur das Spiel ihrer Mannschaft hören möchte
Minus: Wenn der Lieblingsklub ein Tor schießt, wird im Radio das Mittelfeldgeplänkel in einem anderen Stadion beschrieben
Live-Ticker auf ZEIT ONLINE
Auf ZEIT ONLINE können Sie jedes Bundesligaspiel live verfolgen. Die wichtigsten Spielszenen werden beschrieben und wenn ein Tor fällt, ertönt ein wirklich toller Jubelgesang.
Kosten: Wie die meisten Angebote auf ZEIT ONLINE ist auch der Ticker kostenlos
Plus: Ideal, wenn Sie sowieso am Rechner sitzen und nichts verpassen wollen
Minus: Da fällt uns gerade nichts ein
- Datum 08.08.2009 - 17:13 Uhr
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