Die Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Machmud Abbas hat bei der Wahl zu den Spitzengremien einen überraschend deutlichen Generationswechsel vollzogen. Zugleich wählten die rund 2500 Delegierten aber auch mehrere Vertreter aus dem als korrupt geltenden Führungszirkel von Ex-Präsident Jassir Arafat in das einflussreiche Zentralkomitee. Dem derzeitigen Präsidenten Abbas gelang es zwar, Opponenten aus der Führung der größten Palästinenserorganisation zu verdrängen, zugleich muss er aber künftig mit stärkerer Opposition der "jüngeren Garde" im Zentralkomitee, dem wichtigsten Entscheidungsgremium, rechnen. Das geht aus bislang inoffiziellen Abstimmungsergebnissen hervor, die von der Wahlkommission in Bethlehem bekannt gegeben wurden.

Der Fatah-Parteitag, der ursprünglich am Donnerstag vergangener Woche zu Ende gehen sollte, muss wegen der schleppenden Auszählung nun sogar noch um einen weiteren Tag auf Mittwoch verlängert werden. Erst dann werden voraussichtlich die offiziellen Endergebnisse für die Wahl des Zentralkomitees sowie des Revolutionsrates, dem parteiinternen Parlament, vorliegen.

Die Wahlen fanden zum Abschluss des ersten Fatah-Parteitages seit 20 Jahren statt. Offenbar konnten nur vier der 18 ehemaligen Mitglieder der alten Garde ihren Sitz verteidigen. Zu den prominentesten Verlierern gehört unter anderem der Abbas-Opponent und ehemalige palästinensische Ministerpräsident Achmed Kurei. Nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission verfehlte er einen Sitz nur um zwei Stimmen.

Seit Jahren haben jüngere Fatah-Führer von der alten Garde mehr Mitsprache in den Entscheidungsgremien der größten Palästinenserorganisation verlangt. Die rund 2500 Delegierten leiteten zwar jetzt eine Verjüngung ein, aber viele der neuen
Gesichter im Zentralkomitee sind alte Hasen, die schon zum korrupten Führungszirkel von Ex-Palästinenserpräsident Jassir Arafat gehörten. Zwei von ihnen sind die ehemaligen Geheimdienstchefs für das Westjordanland, Dschibril Radschub, und den Gazastreifen, Mohammed Dahlan. Ihnen wird unter anderem Folter von politischen Gegnern vorgeworfen. Den Sprung ins Zentralkomitee hat auch Marwan Barguti geschafft. Der heute 50-Jährige ist von Israel wegen fünffachen Mordes zu einer mehrfach lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Wegen ihrer Beteiligung am bewaffneten Widerstand gegen Israel genießen alle drei innerhalb von Fatah große Wertschätzung.

Mitglied des neu gewählten Zentralkomitees, das die tägliche politische Arbeit der größten Palästinenserorganisation leitet, ist auch der Chefunterhändler in den Friedensgesprächen mit Israel, Saeb Erekat, sowie der Arafat-Neffe Nasser al-Kidwa. "Die neue Zusammensetzung schafft für Abbas auch neuen Ärger in den Gesprächen mit Hamas", sagte der politische Kommentator Hani Masri. Fatah von Abbas und die Radikalislamisten von Hamas sind verfeindet. Die Aussöhnungsgespräche hatten bisher keinen Erfolg. Viele der neu gewählte Mitglieder seien von Hamas gegenüber viel offener als das alte Zentralkomitee, sagte Masri. Sie könnten versuchen, Abbas in diese Richtung zu drängen.

Dem Zentralkomitee gehören künftig 23 statt bislang 21 Mitglieder an. Palästinenserpräsident Abbas wurde per Handabstimmung gewählt. Außer den 18 neu gewählten Fatah-Mitgliedern werden vier weitere zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt. Abbas hat dabei das Vorschlagsrecht. Aus Israel hat es viel Kritik am Parteitag von Fatah und vor allem am neuen Parteiprogramm gegeben.