Piraterie-Verdacht Frachter verschwindet spurlos auf der Nordsee

Ein finnisches Frachtschiff wird vermisst. Das letzte Signal empfing die britische Küstenwache. Sie fürchtet nun, es könnte von Piraten entführt worden sein

Die Arctic Sea sollte unter maltesischer Flagge Holz im Auftrag einer finnischen Reederei nach Algerien bringen. Das letzte Signal erhielt die Küstenwache am 28. Juli. Zu dem Zeitpunkt durchquerte die Arctic Sea die Straße von Dover. Zwei Tage später wurde das Schiff zum letzten Mal geortet, diesmal vor der nordfranzösischen Küste. Das Mysteriöse: Der Frachter soll bereits auf seiner ersten Strecke in der Ostsee vorübergehend gekapert worden sein.

Angeblich soll das Schiff noch einmal vor der Küste Portugals gesichtet worden sein. Allerdings konnte die Identität nicht zweifelsfrei geklärt werden. Angaben der spanischen Behörden zufolge wurde die Arctic Sea nicht in der Straße von Gibraltar gesichtet. Das Schiff hätte diese Meerenge aber passieren müssen, wenn es wie geplant am 4. August seinen algerischen Zielhafen erreichen wollte.

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Die britische Küstenwache steht vor einem Rätsel. Bei dem letzten Funkkontakt "erschien nichts verdächtig. Es kann aber gut sein, dass ein Mitglied der Besatzung bei dem Kontakt von einem Entführer eine Waffe an den Kopf gehalten bekam. Wer weiß das schon?", sagte ein Beamter der Küstenwache.

Dass das Schiff bei einem Unglück gesunken sein könnte, bezweifeln Experten. "Dann müssten irgendwo Trümmer oder das Holz treiben", meint Nick Davis, der ein Unternehmen zum Schutz von Schiffen betreibt. Andererseits ist bislang auch noch keine Lösegeldforderung bekannt geworden. Das späche dagegen, dass Piraten am Werk sind.

An der Suche nach dem 4000-Tonnen-Schiff beteiligt sich jetzt auch die russische Marine. Zur Besatzung gehören 15 russische Seeleute. Russlands Präsident Dmitri Medwedew befahl dem Verteidigungsministerium in Moskau, "alle notwendigen Maßnahmen" zu unternehmen, um das Schiff aufzufinden und notfalls zu befreien.

Die Reederei wollte sich zum Verschwinden des Frachters nicht äußern.

Angaben der Reederei zufolge hatten maskierte und bewaffnete Männer die Arctic Sea bereits am 24. Juli in der schwedischen Ostsee für zwölf Stunden in ihre Gewalt gebracht. Anschließend hätten sie das Schiff wieder verlassen. Die Männer gelangten an Bord, weil sie sich als Drogenfahnder ausgegeben hatten.

 
Leser-Kommentare
  1. Ein unter maltesischer Flagge fahrendes finnisches Schiff, das im Auftrag einer finnischen Reederei Holz nach Algerien bringt, dessen letztes Signal in britischen Hoheitsgewässern aufgefangen worden ist und letztmals vor der französischen Küste gesichtet worden sein soll, auf dem zumindest auch russische Seeleute arbeiten. Mann o Mann, das wird schwer für unseren BMV Jung, aus der Nummer eine Notwendigkeit zur Änderung des Grundgesetzes abzuleiten. Vielleicht ist der Pott ja schon einmal nahe an der deutschen Küste vorbeigefahren.

  2. 1. Ein Frachter
    2. die Reederei sitzt in Finnland
    3. die Mannschaft ist - zum Teil - aus Russland
    4. und das Schiff läuft unter MALTESISCHER Flagge.

    Und jetzt sollen England, Frankreich, Deutschland Russland und die anderen Nordsee-Anrainer sich fragen, wo das Schiff geblieben ist. Mit anderen Worten, die VERANTWORTUNG für den Fall, dass mal was schief geht, wird so breit gestreut wie bei ausgelaufenem Öl oder Schrottpapieren an der Börse.
    Vielleicht sollten wir, anstatt das Internet in ein Netz für Staatsspionage zu verwandeln, lieber erst mal die wirkliche Welt ein bisschen friedlicher machen.

