Nach dem Crash "Dann kommt die Goldene Zeit"Seite 3/3
"Blasen gehören zur Standardausstattung des Kapitalismus"
ZEIT ONLINE: Wir hätten jetzt gerne noch einen Tipp, wie wir die nächste Blase erkennen werden, wenn sie eines Tages kommt ...
Perez: ... und das ist eine sehr wichtige, aber sehr schwierige Frage. Erstens muss klar sein, dass Blasen - oder besser gesagt Finanzkrisen - zur Standardausstattung des Kapitalismus gehören. Sie können jederzeit entstehen, entweder weil es irgendwo billigen Kredit gibt oder weil irgendeine aufregende neue Technologie oder Geschäftsidee in die Welt gekommen ist. So ist es wahrscheinlich, dass die Umweltindustrie in den kommenden zwei Jahrzehnten eine Blase oder zwei entstehen lassen wird. Doch die wirklich großen Technologieblasen treten höchstens zweimal pro Jahrhundert auf. Sie sind Geschöpfe der technologischen Revolution.
ZEIT ONLINE: Und die sind so groß, dass man sie noch gar nicht vorhersehen kann?
Perez: Ich würde wetten, dass die nächste auf irgendeine Kombination von Biotechnologie, Nanotechnologie, Bioelektronik und neue Werkstoffe gründen wird. Niemand kann vorhersagen, welcher Durchbruch genau sie auslösen wird, weil man das nie weiß. Es dauert aber in der Regel lange. Ich denke, dass wir erstmal noch mindestens zwei Jahrzehnte lang die Früchte der jüngsten Revolution, der informationstechnologischen, ernten werden.
ZEIT ONLINE: Aber wenn man Sie richtig versteht, will man es auch gar nicht so genau wissen. Man will in der nächsten Blase kein Spielverderber sein.
Perez: Oh doch. Wir haben als Gesellschaft durchaus ein Interesse daran, die nächste Blase zu erkennen, so dass wir wenigstens die negativen Folgen verringern können, ohne die positiven aufzugeben. Die Wirtschaftswissenschaft und die anderen Sozialwissenschaften haben keine Entschuldigung dafür, dieses Phänomen nicht zu erforschen. Doch in der nächsten Blase werden die Marktfundamentalisten ein weiteres Mal die Vorzüge des unbegrenzten Wettbewerbs preisen. Die einzelnen Menschen, die von der Blase profitieren, werden wieder genauso reagieren wie immer: mit irrationalem Überschwang.
Das Interview führte Thomas Fischermann
- Datum 08.09.2009 - 15:38 Uhr
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"...dass in einem künftigen goldenen Zeitalter auch ein anderer politischer Diskurs hermuss" -
ein riesiger Fortschritt in diesem Sinne wäre bereits, bezüglich der Benennung von Zeiträumen wieder auf den Teppich zurückzukehren und nicht eine lächerliche Spanne von zehn bis zwanzig Jahren als aus welchem Metall auch immer bestehendes "Zeitalter" aufzuplustern.
"Die einzelnen Menschen, die von der Blase profitieren, werden wieder genauso reagieren wie immer: mit irrationalem Überschwang."
So irrational sehe ich diesen Überschwang allerdings nicht. Er wird von den Profiteuren durchaus absichtlich und mithin rational eingesetzt, um die Massen zu blenden und den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Die Wahl des Titels ("Dann kommt die Goldene Zeit") ist doch ziemlich irreführend und kaum mit den Äusserungen der Wissenschaftlerin zu vereinbaren. Ebenso der Vorspanntext: wo findet der Schreiber die angebliche Kernaussage, der Spekulationswahnsinn diene doch der Gesellschaft? Ich kann sie jedenfalls nicht herauslesen. Sieht für mich so aus, als hätte der Autor hier seine persönlichen Heilslehren untergejubelt...
Immer dann, wenn sich die Finanzwirtschaft zu sehr von der Realwirtschaft entkoppelt, entsteht eine Finanzblase und am Ende ein mehr oder minder großer Crash.
Dass sich die Dame darauf kapriziert, dass immer auch was Gutes für die Gesellschaft dabei rauskommt, bewerte ich als human-washing ihrer Liebe zur Marktwirtschaft. Der 29er Crash und die weltweiten sozialen Schwierigkeiten kann ich nicht als Gewinn für die Menschheit sehen.
Ansonsten hat ihre Theorie ein bisschen was von der Weisheit: auf Regen folgt immer Sonnenschein. Nur wenn der Regen ein Sturzbach vom Himmel war und die Terrasse mitgenommen hat, mag man sich am Sonnenschein vielleicht nur mäßig erfreuen.
wäre die richtige Übersetzung gewesen;-)
Aber gutes Interview. Die These ist in den US derzeit recht viel diskutiert. Und sie ist einfach bestechend logisch und lässt einen vieles verstehen. Da braucht man jetzt gar nicht zum Nihilist werden und zwanghaft das Haar in der Suppe bzw. Theorie suchen.
