Mode Pleite in Pink – Ende einer WeltmarkeSeite 3/3
Kernpunkt von Sälzers Plan, an dem alles andere hängt: 80 Prozent der Anleihezeichner sollen auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten. Sälzer lockt, erst mit einem Frühzeichner-Bonus, dann mit einem Bonus für alle Anleger. Er verlängert die Frist zweimal, legt für jeden Umtauscher zehn Aktien oben drauf – auch aus seinem eigenen Bestand. Aber der Umtausch verläuft schleppend. "Unfair" sei Sälzers Angebot, kritisieren Aktionärsschützer. Viel schlimmer als solche Kritik ist für Sälzer aber: Die Investoren glauben nicht mehr an Escada.
Nebenher müht sich der Vorstandschef, der Marke Escada ihren Glamour zurückzugeben. Zur Berliner Fashion-Week Anfang Juli lädt er Kunden zum Cocktail ins Bode-Museum. Das erstrahlt ganz in Pink. An den Säulen und auf den Stufen der gewundenen Treppen stehen Puppen mit den berühmtesten Kreationen aus den großen Escada-Jahren – als wolle Sälzer die Erfolgsgeister der Vergangenheit beschwören. Zwischen dem Vergangenen stolzieren Models in Entwürfen der neuen Kollektion. Sälzer will den Escada-Stil neu fassen: "Ich habe nichts gegen Goldknöpfe, nur muss man sie zeitgemäß interpretieren", sagt er. Nach wie vor stehe Escada für Farbe, Eleganz, Glamour, Passform, Qualität. Nur eben "modischer, jünger und innovativer" als früher.
"So funktioniert das nicht", sagt Wolfgang Joop, 64. Er sitzt in offenem Hemd und enger Jeans im Salon seiner Villa in Potsdam und isst Erdbeerkuchen, um seine Füße tummeln sich drei Hunde. "Escada steht doch für Opulenz", sagt Joop, die Stiländerung verunsichere die Kunden. Escada fehle die klare Handschrift eines Designers.
Auf der "Pink Party" im Museum machen sie sich so ihre eigenen Gedanken. Die einflussreiche US-Modekritikerin Suzy Menkes sagt zu Sälzers Escada-Rummel im Museum: "Das erinnert mich an Donald Trump: Der hat immer die größten Feste gemacht, wenn alle sagten, er sei pleite."
Und Sälzer? Eine Insolvenz sei dessen Sache nicht, sagt ein Insider: "Sälzers Bühne ist der Showroom, das Verkaufen." Und: "Wenn es tatsächlich zur Insolvenz kommt, wird er danach auch weg sein. Unter oder mit einem Insolvenzverwalter zu arbeiten – das macht und kann er nicht."
Mitarbeit: Tanja Kewes, Düsseldorf
Erschienen auf Handelsblatt.com am 12. August 2009.
- Datum 12.08.2009 - 13:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Handelsblatt.com
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