Laut Schröter-Kunhardt leiden homosexuelle Männer doppelt so häufig an Depressionen wie heterosexuelle. Er verweist auf die angebliche Widernatürlichkeit beim Akt: "Die Sexualorgane des Menschen sind eindeutig für definierte Formen des Geschlechtsverkehrs zwischen Mann und Frau angelegt. Der nicht-natürliche homosexuelle Geschlechtsverkehr führt durch die damit verbundene hohe Verletzungsgefahr zu gefährlichen Geschlechtskrankheiten mit einer um 20 Jahre verringerten Lebenserwartung." Für die Verbreitung von Aids seien männliche Homosexuelle verantwortlich.

Bislang wartet Schröder-Kunhardt mit seiner kruden Eingabe vergeblich auf eine Antwort des Ministeriums. "Die Bundesregierung verhält sich den wissenschaftlichen Diskussionen gegenüber neutral", so ein Sprecher. Ohnehin bestehe seit Jahrzehnten kein ernsthafter Diskussionsbedarf mehr: Homosexualität wurde 1974 von der amerikanischen Psychiatervereinigung ( APA ) von der Liste der psychischen Störungen gestrichen und 1992 aus dem weltweit anerkannten Krankheitenkatalog der Weltgesundheitsorganisation, dem ICD-10, entfernt.

Für Psychiater Michael Schröter-Kunhardt ist das Thema längst nicht erledigt: "Ich fordere dazu auf, Stellung zu beziehen zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen über Homosexualität, und werde einfach ignoriert", empört er sich und beklagt die "Leugnung von wissenschaftlichen Fakten" – auch bei den Gesundheitspolitikern.

Professor Götz Mundle, ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken, die unter anderem auf die Behandlung von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen spezialisiert sind, hält den Ansatz des Bekehrenwollens für grundfalsch und gefährlich. Aufgabe eines Psychiaters ist seiner Ansicht nach, den Patienten zu helfen, ihre Homosexualität zu akzeptieren. Druck von außen könne verunsichern und schlimmstenfalls zu Identitätskrisen und psychischen Störungen führen. Für den Psychiater steht fest: "Umerziehungstherapien machen krank."