  3. Es scheint hier einige Verwirrung zu geben. Also, das sind die Tatsachen:

    Die Arctic Sea wurde um den 20.7. in der Ostsee (!!) in der Nähe der schwedischen Insel Gotland von 10 oder 12 bewaffneten Männern in einem Festrumpf-Schlauchboot geentert. Diese Männer gaben sich in englischer Sprache als schwedische Drogenfahnder aus um an Bord kommen zu können, überwältigten die Besatzung, wobei es einige Verletzte gab, und verließen angeblich das Schiff nach ca. 12 Stunden ohne etwas mitzunehmen, nachdem sie es gründlich durchsucht hatten. Am 24.7. meldete der Kapitän den Vorfall dem finnischen Büro der Reederei, die die Sache umgehend an die russische Botschaft in Helsinki weiter meldete, auch dass die Männer das Schiff angeblich wieder verlassen hätten. Die russische Botschaft schaltete umgehend die schwedischen Behörden ein, in deren Hoheitsgewässern der Vorfall passierte. Wie die schwedische Kriminalpolizei der Presse mitteilte, hat es sich bei den Männern keinesfalls um Mitglieder irgendeiner schwedischen Behörde gehandelt. Am 30.07. um 01.29 Uhr GMT erhielt ein Mitarbeiter der englischen Küstenwache über Funk folgende Positionsmeldung von der Arctic Sea:
    "30.07.2009 01:29:19 UTC
    48 57,093 N / 05 39,313 W
    course - 243 degrees , speed 8,3 knts."
    Diese Position ist am Ausgang des Ärmelkanals zwischen Lands End und Kap Finisterre. Seitdem gibt es keine gesicherten Spuren mehr von der Arctic Sea und ihrer Besatzung.

    Das Schiff Arctic Sea ist in Malta registiert, aber der Eigentümer ist eine Reederei in Archangelsk, Russland . Involviert war, wegen des finnischen Ladehafens Pietarsaari, deren finnisches Büro. Bestimmungshafen der mit 1,8 Millionen USD bewerteten Holzladung ist Bejaja in Algerien, wo die Arctic Sea am 4.8. hätte ankommen sollen, aber bis heute nicht aufgetaucht ist. Die komplette Besatzung, 15 Menschen, besteht aus russischen Staatsbürgern. Die Arctic Sea ist also ein russisches Schiff mit russischer Besatzung, deshalb engagiert sich natürlich zuvorderst Russland bei der Suche... Heute wurden Schiffe sowohl der Baltischen als auch der Schwarzmeerflotte in den Atlantik in Marsch gesetzt.

    Alle modernen Hochseefrachtschiffe, wie auch die Arctic Sea, sind mit einer Vielzahl elektronischer Geräte zur Kommunikation, Signalgebung und Ortung ausgerüstet. Daher ist es nur speziell ausgebildeten Fachleuten möglich, die elektronischen Spuren eines solchen Schiffes verschwinden zu lassen, was den gesamten Vorfall natürlich noch mysteriöser macht.

    Mein ganzes Mitleid gilt der Besatzung und deren Angehörigen. Man kann sich nur schwer vorstellen, was diese Menschen jetzt durchmachen müssen.

    Beobachter008

  4. Wie waren denn das Wetter und die Wellenhöhe in dem betreffenden Seegebiet? Kann man ausschließen, dass das Schiff gekentert ist?

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    Kenterung kann man zu 99,99 % ausschließen, denn
    1. dann wären ganz sicher Teile der auch an Deck gestauten Holzladung aufgeschwommen und in diesem dicht befahrenen Seegebiet bereits gesichtet worden;
    2. dann hätte sich, selbst bei Ausfall sämtlicher Kommunikationsmittel, zumindest die EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon) automatisch aktiviert und Signale gesendet, die von jedem Schiff/Flugzeug und jeder Küstenwachstation empfangen werden können.

    Beobachter008

    Kenterung kann man zu 99,99 % ausschließen, denn
    1. dann wären ganz sicher Teile der auch an Deck gestauten Holzladung aufgeschwommen und in diesem dicht befahrenen Seegebiet bereits gesichtet worden;
    2. dann hätte sich, selbst bei Ausfall sämtlicher Kommunikationsmittel, zumindest die EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon) automatisch aktiviert und Signale gesendet, die von jedem Schiff/Flugzeug und jeder Küstenwachstation empfangen werden können.

    Beobachter008

  5. Kenterung kann man zu 99,99 % ausschließen, denn
    1. dann wären ganz sicher Teile der auch an Deck gestauten Holzladung aufgeschwommen und in diesem dicht befahrenen Seegebiet bereits gesichtet worden;
    2. dann hätte sich, selbst bei Ausfall sämtlicher Kommunikationsmittel, zumindest die EPIRB (Emergency Position Indicating Radio Beacon) automatisch aktiviert und Signale gesendet, die von jedem Schiff/Flugzeug und jeder Küstenwachstation empfangen werden können.

    Beobachter008

    Antwort auf "Wetter?"
    • GJW
    • 12.08.2009 um 22:07 Uhr

    Das ist eine logische Überlegung, sodass man die angeblich finnischen Journalisten fragen müsste. Haben sie diese Auskunft von der Reederei - die natürlich auch keine Verbindung zum Schiff haben kann? ;-)

    Allerdings hört man immer wieder von so exakten

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