Bundestag mit neuer Webseite Leider nur ein RelaunchSeite 2/2

Lammert meinte, das seien doch nur "weitere zehn Sekunden", die es brauche, um die Telefonnummern auf den Homepages zu finden. Doch verbirgt sich dahinter ein hoffentlich langsam veraltendes Demokratieverständnis. Eigentlich sollten Regierende für die Regierten so leicht wie nur möglich erreichbar sein und nicht nur so einfach wie möglich ihre Botschaften überbringen wollen.

Allgemein macht die Seite aber einen modernen Eindruck. Die Hauptnavigation ist aufgeräumter und liegt nun oben über den Inhalten. Die einzelnen Elemente wie Bildergalerien als Zugänge zu wichtigen Themen scheinen auf die Herausforderungen der veränderten Mediennutzung abgestimmt. Es ist ein schlüssiges Bedienkonzept zu erkennen.

Wirklich gut ist die neue Betonung von Aktualität. Plenardebatten oder Ausschusssitzungen, die im Moment laufen, werden groß und mit direkten Links aufgemacht. Alles, was öffentlich ist, so der Ansatz, solle auch öffentlich zu sehen sein. Daher wurde auch das Parlamentsfernsehen viel stärker eingebunden. Gut auch, dass jeder nun "seinen" Abgeordneten finden kann – per Karte, via Wahlkreis oder auch Postleitzahl. Bislang gab es solche Suchfunktionen nur bei abgeordnetenwatch.de oder ähnlichen Angeboten.

Der Bundestag konkurriere mit niemandem und schon gar nicht mit Unterhaltungsangeboten, sagte Lammert. Doch habe man erkannt, dass sich die Art, wie Menschen Informationen aufnehmen, geändert hätte. "Inhalte werden heute entweder in einer bestimmten Form angeboten, oder eben nicht mehr wahrgenommen", sagte der Bundestagspräsident. Offensichtlich will man weiter wahrgenommen werden.

Zumindest von den meisten. Barrierefreiheit, also die Möglichkeit beispielsweise für Blinde, die Seite zu verstehen, ist nur teilweise gegeben. Teile des Auftritts können sie nicht "sehen". Auch fehlt die Bedienbarkeit über Tastaturkürzel. Überhaupt gibt es bei der Usability, der Bedienbarkeit, einige Einschränkungen. So dauert es einen Moment, bis man dahinter kommt, dass es sich bei den großen Bildfenstern um "Slideshows" handelt, um Elemente also, die man durch Klicken herumschieben und so weitere Informationen finden kann.

Fazit: Da ein Relaunch im klassischen Sinne nicht bedeutet, neue, innovative Produkte einzuführen sondern als Ersatz einer bestehenden Seite genügen soll, kann man diesen als gelungen bezeichnen. Die Chance einer längst nötigen Weiterentwicklung hat man damit allerdings vertan.

 
Leser-Kommentare
  1. Naja...es ist ja auch nicht gewünscht, dass der Bürger mehr Kontakt- oder Informationsmöglichkeiten bekommt. Man sieht ja auch, wie unbeliebt z.B. Abgeornetenwatch ist...für unsere Parlamentarier ist das doch nur unbezahlte Mehrarbeit...ausserdem möchten die doch garnicht, dass jeder jede Rede und jedes Protokol leicht einsehen kann. Das würde ja bedeuten, jeder Wähler kann sich unabhängig von den großen Medien eigenständig informieren...was einem da alles klarwerden würde...ne ne, Vorfiltern möchte man natürlich schon...

    Wenigstens hat eine überbezahlte Werbeagentur wieder ein paar hundertausend Euro mehr, um unterbezahlte Praktikanten in Heerscharen anzustellen.

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    „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“
    Paul Sethe, Mitbegründer der FAZ

  2. Beispiele?
    http://www.bund.de/
    http://www.bvl.bund.de/
    https://www.bsi.bund.de/

    Die benutzen - sehe ich gerade - alle die gleiche Software, wahrscheinlich irgend ein Eigenbau. Schlechte Farbkombination, nicht zielgruppenorientiert, veraltet ohne Ende.

  3. "zumindest von den meisten. Barrierefreiheit, also die Möglichkeit beispielsweise für Blinde, die Seite zu verstehen, ist nur teilweise gegeben. Teile des Auftritts können sie nicht "sehen". Auch fehlt die Bedienbarkeit über Tastaturkürzel. "

    Ist Barrierefreiheit auf behördichen/staatlichen Angeboten nicht Gesetz?????

    Zum Rest:

    "Deutschland - Land der Ideen"

    Falscher kann ein Claim nicht sein.

    • pekka
    • 12.08.2009 um 17:37 Uhr
    4. @ 3

    hmm, sie scheinen recht zu haben, so etwas habe ich auch mal gehört...
    aber sonst gibt es da wirklich tolle spielzeuge auf der seite: dieser vogel da, den kann man fragen: Wer ist ein verfassungsfeindlicher innenminister? Antwort: Der aktuelle Bundesinnenminister ist Dr. Wolfgang Schäuble, CDU. naja das gleiche Spiel kann man noch mit anderen fragen machen...
    ansonsten finde ich die farbwahl eher unschön, so düster, auch das cdu-orange hätte nicht sein müssen.

  4. Ich arbeite selber als Webdesigner und hätte mir eine öffentliche Aussschreibung gewünscht. Wahrscheinlich hätte dann eine doppelt so gute Agentur den Auftrag für den halben Preis gemacht. Aber solche Sachen laufen wohl alle über vetterwirtschaft.

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    „Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten.“
    Paul Sethe, Mitbegründer der FAZ

    • pekka
    • 12.08.2009 um 17:47 Uhr

    kann ich fast nicht glauben...
    Den Relaunch-Auftrag hatte sich nach einer "europaweiten sechsmonatigen Ausschreibung" im Frühjahr die Düsseldorfer Agentur Babiel gesichert
    Quelle: http://www.heise.de/newst...
    aber da ist was wahres dran, dass eine andere agentur den ganzen krempel besser und billiger hinbekommen hätte... aber so ist das halt, die agentur hat das schon vorher gemacht und wieso soll das jetzt jemand anderes machen...

  5. verunglückte Flügel hängen lassende „Adlercomicfigurmaskottchen“ eigentlich gewählt?

    Hoffentlich nicht, weil man’s so toll oder (noch schlimmer) lustig findet…

    Auf meine Frage:

    „Warum dieses komische Maskottchen?“

    bekam ich übrigens die Antwort:

    “The IQ Agent is currently offline.”

    (Wusste gar nicht, dass wir ne zweite Amtssprache haben.)

    Noch geiler die Antwort beim 2. Versuch, da habe ich "komisch" weggelassen:

    „Guten Tag! Wie kann ich Ihnen helfen? Ich kann Ihnen erzählen wie man am besten und einfachsten den Bundestag besucht oder was es hier zu sehen gibt. Warum das so ist, weiß ich im Moment auch nicht, lieber Besucher! Wie wäre es mit einem anderen Thema?”

    Na ja, politischer Alltag halt...

  6. über das "Innen" wird besser nicht geredet!

    Und doch weiß jeder Bescheid....oder!? ;))
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    "Dubito, ergo sum."

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