Ich würde die aktuelle Krise auch nicht mehr als Krise sondern als Zeitenwende betrachten. Denn danach wird die Globalisierung mit Sicherheit weiter existieren - und zwar viel tiefer. Diese Krise hat den Strukturwandel den wir Globalisierung nennen insofern stark beschleunigt als dass Unternehmen und Strukturen denen eigentlich Geschäftsgrundlage und Finanzen schon länger gefehlt haben in den Ruin "gezwungen" wurden. So wie Omas Kaufhaus, in welches schon lange keiner unter 30 Jahren mehr einen Fuß setzt. Aber solang die Konkunktur stabil blieb und die Kreditmärkte günstige Kredite lieferten ging das Geschäft immer noch so bisl weiter. Man kann auch sagen, man ist träge geworden - es ging ja dann doch immer irgendwie weiter - und hat sich keine neuen Geschäftsideen einfallen lassen.
Alle Krisen von denen wir aus den letzten 150 Jahren ja ein großes Detailwissen haben, haben all das hervorgebracht was unser modernes Leben ausmacht.
Selbst die meisten Traditionsfirmen waren Kinder der Krise - weil deren Gründer aufgrund der schlechten Konjunktur keine sichere Karriere als Angestellter anstreben konnten und zu Innovation "gezwungen" waren.
Ich gehe sogar so weit zu behaupten dass die "Neuen Länder" in der Bundesrepublik in 20 Jahren zusammen mit Süddeutschland die Wohlstandsbanane in Deutschland bilden werden. Denn dort ist es das selbe, viele junge Leute die dort noch nicht abgehauen sind haben das ganz bewusst nicht getan. Weil sie ihre Heimat mögen, dort bleiben wollen und was erreichen wollen. Gleichzeitig gibt es dort wenig Chancen in ein geregeltes Angestelltenverhältnis einzusteigen. Also machen sie sich selbstständig, gründen was. Nicht alle die mit Laptops in den Cafes in Berlin hocken um das dortige WLAN kostenlos zu nutzen werden ein neuer Werner von Siemens aber das muss ja auch gar nicht sein. In jedem Falle ist die Krise auch ein Neuanfang.
... finde ich. Ähnliche Gedanken hatte ich auch schon. Auch wenn ich mit den Antworten nicht so richtig zufrieden bin. Es ist irgendwie unbefriedigend, Blasen weder richtig erkennen, noch sie bekämpfen zu können, ja sie letztlich als gesellschaftlich/kapitalistischen Prozess begreifen zu müssen. So richtig daran glauben, mag ich auch jetzt noch nicht. Die empirische Datenbasis dazu ist mir einfach noch zu gering.
Das Internet etwa hat sich imho nicht wegen der NewEconomy-Blase durchgesetzt (zumindest habe ich den zeitlichen Ablauf nicht so in Erinnerung), sondern sie begann erst, als das Internet bereits ziemlich etabliert war. Was diese Blase hervorgebracht hat, waren haufenweise Eintagsfliegen und einige neue Konzerne, wie Amazon und eBay. Ich habe starke Zweifel, dass wir ohne diese Blase viel vermissen würden, denn letztgenannte Unternehmen hätte es vermutlich früher oder später ohnehin gegeben, vielleicht hätte es einige Jahre länger gedauert.
Ähnliches auch bei den Eisenbahnen. Die Technik war imho meist schon vorher da, sie ist ja der Grund, warum überhaupt eine Blase entsteht. Die Blase erhöht höchstens die Aktzeptanz und unterstützt die Verbreitung.
Leider fällt mir auch nichts ein, um Blasen wirkungsvoll zu verhindern bzw. die evtl. Vorteile ohne die immensen Nachteile zu kassieren. Auch wenn ich glaube, dass es einen weniger verlustreichen Weg gibt, leicht zu finden ist er aber offensichtlich nicht.
Nürnberg, am 10. Dezember 1860: Am Bahnhof beginnt eine historische Lok, die Replik der ersten deutschen Eisenbahn, ihre Reise nach Fürth. Zwischen beiden Städten wurde 125 Jahre zuvor die erste deutsche Eisenbahnstrecke eröffnet - kurz danach hatte auch Deutschland seine Eisenbahnmanie<
Wenn ich das oben Geschriebene wörtlich nehme, dann müsste die erste deutsche Eisenbahn 1735 ihr Reise von Nürnberg nach Führt angetreten haben.
Die Deutschen haben zwar viel erfunden, Autos, Ammoniak-Synthese, Großraketen, die Kernspaltung, und vieles mehr.
aber nicht die Eisenbahn, die kommt aus England und die begann um 1800 ihre Existenz.
...dann bitte richtig korrigieren. Es muss wohl 1960 statt 1860 heißen. ;)
Die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth wurde bekanntlich am 7. Dezember 1835 eröffnet, wie man in jedem Lexikon bestätigt finden kann.
...dann bitte richtig korrigieren. Es muss wohl 1960 statt 1860 heißen. ;)
Die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth wurde bekanntlich am 7. Dezember 1835 eröffnet, wie man in jedem Lexikon bestätigt finden kann.
statt Führt sollte es Fürth heißen.
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