Intimflohmarkt Die Hosen runterlassen
Kein Geld und nichts zu verbergen? Das sind optimale Voraussetzungen, um beim Intimflohmarkt groß einzukaufen. Man bezahlt mit privaten Enthüllungen

© Dennis Brüsch
Ein Schnäppchen? Für einen fünfminütigen Erfahrungsbericht über das Thema "Sich dumm vorkommen" bekommt man die Quietsche-Ente
Dennis hat sich in einen Spiegel mit buntem Holzrahmen verliebt. Wäre er jetzt auf einem normalen Flohmarkt, er würde mit dem Verkäufer verhandeln und den Preis so weit wie möglich drücken. Beim "Intimflohmarkt" in der Berliner Galerie TÄT ist das anders. Hier kostet der Spiegel "12 Minuten über das Thema Selbsterkenntnis". Der Preis für einen Mantel beträgt "20 Minuten über etwas, mit dem Du zu kämpfen hast", ein grünes Top kostet "5 Minuten über eine Jugendsünde", den neuen Ring am Finger gibt's für "5 Minuten über ein schmutziges Geheimnis".
Irritiert blickt Dennis auf das ungewöhnliche Preisschild. "Ist gar nicht schlimm", beruhigt ihn die Veranstalterin Alexandra Müller und deutet auf eine kleines Kabuff in der Ecke der Galerie. "Wir setzen uns einfach hinter den Vorhang und reden." Die Gespräche sind anonym, keiner der anderen Besucher kann zuhören.
Wenig später sitzt Dennis auf einem kleinen Klappstuhl, hat ein Mikrofon vor der Nase und erzählt, dass seine letzte Selbsterkenntnis wohl die gewesen sei, "dass ich der ganzen Welt bei Facebook mitgeteilt habe, dass ich gerade in Rom bin." Dabei habe er es eigentlich nur einer Person mitteilen wollen. "Ich hatte gehofft, dass sie es liest und sich mit mir dort trifft ..."
"Die zwölf Minuten sind um, viel Spaß mit Deinem Spiegel", beendet Müller das Thema Selbsterkenntnis. Dennis ist erleichtert. "Es war schon sehr komisch", sagt der 23-Jährige, "aber irgendwie ist es mir auch leicht gefallen, weil ich sie nicht kenne und mir somit auch vor ihr nichts peinlich sein muss."
"Verschwende deine Daten" hat Müller ihre Performance genannt. Doch ihr "Intimflohmarkt" ist mehr als nur eine Weiterführung öffentlicher Zurschaustellung. Er ist vielleicht sogar das Gegenteil: Ein erstaunlich leiser Moment in einer immer lauter werdenden Gesellschaft.
Müller hat sich in früheren Projekten selbst als öffentliche Person inszeniert - und dabei ungeahnte Reaktionen erfahren. Bei ihrer Performance Don’t cry.work! FmbH machte sie sich sieben Tage lang zur "Arbeitssklavin". Als "Frau mit beschränkter Haftung" (FmbH) konnte jeder sie buchen. "Ich habe alles gemacht, außer sexuellen Handlungen natürlich", sagt die 26-Jährige. Während sie Kinder gesittet und Böden geschrubbt habe, hätten plötzlich wildfremde Menschen angefangen, ihr spannende Geschichten zu erzählen. "Der Redebedarf war überwältigend."
- Datum 12.08.2009 - 13:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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demnächst kann die gute Frau tausende Schiffsladungen von Quietsche-Entchen in China ordern, soviel wie Schäble weiß keiner zu erzählen.
Da gibt´s auch kein Gezicke um die Themenwahl
Interessantes Projekt. SOZIALES Leben! Was ist eigentlich mit dem Begriff "Globales Dorf" geworden? Irgendwie hat das was anheimelndes. Etwas intimes. Jeder weiß über jeden alles.... Ääh, das ist ja wohl nicht gemeint? Doch!
Die Wahrheit ist doch, dass intime Geständnisse Kapital sind. Welche Vorlieben jemand hat, seine Antipatien, seine Sünden... das sind Sachen, die Geld wert sind. Werbung kann gezielt angepasst werden, Sünden als Druckmittel gezielt angewendet werden.
Doch ist die Sache nicht wie mit dem Geld? Wenn es zuviel davon gibt, ist es wertlos? Inwiefern kann es sich auszahlen, wenn man weiß, das der Kollege schwul ist, als Kind einen Joint geraucht hat oder fremdgeht? Die Rechtsgeschichte geht davon aus, dass Gerichte Sache des Volkes sind. Die meisten Gerichtsverfahren sind öffentlich. Wer ein 'richtiger' Spanner ist, der geht doch als Zuschauer ins Gericht!
Und dort bekommt er zu hören: Nichts! Das sind alles Langweiler wie ich!
Und wie ist das in der katholischen Beichte? Sicher bekommt nur der Priester was davon mit. Aber unbewusst wird nicht davon ausgegangen. Vielleicht ist die Beichte etwas, was uns heute wirklich fehlt. Vielleicht ist uns in der modernen Zeit da irgendwas abhanden gekommen.
Die Idee wird aber erst Früchte zeigen, wenn jemand, der KEINE Angriffspunkte hergibt, ein Problem hat. Wenn die Liebe den Hass überwiegt. Und ich fürchte, das kann noch lange dauern.
Genaugenommen ist Ihre Überschrift "Die Hosen runterlassen" beleidigend für das Projekt von Alexandra Müller, eine interaktive Partizipationsperformance. Text und Beschreibung ihres Projekts weisen in eine ganz andere Richtung als die reißerische Überschrift auf ZEIT-Online! Natürlich ist einE KünstlerIn darauf angewiesen, dass die Öffentlichkeit von ihrem Projekt Notiz nimmt, aber nichts am Projekt ist öffentlichkeitsgeil!
Eine Bereicherung wäre es gewesen, wenn Frau Will sich die ZEIT genommen hätte, um sich den Vorstellungen von Frau Müller über "IntimiTÄT" ein wenig zu nähern! Fast JedeR versteht darunter etwas anderes! Unwillkürlich setzt man sich dabei mit der gesellschaftlichen Neigung zur fast schon zwanghaft gewordenen Selbstdarstellung auseinander. Das kann bereichernd sein! Wahrscheinlich meint aber Frau Will, dass das Reißerische ja nur wohlwollend gemeint war!
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